Neonazis und Auswege

„Drei Steine“ beschreibt die 1980er in Dortmund

Cover "Drei Steine"
c Nils Oskamp / panini

Nils Oskamp hat mit der Graphic Novel „Drei Steine“ ein sehr persönliches autobiographisches Comic-Buch vorgelegt, in dem er über seine eigene Jugend in Dortmund berichtet. An seiner Schule werben Mitschüler neue Mitglieder für rechte Vereinigung an. Altnazis unterrichten völkische Inhalte und der Ich-Erzähler bleibt lange vollkommen allein in seinem Widerspruch und Aufbegehren gegen die braune Ideologie.

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Die Pest als Ende aller Sicherheit

Sally Nicholls‘ „Keiner kommt davon“

Cover "Keiner kommt davon"
c Hanser

Zugegeben, der Untertitel „Eine Geschichte vom Überleben“ nimmt zumindest in Bezug auf unsere Erzählerin Isabel ein wenig die Spannung. Trotzdem ist „Keiner kommt davon“ eines dieser Bücher, die schnellstmöglich durchgesuchtet werden müssen. Sally Nicholls beschreibt in diesem Jugendbuch ab 12 Jahren intensiv und berührend, wie 1349 die Pest das Dorf Ingleforn in England erreicht und Isabels Welt vollkommen aus den Fugen gerät.

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Jugend nach dem Krieg

„Der Junge aus dem Trümmerland“ von Sarah Bergmann

Cover Der Junge aus dem Trümmerland
c magellan

Was passiert, wenn Kinder mit Antisemitismus und Rassenwahnsinn aufgezogen werden? Wenn Sie von klein auf einer Ideologie ausgesetzt sind – und diese auf einmal wegbricht? Dass sie natürlich keinesfalls von jetzt auf gleich diese anerzogenen Vorstellungen verlieren, zeigt Sarah Bergmann eindringlich in „Der Junge aus dem Trümmerland“. Das Jugendbuch ab 12 Jahren spielt 1947 in Berlin, wo Paul immer noch darauf hofft, dass sein Vater aus Russland zurückkehrt.

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Autobiographisches Erzählen

Eva Erben schreibt über ihr Überleben der Judenverfolgung

Cover "Mich hat man vergessen"
c Gulliver / Beltz&Gelberg

Mich hat man vergessen“ ist ein dünnes Bändchen aus der Gulliver-Reihe. Das liegt daran, dass Eva Erben zunächst gar kein Buch schreiben wollte, sondern einen Vortrag für die Klasse ihres Sohnes vorbereitet hat. Sie wollte den Jugendlichen erzählen, wie sie die Judenverfolgung der Nationalsozialisten überlebt hat. Im Jugendbuch ab 12 Jahren erzählt sie ihre Geschichte noch ein wenig weiter. Überleben wird hier zum Weiterleben, trotz allem und allem zum Trotz.

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Flucht und Freundschaft

Rüdiger Betrams „Der Pfad“

Cover "Der Pfad. Die Geschichte einer Flucht in die Freiheit"
c cbj

Flucht zerreißt Familien, sie bedeutet den Verlust aller Sicherheit, egal wann und wo. Das ist einer der Gründe, warum „Der Pfad“ ein tolles, lesenswertes Jugendbuch ist. Der andere: Rüdiger Bertram erzählt von der Flucht vor der Judenverfolgung durch die Nationalsozialist*innen und damit von einem Ereignis, über das nicht oft genug gesprochen werden kann.

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Vom Fliehen, Verlieren und Ankommen

Alan Gratz‘ erzählt in „Vor uns das Meer“ drei Fluchtgeschichten

Cover "Vor uns das Meer"

Es ist eine universelle Wahrheit, die Alan Gratz uns in „Vor uns das Meer“ erzählt: Wer flieht, der macht das nicht aus Spaß oder Lust auf Luxus. Es ist ein großer Schritt, alles Bekannte, Geliebte zurückzulassen und sein Leben zu riskieren, um vielleicht ein besseres Leben zu gewinnen. Sonst aber unterscheiden sich die drei Geschichten in diesem Jugendbuch ab 12 Jahren aberr fundamental, obwohl sie eng miteinander verwoben sind.

