Vom verurteilten Nationalhelden

„Der Fall Alan Turing“ als Comic

Cover "Der Fall Alan Turing"
c bahoe books

Der Untertitel setzt sofort den Ton dieser Graphic Novel: „Der Fall Alan Turing. Die Geschichte und Tragödie eines außergewöhnlichen Genies“. Schon auf den ersten Seiten zeigen und Éric Liberge und Anaud Delalande einen so genialen wie zerrissenen Mann, von Albträumen und Panik geplagt, bevor sie uns in seine Vergangenheit mitnehmen.

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Ein Gangster-Roman vom allerfeinsten

„Die erstaunlichen Abenteuer des Aaron Broom“

Cover "Die erstaunlichen Abenteuer des Aaron Broom"
c Gerstenberg

Ein wenig erinnert „Die erstaunlichen Abenteuer des Aaron Broom“ an Emil und die Detektive oder ähnliche Geschichten, nur amerikanisch ist es natürlich und ein wenig ruppiger geht es zu, denn hier gibt es echte Leichen. Denn der zwölfjährige Aaron Broom muss seinen Vater in St. Louis vor dem Gefängnis retten und deckt dabei maffiöse Strukturen auf.

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Gebrauchsanweisung aus der Geschichte

Timothy Snyder/Nora Krug: Über Tyrannei

Cover Über Tyrannei
c CH Beck

“Wir sollen aus der Geschichte lernen” ist so eine plumpe Geschichtsdidaktische Weisheit, die wohl Geschichtsdidaktiker*innen wie Schüler*innen gleichermaßen aus den Ohren hängt. Dass es aber manchmal doch irgendwie geschickt funktionieren kann, zeigt Timothy Sniders “Über Tyannei. 20 Lektionen für den Widerstand”, kongenial illustriert aufbereitet von Nora Krug.

Nora Krugs “Heimat” habe ich hier auch schon besprochen und war sehr begeistert. “Über Tyrannei” funktioniert anders, ist weniger eine Spurensuche als klare Antwort. Die zwanzig Lektionen beginnen jeweils mit einer klaren Aufforderung und werden dann mit weiterem Inhalt gefüllt. Snyder argumentiert dabei aus der Geschichte heraus, aus der Machtübernahme der Nationalsozialist*innen, aber auch aus der Entstehung des Sozialisitischen Regimes in der Sowjetunion. So macht er deutlich, wie wichtig freie Presse, das Gewaltmonopol des Staates, intakte rechtsstaatliche Institutionen sind, um nur eineige Beispiele zu nennen. Natürlich wird deutlich, wie sehr der 2017 entstandene Text sich gegen Trump richtet.

Nora Krugs Illustrationen lockern den Text nicht nur auf, sie machen die Lektionen noch greifbarer und eingängiger. Vor allem macht das Buch deutlich: Die beschriebenen Mechanismen betreffen eben nicht nur Amerika, sondern uns alle. Die Aushöhlung des demokratischen Prinzips ist eine tagtäglich abzuwehrende Gefahr. “Über Tyrannei” sensibelt dafür, es macht außerdem den Nutzen von historischem Wissen deutlich und ist mit klaren Nachweisen zu Quellen- und Bildmaterial versehen. Klar, an manchen Stellen finden auch hier Vereinfachungen statt, die in der Regel dann aber in nachfolgenden Kapiteln noch einmal aufgegriffen und ausdifferenziert werden. Einzig gestört hat mich der Verweis auf das Milgram-Experiment ohne kritische Reflexion, dass dieses heute massiv methodisch kritisiert und als wenig aussagekräftig bekannt ist (siehe dazu z.B. “Im Grunde gut” von Rutger Bregman).

Langer Rede kurzer Sinn: Ich war sehr, sehr angetan von dem Buch. Wir sollten es alle lesen. Und nicht nur das: Wir sollten mehr Widerstand in unseren Alltag einbringen. Oder auch einfach – mehr Rückgrat.

Timothy Snyder/Nora Krug: Über Tyrannei. Zwanzig Lektionen für den Widerstand. Aus dem Amerikanischen von Andreas Wirthensohn. C.H.Beck 2021. ISBN: 978-3-406-77760-8. €20.

