Flucht und Freundschaft

Rüdiger Betrams „Der Pfad“

Cover "Der Pfad. Die Geschichte einer Flucht in die Freiheit"
c cbj

Flucht zerreißt Familien, sie bedeutet den Verlust aller Sicherheit, egal wann und wo. Das ist einer der Gründe, warum „Der Pfad“ ein tolles, lesenswertes Jugendbuch ist. Der andere: Rüdiger Bertram erzählt von der Flucht vor der Judenverfolgung durch die Nationalsozialist*innen und damit von einem Ereignis, über das nicht oft genug gesprochen werden kann.

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Wenn Krankheit zuschlägt

Makiia Luciers „Das Fieber“ über die Spanische Grippe

Cover "Das Fieber"
c Königskinder

Ich muss zugeben: Es ist schon ein Weilchen her, dass ich dieses Buch (und zudem nur auf Englisch) gelesen habe. Aber angesichts der Corona-Aufregung musste ich in letzter Zeit häufiger daran denken, wie Makiia Lucier in „Das Fieber“ über den Ausbruch der Spanischen Grippe erzählt. Das Jugendbuch ab 14 Jahren ist tatsächlich so spannend, dass ich mich auch ein paar Jahre später noch daran erinnern kann.

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Vergangenheit als Hörabenteuer

Die Hörspielreihe rund um Fred von Birge Tetzner

Ich habe ja vor einiger Zeit „Fred bei den Wikingern“ als Buch sehr begeistert hier rezensiert. Nachdem ich mit der Autorin Birge Tetzner auch noch ein spannendes Interview rund um den Unterschied zwischen Hörbuch/Hörspiel und „echtem“ Buch führen konnte (findet ihr hier), habe ich nun endlich auch mal in den Ursprung der Fredreihe, nämlich die Hörspiele, hineingehört.

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Brieffreundschaft im geteilten Berlin: “Mauerpost”

Cover "Mauerpost"
c cbj

Es ist eine Konstellation, die die Irrwitzigkeit des geteilten Berlins auf Alltagsbasis vor Augen führt: Eine Fünfzehnjärige auf der einen Seite der Mauer. Im Osten Berlins wachsen in ihr die Zweifel an dem System, in dem sie lebt. Da vermittelt die nette Oma Ursel aus ihrem Haus ihr eine Brieffreundschaft nach Westberlin. Ihre Brieffreundin, die dreizehnjährige Ines, ist die Enkelin von Ursel und hat ihre Oma noch nie im Leben gesehen. Erst ist es nur der Reiz des Anderen, der die Mädchen schreiben lässt. Doch schnell merken die beiden, dass sie sich viel mehr zu sagen haben. „Mauerpost“ vereint ihre Geschichte vom geteilten Berlin.

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History-Mystery- Schmöker-Hurra:

Emma Carrolls „Nacht über Frost Hollow Hall“ und „Das Geheimnis der roten Schatulle“

Cover Nacht über Frost Hollow Hall (Emma Carroll)
c Thienemann Verlag / Verena Körting

Im Interview mit Katharina Ebinger hatte die Programmleiterin von Thienemann erzählt, dass vor allem die historischen Schmöker von Emma Carroll gut laufen. Da konnte ich natürlich nicht widerstehen. Hier kommt jetzt also eine Sammelrezension von „Nacht über Frost Hollow Hall“ und „Das Geheimnis der roten Schatulle“. – Eins sei gleich schonmal gesagt: Carroll liebt offensichtlich düstere Familiengeheimnisse.

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Es fliegt. Oder nicht?! Stephan Martin Meyer und Thorwald Spangenberg experimentieren mit „Leonardos Flugmaschinen“

Cover "Leonardos Flugmaschinen", ein Bilderbuch von Gerstenberg Verlag

Fliegen ist und bleibt ein Faszinosum – selbst in Zeiten, in denen Flugreisen traurige, klimaschädliche Alltäglichkeit haben, ist der Traum vom Schweben weiterhin in vielen Köpfen und werden die Pionierleistungen von Menschen gefeiert, die der Schwerkraft trotzten (zum Beispiel in Torben Kuhlmanns „Lindbergh“ oder Amelia Earhardt in der Little People Big Dreams-Reihe). Genau dieser Faszination widmen sich aber auch Stephan Martin Meyer und Thorwald Spangenberg in ihrem Buch „Leonardos Flugmaschinen“, das sich an Menschen ab 8 Jahren richtet, auf zwei Ebenen.

