Vom Fliehen, Verlieren und Ankommen

Alan Gratz‘ erzählt in „Vor uns das Meer“ drei Fluchtgeschichten

Cover "Vor uns das Meer"

Es ist eine universelle Wahrheit, die Alan Gratz uns in „Vor uns das Meer“ erzählt: Wer flieht, der macht das nicht aus Spaß oder Lust auf Luxus. Es ist ein großer Schritt, alles Bekannte, Geliebte zurückzulassen und sein Leben zu riskieren, um vielleicht ein besseres Leben zu gewinnen. Sonst aber unterscheiden sich die drei Geschichten in diesem Jugendbuch ab 12 Jahren aberr fundamental, obwohl sie eng miteinander verwoben sind.

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Die Befreiung Berlins als Comic

Zur Umsetzung von Klaus Kordons „Der erste Frühling“ als Graphic Novel

Cover "Der erste Frühling" als Comic
c Carlsen

Zugegeben, dieser Comic ist schon ein wenig älter – 2007 erschien er bei Carlsen und ist auf der Verlagsseite schon gar nicht mehr zu finden. Da sich in diesem Jahr das Ende des Zweiten Weltkriegs aber zum 75. Mal jährt, dachte ich, dass eine Besprechung dieser Graphic Novel, die sich mit dem Kriegsende befasst, wert ist. Zumal Christoph Heuer und Gerlinde Althoff Klaus Kordons „Der erste Frühling“ wirklich meisterhaft in diese Erzählart übertragen haben.

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Ein klassisches Vexierspiel und die Absurdität der Mauer

Helen Endemanns „Todesstreifen“

Cover "Todesstreifen" von Helen Endemann
c rowohlt rotfuchs

Zugegeben, es braucht ein bisschen, bis Helen Endemanns Geschichte rund um Marc und Ben und das geteilte Berlin Fahrt aufnimmt. Das liegt vor allem daran, dass sie ihren Leser*innen ab 13 erst einmal jede Menge Hintergrundwissen mitgeben will, das leicht enzyklopädisch mitgegeben wird. Aber nach den ersten beiden Kapiteln von „Todesstreifen“ nimmt die Story rasend an Tempo auf und wird ein richtiger Thriller: Werden am Ende sowohl Ben als auch Marc es schaffen, dem repressiven System der DDR zu entkommen?

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Eine Frau in der Wissenschaft

Lise Meitners Leben als unaufgeregte Biographie

Cover "Lise Meitner. Pionierin des Atomzeitalters"
c Residenz Verlag

Oft werden uns Frauen, die sich ihren Platz in der Welt erst erkämpfen müssen, genau so dargestellt: Als Kämpferinnen und mutige Pionierinnen. David Rennert und Tanja Traxler widerstehen dieser Versuchung des einfachen Schwarz-Weiß. In ihrer Biographie über Lise Meitner, die eine der Entdecker*innen der Kernspaltung war, zeigen sie eine Frau voller menschlicher Ambivalenzen. Gerade darum ist “Lise Meitner. Pionierin des Atomzeitalters” ein tolles Buch, das sich zwar nicht explizit an Jugendliche richtet, auf jeden Fall aber von diesen gelesen werden sollte.

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Träume, Ängste, Alltagsfreuden

„Hübendrüben“ macht Ost und West knallbunt vergleichbar

Cover Hübendrüben
c Klett Kinderbuch

Hübendrüben“ wird als “ultimativ witziges” Erzählbilderbuch beworben und hat tatsächlich einiges zu bieten. Cousin Max wohnt im Westen, Cousine Maja im Osten und wir dürfen in diesem Kinderbuch ab 7 Jahren von Franziska Gehm und Horst Klein, das im Klett Kinderbuchverlag erschienen ist, lernen, was genau das eigentlich bedeutet.

