Brieffreundschaft im geteilten Berlin: “Mauerpost”

Cover "Mauerpost"
c cbj

Es ist eine Konstellation, die die Irrwitzigkeit des geteilten Berlins auf Alltagsbasis vor Augen führt: Eine Fünfzehnjärige auf der einen Seite der Mauer. Im Osten Berlins wachsen in ihr die Zweifel an dem System, in dem sie lebt. Da vermittelt die nette Oma Ursel aus ihrem Haus ihr eine Brieffreundschaft nach Westberlin. Ihre Brieffreundin, die dreizehnjährige Ines, ist die Enkelin von Ursel und hat ihre Oma noch nie im Leben gesehen. Erst ist es nur der Reiz des Anderen, der die Mädchen schreiben lässt. Doch schnell merken die beiden, dass sie sich viel mehr zu sagen haben. „Mauerpost“ vereint ihre Geschichte vom geteilten Berlin.

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Ein Heldinnencomic.

Kate Evans erzählt das Leben Rosa Luxemburgs als Graphic Novel

Cover "Rosa. Die Graphic Novel über Rosa Luxemburg" von Kate Evans
c Dietz / Kate Evans

Schon das Cover dieser liebevoll gestalteten Graphic Novel zieht in den Bann: Rosa Luxemburg im Profil, ihr Rücken, ihre Haare Schauplatz von Gewalt und Krieg. Ein so bewegtes Leben, ein so reger Kopf, eine so faszinierende Frau, die sich mutig für ihre Ideale einsetzte. Kate Evans hat ihr mit der Comic-Biographie “Rosa” ein Denkmal gesetzt.

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Eine Welt aus den Fugen

Dorit Linkes „Wir sehen uns im Westen“

Cover "Wir sehen uns im Westen" von Dorit Linke

Das Jubiläumsjahr 2019 sorgt dafür, dass jeder Kinder- und Jugendbuchverlag, der etwas auf sich hält ein „Wendebuch“ bringt (guckt euch dazu auch mal das Interview mit der Geschichtsdidaktikerin Dr. Rox-Helmer an, hier im Blog). Neueste Geschichte für Jugendliche erzählt – „Grenzgänger“ zum Beispiel habe ich hier schon besprochen, andere Projekte aus dieser Zeit folgen noch. Es gibt aber natürlich auch Autor*innen, die sich jenseits von Trends sowieso schon mit dem Thema Ost- und Westdeutschland auseinandersetzen. Eine davon ist Dorit Linke, deren „Jenseits der blauen Grenze“ ich hier schon begeistert besprochen habe. Mit „Wir sehen uns im Westen“ hat sie nun ein kurzes und knappes Juwel zum 9. November 1989 geschaffen.

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An der Grenze des Erträglichen: Dorit Linkes „Jenseits der blauen Grenze“

Cover "Jenseits der blauen Grenze"

Was treibt einen Menschen an, alles zurückzulassen und das eigene Leben zu riskieren für einen Neuanfang? Dorit Linkes Roman „Jenseits der blauen Grenze“ beginnt ohne Vorwarnung mitten im Geschehen und genauso schonungslos wie der Einstieg ist auch der Rest des Romans für Leser*innen ab 14 Jahren. Er nimmt uns mit in das Leben von Jugendlichen in der DDR und auf ihre Flucht vor Unterdrückung und dem Gefühl des Eingesperrt-Seins. Denn wir begleiten Hanna und Andreas auf ihrer Flucht über die Ostsee. Schwimmend wollen die beiden den Westen erreichen und setzen dabei ihr Leben aufs Spiel. Warum sie bereit sind, dieses Risiko einzugehen, erzählt der Roman im zweiten, geschickt im Wechsel eingeflochtenen, Erzählstrang.

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Die Mauer als Brücke. Aline Sax legt mit „Grenzgänger“ eine Familiensaga zum geteilten Berlin vor

Coverbild "Grenzgänger" von Aline Sax

Dass die Mauer als Brücke fungiert, stimmt natürlich nur auf Ebene des Plots. Das Bollwerk zwischen Ost- und Westberlin spaltet scharf die Leben der Familie Niemöller, wirkt wie eine offene Wunde in den Biographien der Protagonist*innen und ist der rote Faden, der die Geschichten in „Grenzgänger“ miteinander verknüpft, denn Aline Sax erzählt auf mehreren Zeitebenen für Jugendliche ab 14 Jahren vom Leben im Unrechtssystem der DDR.