Militarismus und Männlichkeit

“Der Krieg ist ein Menschenfresser”

c Hanser

Warum sollte irgendjemand in den Krieg ziehen? Bei Ferdinand jedenfalls ist es nicht die so oft beschworene Kriegsbegeisterung, die in 1914 dazu bringt, sich freiwillig zu melden. Er ist verliebt und glaubt, dass Anni ihn nur zurücklieben kann, wenn er ein Held wird. Elisabeth Zöller hinterfragt in “Der Krieg ist ein Menschenfresser” Rollenbilder und entlarvt vor der Folie des Ersten Weltkriegs den deutschen Militarismus für Menschen ab 14 Jahren.

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Rassensegregation und Lynchjustiz

„Nelle und Tru. Eine Weihnachtsgeschichte“

Cover "Tru & Nelle. Eine Weihnachtsgeschichte"
c Urachhaus

Zugegeben: Ich war etwas skeptisch mit diesem Buch. Zwar habe ich vor einiger Zeit den ersten Band „Tru und Nelle“ besprochen, aber ob sich aus dem harten Stoff der Rassensegregation und Lynchjustiz in den amerikanischen Südstaaten wirklich „Eine Weihnachtsgeschichte“ machen ließe? G. Neri hat es geschafft, und das, ohne dabei ins Kitschige abzurutschen oder die Dinge zu beschönigen.

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Schiffskatastrophe in New York

„Slocum” von Jan Soeken

Cover "Slocum"
c avant verlag

Dieser Comicband des Avant-Verlags ist als Masterarbeit entstanden und das zweite veröffentlichte Comic von Jan Soeken. Auf 120 Seiten schildert er hier ein Schiffsunglück, von dem ich bisher noch nie gehört hatte. „Slocum. Schiffbruch auf dem East River“ erzählt die Geschichte einer Katastrophe, die sich im Jahr 1904 ereignete, und fragt dabei vor allem nach der Sinnhaftigkeit von Hierarchie und der Unausweichlichkeit von Unglücken dieser Art.

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Höfisches Leben im 18. Jahrhundert

„Jeanne Antoinette de Pompadour“

Cover "Jeanne Antoinette de Pompadour"
c Kindermann-Verlag

Was bedeutet es, im 18. Jahrhundert eine Frau zu sein? Was bedeutet Zugehörigkeit zum Adel, wie ist überhaupt die französische Gesellschaft gegliedert? Das erzählt Andrea Weisbrod locker-leicht in ihrer kurzen Geschichte zu „Jeanne Antoinette de Pompadour“ für Menschen ab 6 Jahren.

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Die „Große Hungersnot“ in Irland

„Grace“ ein literarisches Epos von Paul Lynch

Cover "Grace" von Paul Lynch
c Oktaven

Eigentlich erscheint „Grace“ bei Oktaven im Erwachsenensegment, aber da die Heldin Grace selbst erst 14 ist, als ihre Mutter sie aus dem Haus wirft, denke ich, dass fortgeschrittenere, literarisch interessierte Jugendliche dieses Buch gerne lesen dürften. 1845 beginnt die „Große Hungersnot“ in Irland. Durch die bis dahin unbekannte Kartoffelfäule geht die Ernte ein und zurück bleiben hungernde Menschen, vor allem als die Missernten sich Jahr für Jahr wiederholen.

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Homosexualität in der Nachkriegsgeschichte

Matthias Lehmanns „Parallel“

Cover "Parallel"
c Reprodukt

Was bedeutet es, sich ein Leben lang zu verstecken? Erst vor sich selbst, dann aber vor allen anderen? Die eigenen Wünsche und Vorlieben nicht ausleben zu können? Matthias Lehmann erzählt in „Parallel“ die Lebensgeschichte Karl Klings, der sich einerseits nach einer eigenen Familie sehnt, andererseits seine Liebe zu Männern nicht aufgeben kann und will.

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Ein neues archäologisches Abenteuer

„Dusty Diggers. Gekrächze aus der Urzeit“

Cover "Dusty Diggers. Gekrächze aus der Urzeit"
c Seemann Henschel

Silke Vry und Marie Geissler legen ein neues Buch aus der Dusty Diggers-Reihe vor. Ich war ja auch schon vom Band zur Himmelsscheibe von Nebra (Rezension hier) sehr angetan, „Das Geheimnis des Urvogels Archaeopteryx“ hat mich wieder überzeugt und begeistert hoffentlich viele Menschen ab 8 Jahren für die Archäologie.

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