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Flucht und Vertreibung als Teil einer Familiensaga

„Das Jahr der Wölfe“ von Willi Fährmann

Cover "Das Jahr der Wölfe"
c Arena Verlag

Beim Stöbern durch den Bücherschrank ist mir „Das Jahr der Wölfe“ in die Hände gefallen. Das Buch habe ich selbst in der Schule gelesen, irgendwann in der Mittelstufe. Der Roman erzählt vom Ende des Zweiten Weltkriegs, vor allem aber von der Flucht der Familie Bienmann vom Hof in Ostpreußen nach Berlin und letztlich Westfalen. Und irgendwie kam es mir passend vor, es jetzt noch einmal in die Hand zu nehmen.

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Beste Freunde, perfektes Chaos und der Wert der Freiheit

Matthias Friedrich Mueckes „Niemandsland“

Cover Matthias Friedrich Muecke: Niemandsland
c Kunstanstifter

Dass da ein großes Drama auf uns zukommt, ahnen wir von der ersten Seite von „Niemandsland. Erinnerungen an eine Kindheit“, in der der Erzähler von seinem besten Freund Frank und ihren gemeinsamen Abenteuern im Ostberlin der 1960er und 1970er Jahre erzählt. Trotzdem ist die Lektüre an vielen Stellen erheiternd, überraschend, erfrischend. „Niemandsland“ ist kein Lamento-Roman, keine DDR-Nostalgie. Matthias Friedrich Muecke beschreibt, wie Kindheit in der DDR funktionierte, wie das Anpassen dazu gehörte, wann es scheiterte.

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Brieffreundschaft im geteilten Berlin: “Mauerpost”

Cover "Mauerpost"
c cbj

Es ist eine Konstellation, die die Irrwitzigkeit des geteilten Berlins auf Alltagsbasis vor Augen führt: Eine Fünfzehnjärige auf der einen Seite der Mauer. Im Osten Berlins wachsen in ihr die Zweifel an dem System, in dem sie lebt. Da vermittelt die nette Oma Ursel aus ihrem Haus ihr eine Brieffreundschaft nach Westberlin. Ihre Brieffreundin, die dreizehnjährige Ines, ist die Enkelin von Ursel und hat ihre Oma noch nie im Leben gesehen. Erst ist es nur der Reiz des Anderen, der die Mädchen schreiben lässt. Doch schnell merken die beiden, dass sie sich viel mehr zu sagen haben. „Mauerpost“ vereint ihre Geschichte vom geteilten Berlin.

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Anderssein, Glücklichwerden: Familienleben im England des frühen 20. Jahrhunderts

Cover Rindert Kromhout Brüder für Immer Mixtvision
Cover: Brüder für immer c Mixtvision

„Adel verpflichtet“ heißt es so schön. Aber Kreativität nicht auch? Überhaupt: Familie? Wie ob und warum wir uns aus den Schatten unserer Verwandten befreien können oder wollen, darum geht es in diesen beiden großartigen Romanen von Rindert Kromhout. Der Niederländer setzt sich mit der Bloomsbury Groop, zu deren bekanntesten Mitgliedern wohl Virginia Woolf zählt, auseinander und zwar aus Perspektive der Kinder dieser berühmten, kreativen, freien Menschen. Dabei stellt er einerseits ganz zentrale Fragen, etwa danach, was Liebe oder Freiheit für jeden Einzelnen von uns bedeuten. Nebenher schildert er das Leben im frühen 20. Jahrhundert. Die zeitgeschichtlichen Verwerfungen, den Krieg.

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