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An der Grenze des Erträglichen: Dorit Linkes „Jenseits der blauen Grenze“

Cover "Jenseits der blauen Grenze"

Was treibt einen Menschen an, alles zurückzulassen und das eigene Leben zu riskieren für einen Neuanfang? Dorit Linkes Roman „Jenseits der blauen Grenze“ beginnt ohne Vorwarnung mitten im Geschehen und genauso schonungslos wie der Einstieg ist auch der Rest des Romans für Leser*innen ab 14 Jahren. Er nimmt uns mit in das Leben von Jugendlichen in der DDR und auf ihre Flucht vor Unterdrückung und dem Gefühl des Eingesperrt-Seins. Denn wir begleiten Hanna und Andreas auf ihrer Flucht über die Ostsee. Schwimmend wollen die beiden den Westen erreichen und setzen dabei ihr Leben aufs Spiel. Warum sie bereit sind, dieses Risiko einzugehen, erzählt der Roman im zweiten, geschickt im Wechsel eingeflochtenen, Erzählstrang.

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Der Erste Weltkrieg als Ende des Bürgertums: Herbert Günthers „Zeit der großen Worte“

Cover "Zeit der großen Worte" von Herbert Günther

Ein wenig braucht es, bis „Zeit der großen Worte“ einen packt. Zu sperrig die Kriegsbegeisterung im Kopf, zu salbadernd die Worte, bis klar wird: Paul teilt die Ansichten nicht, doch so richtig weiß er noch nicht, wie damit umzugehen ist, wie er den Sprachungetümen der Propaganda eine eigene Stimme entgegensetzen soll. Wie der Kriegsbegeisterung des Bruders begegnen, wie der Heldensehnsucht des Vaters, die sich beide direkt als Freiwillige melden, um im Ersten Weltkrieg zu dienen? Herbert Günther gelingt es, Pauls Erwachsenwerden in Zeiten des Krieges, die Propaganda der (Vor-)Kriegszeit, Alltag und große Politik miteinander zu verschmelzen. Und ihm nach und nach eine eigene Stimme zu schenken. Der Erste Weltkrieg wird zum Epochenumbruch – in Pauls Leben genauso wie in der europäischen Geschichte.

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Vom Ende des Abenteuers: Philip Kerrs “Friedrich, der große Detektiv”

Cover Friedrich, der große Detektiv

Der gesellschaftliche Konflikt, den Friedrich miterlebt, sitzt schon bei ihm zuhause am Küchentisch: Sein Bruder Rolf ist großer Anhänger der Nazis, sein Vater aber ist Journalist und viel in Künstlerkreisen unterwegs, die die Nationalsozialisten ablehnen. Abgesehen von den privaten Spannungen und dem Wissen, dass er manche Gegenden seines geliebten Berlins lieber meiden sollte, wenn er nicht in Straßenschlachten zwischen Kommunisten und Nazis hineingeraten will, hat Friedrich jedoch andere Sorgen: Er will Detektiv werden, genau wie sein Vorbild “Emil” aus Erich Kästners Roman. Und so zieht Philip Kerr uns in “Friedrich, der große Detektiv” nach und nach hinein in das Berlin der Machtergreifung und stellt ganz nebenher die Gewissensfragen: Was hätte Friedrich wissen und vor allen Dingen: Was hätte er tun können?

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Poesie der Einsamkeit: Gavriel Savits „Anna und der Schwalbenmann“

Cover "Anna und der Schwalbenmann"

Wie einem Kind das Grauen des Nationalsozialismus, überhaupt das Leid von Krieg und Mord, von menschlicher Grausamkeit erklären? Das heutige didaktische Problem überträgt Gavriel Savit in seinem Jugendbuch „Anna und der Schwalbenmann“ in den Text selbst. Wie einem kleinen Mädchen erklären, dass der Vater einfach verschwindet, weil die Nazis ihn als Angehörigen der intellektuellen Elite ermordet haben? Die Antwort, die dieser poetische Roman gibt, ist so bedrückend leicht wie erhaben schwer: Mit Geschichten. Gavriel Savit nimmt uns mit in die Zeit des Zweiten Weltkrieges und zeigt uns fernab der großen Städte und Straßen, inmitten der Einsamkeit der Wälder und Wanderwege umso eindrücklicher, wie existenziell bedrohlich der Mensch dem Menschen werden kann, wie einsam wir alle sind und wie schwer es ist, Mensch zu bleiben, trotz allem.

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