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Deutsche Geschichte mit Zeitzeug*innen

„Mein Mauerfall“ erzählt die Nachkriegsgeschichte

Cover - Mein Mauerfall
c arsEdition

Erst der Untertitel „Von der Teilung Deutschlands bis heute“ setzt „Mein Mauerfall“ ins richtige Bild, denn um den geht es wirklich nur am Rande. Stattdessen erzählt Juliane Breinl in diesem Kinderbuch ab 10 Jahren von der Vor- und Nachgeschichte des Mauerfalls und nimmt direkt Bezug auf das 30-jährige Jubiläum. Wie schon bei „Mein Opa, sein Holzbein und der große Krieg“ und „Paul und der Krieg“ setzt arsEdition hier auf Quellennähe. Leider ist die Geschichte aber weniger persönlich umgesetzt und verliert sich so im Spagat zwischen verschiedenen Ebenen.

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Brieffreundschaft im geteilten Berlin: “Mauerpost”

Cover "Mauerpost"
c cbj

Es ist eine Konstellation, die die Irrwitzigkeit des geteilten Berlins auf Alltagsbasis vor Augen führt: Eine Fünfzehnjärige auf der einen Seite der Mauer. Im Osten Berlins wachsen in ihr die Zweifel an dem System, in dem sie lebt. Da vermittelt die nette Oma Ursel aus ihrem Haus ihr eine Brieffreundschaft nach Westberlin. Ihre Brieffreundin, die dreizehnjährige Ines, ist die Enkelin von Ursel und hat ihre Oma noch nie im Leben gesehen. Erst ist es nur der Reiz des Anderen, der die Mädchen schreiben lässt. Doch schnell merken die beiden, dass sie sich viel mehr zu sagen haben. „Mauerpost“ vereint ihre Geschichte vom geteilten Berlin.

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Ein Heldinnencomic.

Kate Evans erzählt das Leben Rosa Luxemburgs als Graphic Novel

Cover "Rosa. Die Graphic Novel über Rosa Luxemburg" von Kate Evans
c Dietz / Kate Evans

Schon das Cover dieser liebevoll gestalteten Graphic Novel zieht in den Bann: Rosa Luxemburg im Profil, ihr Rücken, ihre Haare Schauplatz von Gewalt und Krieg. Ein so bewegtes Leben, ein so reger Kopf, eine so faszinierende Frau, die sich mutig für ihre Ideale einsetzte. Kate Evans hat ihr mit der Comic-Biographie “Rosa” ein Denkmal gesetzt.

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Eine Welt aus den Fugen

Dorit Linkes „Wir sehen uns im Westen“

Cover "Wir sehen uns im Westen" von Dorit Linke

Das Jubiläumsjahr 2019 sorgt dafür, dass jeder Kinder- und Jugendbuchverlag, der etwas auf sich hält ein „Wendebuch“ bringt (guckt euch dazu auch mal das Interview mit der Geschichtsdidaktikerin Dr. Rox-Helmer an, hier im Blog). Neueste Geschichte für Jugendliche erzählt – „Grenzgänger“ zum Beispiel habe ich hier schon besprochen, andere Projekte aus dieser Zeit folgen noch. Es gibt aber natürlich auch Autor*innen, die sich jenseits von Trends sowieso schon mit dem Thema Ost- und Westdeutschland auseinandersetzen. Eine davon ist Dorit Linke, deren „Jenseits der blauen Grenze“ ich hier schon begeistert besprochen habe. Mit „Wir sehen uns im Westen“ hat sie nun ein kurzes und knappes Juwel zum 9. November 1989 geschaffen.

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An der Grenze des Erträglichen: Dorit Linkes „Jenseits der blauen Grenze“

Cover "Jenseits der blauen Grenze"

Was treibt einen Menschen an, alles zurückzulassen und das eigene Leben zu riskieren für einen Neuanfang? Dorit Linkes Roman „Jenseits der blauen Grenze“ beginnt ohne Vorwarnung mitten im Geschehen und genauso schonungslos wie der Einstieg ist auch der Rest des Romans für Leser*innen ab 14 Jahren. Er nimmt uns mit in das Leben von Jugendlichen in der DDR und auf ihre Flucht vor Unterdrückung und dem Gefühl des Eingesperrt-Seins. Denn wir begleiten Hanna und Andreas auf ihrer Flucht über die Ostsee. Schwimmend wollen die beiden den Westen erreichen und setzen dabei ihr Leben aufs Spiel. Warum sie bereit sind, dieses Risiko einzugehen, erzählt der Roman im zweiten, geschickt im Wechsel eingeflochtenen, Erzählstrang.

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