Geschichte der Sklaverei

Zora Neale Hurstons Oral History “Barracoon”

Cover Barracoon
c Penguin

Zora Neale Hurston war Anthropologin. Ihre Sammlung “Barracoon” erschien erst postum und schildert ihre Begegnungen mit Oluale Kossola, der in den USA Cudjo Lewis gennant wurde. Er war einer der Menschen, die illegal auf dem letzten Sklaventransport über den Atlantik die Vereinigten Staaten von Amerika erreichten.

Dieses Buch gibt zu denken und ist so vielschichtig, wie es für viele Texte wünschenswert wäre. Ich habe es zugegebenermaßen ursprünglich nicht für den Blog gelesen, sondern als Hintergrund für mein aktuelles Forschungsprojekt. Allerdings fand ich es dann so gut, dass ich es mir durchaus als Schullektüre vorstellen kann, auch wenn sicherlich einige Begleitung notwendig ist.

Anthropologie und Oral History

Die eigentliche Begegnungssituation zwischen Hurston und Kossola Ende der 1920er Jahre wird mehrfach in Kontext eingebettet. Ihrem eigenen erklärenden Vorwort werden zwei weitere vorangestellt, unter anderem von Alice Walker. Zudem gibt es im Anhang des Buches neben den zahlreichen Endnoten auch ein Glossar. Die Vorworte tragen dazu bei, dass direkt eine Reflexion des Textes beginnt. Wie sehr formt Hurston selbst die Erinnerungen, die ihr vorgetragen werden? Was ist die forschungsgeschichtliche Perspektive auf dieses Vorgehen, hätte sie beispielsweise distanzierter sein müssen?

Im eigentlichen Textteil bleibt Hurston als teilnehmende Beobachterin immer präsent, dennoch verstellt sie nicht den Blick auf Kossola, der sowohl sein Leben in Afrika als auch die Zeit der Gefangenschaft und das freie Leben danach schildert. Hier wird deutlich, wie tief die Entwurzelung der Versklavten reicht, wie wenig frei sie auch nach Abschaffung der Sklaverei waren. Dass der deutschen Ausgabe außerdem im Anhang eine Teilpassage des englischsprachigen Originals beigefügt wird, um die Sprechweise Kossolas deutlicher werden zu lassen, spiegelt den sensiblen Umgang des Übersetzers Hans-Ulrich Möhring wider und ist ein weiterer Beleg dafür, wie umsichtig mit diesem wichtigen historischen Zeugnis umgegangen wurde.

Mein Fazit: Ein tolles, ein heftiges Zeitzeugnis, das zu zahlreichen Debatten über Kolonialismus, Rassismus und Sklaverei einlädt, aber auch zur Reflexion unserer Art des Erzählens, des Sammelns von Wissen und von Forschung. Absolute Leseempfehlung!

Sprache 5/5
weiterführende Tipps 3/5
Didaktik 5/5

Zora Neale Hurston: Barracoon. Die Geschichte des letzten amerikanischen Sklaven. Penguin 2020. ISBN: 978-3-328-60130-2, €20. ACHTUNG, demnächst erscheint eine Taschenbuchausgabe für €11, auf die ich hier verlinke.

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