Von Gut und Böse und Tod

Els Beertens „Als gäbe es einen Himmel“

Cover "Als gäbe es einen Himmel"
c Fischer Verlage

„Wo man singt, da lass dich nieder…“ Diese einfache Weisheit kennen wir wohl alle. Sie spielt an auf das Verbindende von Musik. Doch was, wenn die gemeinsame Liebe zum Klang nicht mehr genügt? Wenn überhaupt die Liebe nicht mehr reicht? Wenn der Liebste zum Nazi wird und freiwillig für die Besatzer an der Ostfront kämpfen will? Els Beerten erzählt in „Als gäbe es keinen Himmel“ vom besetzten Belgien und der Frage, was Krieg mit Menschen macht.

In Politik mischen sie sich nicht ein. Das ist die Regel zuhause bei Remi, Renée und Jef. Doch wenn das eigene Land besetzt wird, ist es schwierig, die Politik vor der Haustür zu halten, egal, wie sehr die Eltern der drei sich bemühen. Spätestens mit Ward Dusoleil kommt das Politische direkt ins Haus und in die Herzen. Der junge, begabte Saxophonspieler wird erst Teil ihrer Blaskapelle, dann Jefs bester Freund und zu guter Letzt Renées Freund. Und auch der kleine Remi liebt Ward abgöttisch, schließlich bringt der ihm geduldig das Pfeifen auf allen Fingern bei. So weit, so harmonisch.

Doch Ward wird von seinem Saxophon-Lehrer, der ihm zum Vaterersatz geworden ist, indoktriniert. Der Russe überrenne die Deutschen. Die bräuchten Unterstützung gegen den bolschewistischen Feind. Hanebüchene Horrorgeschichten bekommt Ward zu hören von der Gefährdung des stolzen flämischen Volkes. Ward hört hin. Und er glaubt. Glaubt so sehr, dass selbst Renée ihn nicht aufhalten kann. Geht an die Ostfront und verstrickt sich so sehr, dass eine Rückkehr irgendwann unmöglich erscheint. Erst zwei Jahre nach dem Kriegsende wagt er sich nach Hause und wird inhaftiert.

Els Beerten erzählt eine komplizierte Geschichte von Liebe und Freundschaft, Verrat und Loyalität, Glück und Unglück. Sie verwebt die unterschiedlichen Zeitebenen des Krieges und des Prozesses gegen Ward miteinander und macht so auch erzählerisch deutlich: Dieser Krieg verlässt nicht mehr. Die Frage der Haltung, sie lässt nicht mehr los. Der Tod, der Verrat, das Trauma, die Gewalt: Sie bleiben. „Als gäbe es einen Himmel“ überzeugt durch die verschiedenen Erzählperspektiven der Akteur*innen und weil es keine einfachen Antworten gibt. Ein absolut lesenswerter Roman zum Zweiten Weltkrieg!

Sprache 5/5
weiterführende Tipps 0/5
Handlung 5/5

Els Beerten: Als gäbe es einen Himmel. Aus dem Niederländischen von Mirjam Pressler. FJB 2011. Ab 12 Jahren. ISBN 978-3-8414-2135-7, €19,95.

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