Der Erste Weltkrieg als Ende des Bürgertums: Herbert Günthers „Zeit der großen Worte“

Cover "Zeit der großen Worte" von Herbert Günther

Ein wenig braucht es, bis „Zeit der großen Worte“ einen packt. Zu sperrig die Kriegsbegeisterung im Kopf, zu salbadernd die Worte, bis klar wird: Paul teilt die Ansichten nicht, doch so richtig weiß er noch nicht, wie damit umzugehen ist, wie er den Sprachungetümen der Propaganda eine eigene Stimme entgegensetzen soll. Wie der Kriegsbegeisterung des Bruders begegnen, wie der Heldensehnsucht des Vaters, die sich beide direkt als Freiwillige melden, um im Ersten Weltkrieg zu dienen? Herbert Günther gelingt es, Pauls Erwachsenwerden in Zeiten des Krieges, die Propaganda der (Vor-)Kriegszeit, Alltag und große Politik miteinander zu verschmelzen. Und ihm nach und nach eine eigene Stimme zu schenken. Der Erste Weltkrieg wird zum Epochenumbruch – in Pauls Leben genauso wie in der europäischen Geschichte.

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Vom Ende des Abenteuers: Philip Kerrs “Friedrich, der große Detektiv”

Cover Friedrich, der große Detektiv

Der gesellschaftliche Konflikt, den Friedrich miterlebt, sitzt schon bei ihm zuhause am Küchentisch: Sein Bruder Rolf ist großer Anhänger der Nazis, sein Vater aber ist Journalist und viel in Künstlerkreisen unterwegs, die die Nationalsozialisten ablehnen. Abgesehen von den privaten Spannungen und dem Wissen, dass er manche Gegenden seines geliebten Berlins lieber meiden sollte, wenn er nicht in Straßenschlachten zwischen Kommunisten und Nazis hineingeraten will, hat Friedrich jedoch andere Sorgen: Er will Detektiv werden, genau wie sein Vorbild “Emil” aus Erich Kästners Roman. Und so zieht Philip Kerr uns in “Friedrich, der große Detektiv” nach und nach hinein in das Berlin der Machtergreifung und stellt ganz nebenher die Gewissensfragen: Was hätte Friedrich wissen und vor allen Dingen: Was hätte er tun können?

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Poesie der Einsamkeit: Gavriel Savits „Anna und der Schwalbenmann“

Cover "Anna und der Schwalbenmann"

Wie einem Kind das Grauen des Nationalsozialismus, überhaupt das Leid von Krieg und Mord, von menschlicher Grausamkeit erklären? Das heutige didaktische Problem überträgt Gavriel Savit in seinem Jugendbuch „Anna und der Schwalbenmann“ in den Text selbst. Wie einem kleinen Mädchen erklären, dass der Vater einfach verschwindet, weil die Nazis ihn als Angehörigen der intellektuellen Elite ermordet haben? Die Antwort, die dieser poetische Roman gibt, ist so bedrückend leicht wie erhaben schwer: Mit Geschichten. Gavriel Savit nimmt uns mit in die Zeit des Zweiten Weltkrieges und zeigt uns fernab der großen Städte und Straßen, inmitten der Einsamkeit der Wälder und Wanderwege umso eindrücklicher, wie existenziell bedrohlich der Mensch dem Menschen werden kann, wie einsam wir alle sind und wie schwer es ist, Mensch zu bleiben, trotz allem.

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Abenteuer rund um die Leningrader Blockade: Verloren in Eis und Schnee von Davide Morosinotto

Cover "Verloren in Eis und Schnee"

Das Ende der Leningrader Blockade jährte sich gerade zum 75. Mal, in St. Petersburg wurde dem Anlass mit großer Militärparade gedacht (https://www.tagesschau.de/inland/leningrad-blockade-entschaedigung-101.html). Davon aber, wie die Belagerung der Stadt begann und die Zwillingsgeschwister Nadja und Viktor damit umgehen, handelt Davide Morosinottos Abenteuerroman “Verloren in Eis und Schnee“, der 2018 bei Thienemann erschienen ist und vom Verlag ab 12 Jahren empfohlen wird.

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Widerstand mal anders – Johannes Herwig: Bis die Sterne zittern

Cover Bis die Sterne zittern

Irgendwann dämpfen wir diese Fragen in uns, haben vielleicht Narrative gefunden, die sie möglicherweise beantworten: Wer bin ich? Wie soll mein Leben aussehen? Zu wem will ich gehören? Aber in der Jugend sind diese Fragen sehr präsent. Johannes Herwig nutzt für seinen Debütroman einen historischen Stoff, um sich ihnen zu nähern: In „Bis die Sterne zittern“ portraitiert er die Leipziger Meuten, Jugendgruppen, die sich in den 1930er Jahren dem Beitritt in die Hitlerjugend erwehrten. Das Jugendbuch, das vom Verlag ab 14 Jahren empfohlen wird, war 2018 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

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Weihnachtskulturgeschichte: Brigitte Weninger (Text), Julie Wintz-Litty (Illustrationen): „Stille Nacht“. Ein Lied geht um die Welt

Cover Stille Nacht

Es gibt Weihnachtslieder, die sind nur regional bekannt. Oder nur bestimmten Generationen. Und dann wiederum gibt es Weihnachtslieder, die selbst die größten Weihnachtshasser*innen noch kennen. Und dazu gehört „Stille Nacht“ ganz sicher. Legendär sind die Geschichten, in denen in den Schützengräben des Ersten Weltkrieges dieses Lied in den jeweiligen Muttersprachen gemeinsam gesungen wurde (eine sehr schöne Reportage zum Thema hat de correspondent letztes Jahr veröffentlicht). Der eigentlichen Herkunft des Liedes aber geht Brigitte Weninger in „Stille Nacht. Ein Lied geht um die Welt“, das in diesem Jahr bei NordSüd erschienen ist, nach.

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Gary Northfield: Julius Zebra. Ärger mit den Ägyptern

Cover Julius Zebra bei den ÄgypternZugegeben, wer fundiertes Detailwissen über das alte Ägypten sucht, der ist bei Julius Zebra an der falschen Adresse. Hier stehen Witz und Abenteuer ganz eindeutig im Vordergrund und die schock-kugelrunden Riesenaugen des Zebras auf dem Cover sind Programm für den Rest des Buches. Da Northfield selbst für die Illustrationen sorgt, kann er Bild- und Textelemente fließend verbinden, der Erzähltext geht nahtlos in kleine Comicelemente über, bei komplexeren Zeichnungen füllen die auch schon einmal eine Doppelseite, meistens bleibt es aber bei einer Sprechblase.

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Aline Sax/Ann de Bode: Das Mädchen und der Soldat

Cover Das Mädchen und der SoldatSchon 2014 war ein Jahr, das uns mit einer Flut von Literatur zum Ersten Weltkrieg überschwemmt hat und das Jubiläumsjahr 2018 steht dem in Nichts nach. Dementsprechend folgend hier noch einige Artikel mit passenden Büchern zum Thema, beginnen lassen will ich den Reigen jedoch mit einem Buch, das mir aufgrund seiner gelungenen Gestaltung und Erzählweise besonders am Herzen liegt, nämlich mit Aline Sax‘ „Das Mädchen und der Soldat“, 2016 bei Jacoby&Stuart erschienen und von Mirjam Pressler aus dem Niederländischen ins Deutsche übertragen.

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