Wenn Wegdenken nicht mehr hilft

„Ringel, Rangel, Rosen“ von Kirsten Boie

Cover "Ringel Rangel Rosen"
c Oetinger

Ich muss gestehen, dass ich Kirsten Boie immer sehr gerne lese, ihre Geschichten aber eher im Bereich „feel good“ abgespeichert habe. „Ringel, Rangel, Rosen“ zeigt ein ganz anderes Register und das literarische Können der Autorin. Denn hier geht es um die 1960er Jahre und die jugendliche Karin, die einerseits versucht, die Kriegstraumata und die Kriegsschuld der Eltern zu begreifen und gleichzeitig mit den eigenen Dämonen kämpfen muss.

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Ein Klassiker zur deutschen Geschichte

Klaus Kordons „Trilogie der Wendepunkte“

Cover "Die roten Matrosen"
c Gulliver

Ich habe vor einiger Zeit schon die Comic-Adaption von „Der erste Frühling“ besprochen (hier findet ihr den Text), jetzt wollte ich mich aber noch einmal der gesamten „Trilogie der Wendepunkte“ von Klaus Kordon widmen. Los geht es mit „Die roten Matrosen oder ein vergessener Winter“, dann kommt „Mit dem Rücken zur Wand“ und zuletzt eben „Der erste Frühling“. Die Trilogie erzählt letztlich die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts in Berlin am Beispiel der Arbeiterfamilie Gebhardt.

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Jahresrückblick 2020

Das Logo-Buch auf einem Weihnachtsstern sitzend.
c Kira G.

Beim Scrollen durch die Texte habe ich mich gerade ein bisschen erschreckt, wie viele Bücher ich schon wieder fast vergessen hatte (obwohl ein Blick aufs Cover genügt, um sie wieder nach vorne zu holen). Aber da gibt es ein paar, die sind mir ganz besonders im Gedächtnis geblieben. Interessanterweise fast alle zur deutschen Geschichte und vor allem dem Nationalsozialismus… Hier kommt mein Best-Of für dieses Jahr:

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Woher kommt dieser Mut?

Sharon Camerons “Das Mädchen, das ein Stück Welt rettete”

Cover "Das Mädchen, das ein Stück Welt rettete"
c insel

Um es gleich vorweg zu sagen: Ich habe dieses Buch durchgesuchtet. Und hatte die ganze Zeit einen Klumpen aus Angst und Anspannung im Bauch. Sharon Cameron erzählt in “Das Mädchen, das ein Stück Welt rettete. Nach einer wahren Geschichte” von Stefania und Helena Podgórska, Max Diamant und zwölf weiteren Jüd*innen, die die nationalsozialistische Besatzung Polens auf dem Dachboden der Podgórskas überleben.

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Knorrige Altlasten und Bonner Republik

Hannah Brinkmanns “Gegen mein Gewissen”

Cover "Gegen mein Gewissen"
c Hannah Brinkmann

Vor ein paar Wochen habe ich hier im Blog “Heimat” vorgestellt – eine Suche nach der eigenen Familiengeschichte. Die Graphic Novel “Gegen mein Gewissen” von Hannah Brinkmann verfolgt einen ähnlich persönlichen Ansatz, gleichwohl ist die Geschichte stringenter erzählt: Es geht um den jungen Hermann Brinkmann, der 1973 zur Bundeswehr eingezogen wird und sich in der Folge das Leben nimmt. Einzig im Rahmen macht Hannah Brinkmann deutlich, dass sie von ihrer eigenen Familie erzählt, als sie im Vorwort beschreibt, wie sie zum ersten Mal von ihrem Onkel hört, und im Nachwort die Recherche und die Haltung der Familie dazu rekapituliert.

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Vom Suchen der eigenen Vergangenheit

Nora Krugs „Heimat“

Cover "Heimat" von Nora Krug
c Nora Krug / Penguin

Es ist ein schwerer, ein wuchtiger Band. Aber schwer und wuchtig sind auch die Fragen, mit denen Nora Krug loszieht auf eine Spurensuche. Fernab der Heimat, ausgewandert in die USA, beginnt sie sich zu fragen, was das eigentlich ist. Heimat. Und vor allem, wie sie als Deutsche sich zur deutschen Vergangenheit verhalten soll. Sie merkt, dass sie – wie so viele von uns – kaum etwas über ihre Vorfahren weiß. „Heimat“ erzählt daher die Geschichte einer akribischen Recherche. Und der großen Frage nach Schuld und Unschuld und wie wir diese weiter tragen.

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Fußball als Hintergrundfolie der deutsch-deutschen Geschichte

Ein Interview mit Philippe Collin

Cover "Das Spiel der Brüder Werner"
c Splitter Verlag

Nach längerer Zeit gibt es endlich mal wieder ein Interview. Philippe Collins zweiter Comicband „Das Spiel der Brüder Werner“ ist gerade frisch erschienen und er hat sich die Zeit genommen, mir ein paar Fragen zu seinem Rechercheweg und seiner Arbeit zu beantworten. Vorab aber einige Worte zum Buch: Der Band setzt mit den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs ein und zeigt zwei auf sich allein gestellte Brüder. Die Waisen Konrad und Andreas landen eher zufällig in Leipzig und geraten dort – aus Not und Erpressbarkeit heraus – in den Rekrutierungsfängen der Stasi.

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Demokratie feiern – Demokrat*innen feiern

„Das Parlament. 45 Leben für die Demokratie“

Cover "Das Parlament"
c bpb

In Zeiten von Demos, die mit Demokratieliebe wirklich kaum noch etwas zu tun haben, gleichzeitig das Recht der freien Meinungsäußerung jedoch merkwürdig verquer und einseitig nach oben halten, scheinen Bücher wie dieses umso dankens- und lesenswerter. Simon Schwartz hat in „Das Parlament“ 45 biographische Kurzportraits von Menschen versammelt, die sich für die parlamentarische Demokratie in Deutschland eingesetzt haben.

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Wie Ideen beginnen

„Auf Bruch. Der junge Engels im Wupper-Tal“ von Dirk Walbrecker

Cover "Auf Bruch. Der junge Engels im Wupper-Tal"
c Edition Koendgen

Wie entwickelt ein Industriellensohn kommunistische Ideale? Was führt uns überhaupt auf unseren Lebensweg, zu unseren Überzeugungen? Diesen Fragen geht Dirk Walbrecker in seiner Darstellung der Jugend Friedrich Engels‘ in Wuppertal nach. Der Roman “Auf Bruch” ist konsequent aus der Perspektive Engels‘ geschrieben und endet 1837 mit dem Abgang vom Gymnasium und damit einhergehend dem Beginn der beruflichen Laufbahn.

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Ein richtig echtes Wendebuch, nur ohne Wende

„Das Mauerschweinchen“ erzählt Kindheit im geteilten Berlin

Cover "Das Mauerschweinchen"
c cbj

Wie ist das eigentlich, in einer geteilten Stadt aufzuwachsen? Katja Ludwigs Protagonist*innen kriegen das aus allernächster Nähe mit. Denn Aron und Nora wohnen auf der Wolliner Straße, die von der Mauer geteilt wird. Während Nora vom Westen auf die Mauer schaut und ständig neue Witze auf die Betonwände gesprüht sieht, ist Aron im Osten zuhause und blickt auf einen Hochsicherheitsapparat.

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