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Der Erste Weltkrieg als Ende des Bürgertums: Herbert Günthers „Zeit der großen Worte“

Cover "Zeit der großen Worte" von Herbert Günther

Ein wenig braucht es, bis „Zeit der großen Worte“ einen packt. Zu sperrig die Kriegsbegeisterung im Kopf, zu salbadernd die Worte, bis klar wird: Paul teilt die Ansichten nicht, doch so richtig weiß er noch nicht, wie damit umzugehen ist, wie er den Sprachungetümen der Propaganda eine eigene Stimme entgegensetzen soll. Wie der Kriegsbegeisterung des Bruders begegnen, wie der Heldensehnsucht des Vaters, die sich beide direkt als Freiwillige melden, um im Ersten Weltkrieg zu dienen? Herbert Günther gelingt es, Pauls Erwachsenwerden in Zeiten des Krieges, die Propaganda der (Vor-)Kriegszeit, Alltag und große Politik miteinander zu verschmelzen. Und ihm nach und nach eine eigene Stimme zu schenken. Der Erste Weltkrieg wird zum Epochenumbruch – in Pauls Leben genauso wie in der europäischen Geschichte.

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Günter Grass als Kinderbuch: Elżbieta Pałasz (Text), Joanna Czaplewska, Katja Widelska (Illustration): Bucheckern, Bernstein, Brausepulver

Buchcover "Bucheckern, Bernstein, Brausepulver" über Günter Grass

Günter Grass hat viele Elemente seiner Danziger Kindheit in seinen literarischen Werken verarbeitet. Insofern mag es nicht überraschen, dass es Reiseführer zu Gdańsk gibt, die auf den Spuren Grass‘ wandern. Aber ein Bilderbuch darüber für Kinder ab 9 Jahren? Kann die Kindheit eines Literaturnobelpreisträgers auch Jüngere interessieren? Elżbieta Pałasz, Joanna Czaplewska und Katja Widelska haben gemeinsam versucht, in “Bucheckern, Bernstein, Brausepulver” Günter Grass‘ Kindheitsjahre zu erzählen.

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Bedrückendes Egodokument zur Leningrader Blockade. Lena Muchina: Lenas Tagebuch

Cover Lenas Tagebuch

Lenas Tagebuch” wird vom Verlag nicht explizit als Jugendbuch beworben, dennoch ist es natürlich nahe an einer jugendlichen Lebenswelt. Schließlich ist es die 16-jährige Lena, die uns hier mitnimmt in ihren Alltag, womit sie rund einen Monat vor Beginn der Einkesselung Leningrads durch die Wehrmacht beginnt. Das ist ein wahres Glück, denn so schlittern wir Leser*innen zusammen mit Lena in die Katastrophe der Leningrader Blockade, merken von Tag zu Tag, wie sich ihre Perspektive auf das Leben immer mehr verschiebt, bis am Ende nur noch eines wichtig ist: Essen!

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Zwei Diktaturen, eine Graphic Novel: Nieder mit Hitler! Von Jochen Voit und Hamed Eshrat

Cover "Nieder mit Hitler"

Geschichte spannend und gut aufbereitet zu erzählen, ohne ins Reißerische zu geraten, und zugleich noch ein Vorbild in Sachen Kooperation zwischen Uni und Gedenkstätte sein? Dass das geht zeigen Jochen Voit und Hamed Eshrat mit „Nieder mit Hitler! Oder warum Karl kein Radfahrer sein wollte“. Die Graphic Novel erzählt über Karl Metzners Leben im Nationalsozialismus und der DDR und Möglichkeiten und Folgen des Widerstands gegen totalitäre Regime.

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Widerstand mal anders – Johannes Herwig: Bis die Sterne zittern

Cover Bis die Sterne zittern

Irgendwann dämpfen wir diese Fragen in uns, haben vielleicht Narrative gefunden, die sie möglicherweise beantworten: Wer bin ich? Wie soll mein Leben aussehen? Zu wem will ich gehören? Aber in der Jugend sind diese Fragen sehr präsent. Johannes Herwig nutzt für seinen Debütroman einen historischen Stoff, um sich ihnen zu nähern: In „Bis die Sterne zittern“ portraitiert er die Leipziger Meuten, Jugendgruppen, die sich in den 1930er Jahren dem Beitritt in die Hitlerjugend erwehrten. Das Jugendbuch, das vom Verlag ab 14 Jahren empfohlen wird, war 2018 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

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