Sammelalbum weiblicher Idole

„100 Frauen und 100 Jahre Frauenwahlrecht“

Cover "100 Frauen und 100 Jahre Frauenwahlrecht"
c bpb

Ich habe diese bpb-Ausgabe erst spät entdeckt, mich aber umso mehr gefreut – „100 Frauen und 100 Jahre Frauenwahlrecht“ klang vielversprechend und das Konzept ist in der Tat toll. Sabine Kranz und Annegret Ritter haben hier einen Band herausgegeben, in dem 100 Pionierinnen vorgestellt werden. Jede Doppelseite ist gleich aufgeteilt, mit einer kurzen Biographie, einem Zitat sowie der Auskunft, warum die jeweilige Illustratorin diese Frau ausgewählt hat. Denn auf der rechten Seite haben unterschiedlichste Illustratorinnen die Heldinnen des Bandes illustriert. Zur Kontextualisierung läuft am unteren Seitenrand ein Infostreifen mit, der allgemeine Entwicklungen zu Frauenrechten kenntlich macht.

Ein wenig merkwürdig ist, dass die 100 Jahre Frauenwahlrecht so auf den Titel gehoben werden, denn das Buch stellt eher ein buntes Sammelsurium bedeutender Frauen dar, keineswegs alle waren Politikerinnen, ob nun Lise Meitner oder Herta Heuwer, die selbsternannte Erfinderin der Curry-Wurst. Das macht die Spannbreite ungefähr ersichtlich und gleichzeitig bleiben wir im deutschsprachigen Raum, was zwar angekündigt, aber nicht begründet wird. Insofern fehlt ein wenig der rote Faden, zugleich bleibt vieles zu entdecken, macht die Lektüre Spaß. Gerade die wechselnden Illustrationen verdeutlichen, wie sehr die Bewertung von Biographien von der jeweiligen Deutung der Betrachter*innen abhängt.

Die kürze der Texte bietet leider immer wieder Raum für Ungenauigkeiten. Elly Heuss-Knapp wird etwa als erste First Lady „Deutschlands“ und eben nicht der BRD bezeichnet, Hildegard Knef ist angeblich durchgängig erfolgreich, dabei gelang ihr der Durchbruch in den USA keineswegs so einwandfrei – die Kriegsbelastung saß noch zu tief – und bei Anne Frank wird das Überleben des Vaters, das ja nun einmal entscheidend für die Veröffentlichung der Tagebücher war, verschwiegen, vielmehr entsteht der Eindruck, er sei in den Gaskammern ermordet worden. Das sind nur drei kleine Beispiele unterschiedlicher Schwere, und sie sind ärgerlich, denn das Buch bietet zugleich keine Tipps für weitere Lektüre. Es ist also wie so oft: Sammelsurien sind toll, denn sie bringen auf frische Ideen, machen Lust auf weitere Recherche. Handfeste Informationsquellen aber sind sie nicht.

Sprache 5/5
weiterführende Tipps 0/5
Didaktik 3/5
Gestaltung 5/5

Sabine Kranz / Annegret Ritter (Hrsg.): 100 Frauen und 100 Jahre Frauenwahlrecht. bpb 2019. ISBN: 978-3-7425-0387-9, €4,50. [Original Jacoby&Stuart, €22].

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