Beste Freunde, perfektes Chaos und der Wert der Freiheit

Matthias Friedrich Mueckes „Niemandsland“

Cover Matthias Friedrich Muecke: Niemandsland
c Kunstanstifter

Dass da ein großes Drama auf uns zukommt, ahnen wir von der ersten Seite von „Niemandsland. Erinnerungen an eine Kindheit“, in der der Erzähler von seinem besten Freund Frank und ihren gemeinsamen Abenteuern im Ostberlin der 1960er und 1970er Jahre erzählt. Trotzdem ist die Lektüre an vielen Stellen erheiternd, überraschend, erfrischend. „Niemandsland“ ist kein Lamento-Roman, keine DDR-Nostalgie. Matthias Friedrich Muecke beschreibt, wie Kindheit in der DDR funktionierte, wie das Anpassen dazu gehörte, wann es scheiterte.

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Brieffreundschaft im geteilten Berlin: “Mauerpost”

Cover "Mauerpost"
c cbj

Es ist eine Konstellation, die die Irrwitzigkeit des geteilten Berlins auf Alltagsbasis vor Augen führt: Eine Fünfzehnjärige auf der einen Seite der Mauer. Im Osten Berlins wachsen in ihr die Zweifel an dem System, in dem sie lebt. Da vermittelt die nette Oma Ursel aus ihrem Haus ihr eine Brieffreundschaft nach Westberlin. Ihre Brieffreundin, die dreizehnjährige Ines, ist die Enkelin von Ursel und hat ihre Oma noch nie im Leben gesehen. Erst ist es nur der Reiz des Anderen, der die Mädchen schreiben lässt. Doch schnell merken die beiden, dass sie sich viel mehr zu sagen haben. „Mauerpost“ vereint ihre Geschichte vom geteilten Berlin.

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Anderssein, Glücklichwerden: Familienleben im England des frühen 20. Jahrhunderts

Cover Rindert Kromhout Brüder für Immer Mixtvision
Cover: Brüder für immer c Mixtvision

„Adel verpflichtet“ heißt es so schön. Aber Kreativität nicht auch? Überhaupt: Familie? Wie ob und warum wir uns aus den Schatten unserer Verwandten befreien können oder wollen, darum geht es in diesen beiden großartigen Romanen von Rindert Kromhout. Der Niederländer setzt sich mit der Bloomsbury Groop, zu deren bekanntesten Mitgliedern wohl Virginia Woolf zählt, auseinander und zwar aus Perspektive der Kinder dieser berühmten, kreativen, freien Menschen. Dabei stellt er einerseits ganz zentrale Fragen, etwa danach, was Liebe oder Freiheit für jeden Einzelnen von uns bedeuten. Nebenher schildert er das Leben im frühen 20. Jahrhundert. Die zeitgeschichtlichen Verwerfungen, den Krieg.

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Zwischen Ideologie und Kriegsrealität: „Paul und der Krieg“ erzählt vom Erwachsenwerden im Zweiten Weltkrieg

Cover "Paul und der Krieg" - Collage aus Fotos von Paul Haentjes

In diesem Blog habe ich schon das unheimlich tolle „Mein Opa, sein Holzbein und der Große Krieg“ von arsEdition vorgestellt. Ganz ähnlich wie Nikolaus Nützel sich mit der Geschichte seines Großvaters auseinandersetzte, schaut Dorothee Haentjes-Holländer in „Paul und der Krieg“ auf die Geschichte ihres Vaters und erzählt, wie Paul Haentjes den Zweiten Weltkrieg er- und überlebte. Das Buch wird von arsEdition ab 12 Jahren empfohlen und stellt einfühlsam und vielschichtig das Erwachsenwerden im Krieg dar. Gleichzeitig ist es eine Familiengeschichte – und bietet damit Chancen genauso wie Probleme.

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Ziviler Ungehorsam und gewaltfreier Widerstand – Vom Leben Martin Luther Kings

Cover I have a Dream. Das Leben des Martin Luther King

Martin Luther King ist sicherlich der bekannteste Bürgerrechtler der USA. Doch seine Biographie beginnt nicht mit ihm, sondern mit Barack Obama und das ist genau richtig. Denn auch wenn die Ermordung Kings gerade einmal fünfzig Jahre zurück liegt, scheinen doch Ewigkeiten zwischen Kings Tod 1968 und der Wahl Obamas zum Präsidenten der USA zu liegen. Umso wichtiger ist es, sich genau diesen Sprung bewusst zu machen. Zu fragen, wie diese Wahl überhaupt möglich wurde. Und das ist sicherlich King und seinen Mitstreiter*innen zu verdanken. Das wird – bei aller Vorsicht in Bewertungen, die Alois Prinz in seiner Biographie “I have a Dream” über King, die der Verlag Gabriel ab einem Alter von 13 Jahren empfiehlt, deutlich.

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Die Schultern, auf denen wir stehen.

Marta Breen und Jenny Jordahl lassen uns kämpfende Frauen feiern

Cover Rebellische Frauen von Marta Breen und Jenny Jordahl

Manchmal ist es gut, sich bewusst zu machen, wie weit wir schon gekommen sind, um daraus Kraft für die Zukunft zu schöpfen. Nach diesem Prinzip erzählen Marta Breen und Jenny Jordahl über „Rebellische Frauen“ und nehmen uns mit durch 150 Jahre Frauenbewegung (mit kleinem Ausflug in die griechische Antike). Was den beiden in ihrem Comic gelingt, ist eine verschmitzte und offene, die Missstände anprangernde Streitschrift über die Rechte von Frauen.

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Der Erste Weltkrieg als Ende des Bürgertums: Herbert Günthers „Zeit der großen Worte“

Cover "Zeit der großen Worte" von Herbert Günther

Ein wenig braucht es, bis „Zeit der großen Worte“ einen packt. Zu sperrig die Kriegsbegeisterung im Kopf, zu salbadernd die Worte, bis klar wird: Paul teilt die Ansichten nicht, doch so richtig weiß er noch nicht, wie damit umzugehen ist, wie er den Sprachungetümen der Propaganda eine eigene Stimme entgegensetzen soll. Wie der Kriegsbegeisterung des Bruders begegnen, wie der Heldensehnsucht des Vaters, die sich beide direkt als Freiwillige melden, um im Ersten Weltkrieg zu dienen? Herbert Günther gelingt es, Pauls Erwachsenwerden in Zeiten des Krieges, die Propaganda der (Vor-)Kriegszeit, Alltag und große Politik miteinander zu verschmelzen. Und ihm nach und nach eine eigene Stimme zu schenken. Der Erste Weltkrieg wird zum Epochenumbruch – in Pauls Leben genauso wie in der europäischen Geschichte.

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Abenteuer rund um die Leningrader Blockade: Verloren in Eis und Schnee von Davide Morosinotto

Cover "Verloren in Eis und Schnee"

Das Ende der Leningrader Blockade jährte sich gerade zum 75. Mal, in St. Petersburg wurde dem Anlass mit großer Militärparade gedacht (https://www.tagesschau.de/inland/leningrad-blockade-entschaedigung-101.html). Davon aber, wie die Belagerung der Stadt begann und die Zwillingsgeschwister Nadja und Viktor damit umgehen, handelt Davide Morosinottos Abenteuerroman “Verloren in Eis und Schnee“, der 2018 bei Thienemann erschienen ist und vom Verlag ab 12 Jahren empfohlen wird.

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