Das Kriegsende in der Jugendliteratur

Die Anthologie „Gestern war noch Krieg“

Cover "Gestern war noch Krieg"
c Thienemann-Esslinger

Natürlich machen sich über das Problem der fehlenden Zeitzeug*innen gerade Institutionen, die sich mit politischer Bildung beschäftigen, besonders viele Gedanken. Die Landeszentrale für politische Bildung in Hamburg hat nun mit Dr. Jürgen Hübner und Martin Verg die Anthologie „Gestern war noch Krieg“ herausgegeben. Geordnet nach Themen werden dabei Ausschnitte aus Jugendbüchern von prominenten Autor*innen wie Christine Nöstlinger, Uri Orlev oder Anke Bär rund um das Jahr 1945 wiedergegeben.

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Autobiographisches Erzählen

Eva Erben schreibt über ihr Überleben der Judenverfolgung

Cover "Mich hat man vergessen"
c Gulliver / Beltz&Gelberg

Mich hat man vergessen“ ist ein dünnes Bändchen aus der Gulliver-Reihe. Das liegt daran, dass Eva Erben zunächst gar kein Buch schreiben wollte, sondern einen Vortrag für die Klasse ihres Sohnes vorbereitet hat. Sie wollte den Jugendlichen erzählen, wie sie die Judenverfolgung der Nationalsozialisten überlebt hat. Im Jugendbuch ab 12 Jahren erzählt sie ihre Geschichte noch ein wenig weiter. Überleben wird hier zum Weiterleben, trotz allem und allem zum Trotz.

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Jugend in Totalitarismus und Krieg

„Wo die Freiheit wächst“ erzählt von der Suche nach Freiheit im Nationalsozialismus

Cover Wo die Freiheit wächst
c arsEdition

Ein Briefroman. Und dann auch noch so ein dicker Wälzer. Doch diese Vorurteile zählen hier nichts. Jedes Wort, jeder Satz, jede Seite von „Wo die Freiheit wächst“ (ab 14 Jahren) ist lesenswert. Frank Maria Reifenberg schafft es in diesem Jugendbuch über die Edelweißpiraten, uns die Realität des Zweiten Weltkriegs so nahe zu bringen, dass sie weh tut.

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Mut braucht Angst

Eine Flucht vor den Nazis für Kinder erzählt

Cover "Über die Grenze" von Maja Lunde
c Urachhaus

Selten werden auf dem deutschen Kinder- und Jugendbuchmarkt historische Erzählungen aus anderer als deutscher Perspektive erzählt – „Verloren in Eis und Schnee“ war ein Beispiel (Rezension hier). Umso toller ist es nun, dass wir der Frankfurter Buchmesse mit Norwegen als Gastland sowie Maja Lundes Starstatus auch in Deutschland (Die Geschichte der Bienen) zu verdanken haben, dass ihr Kinderbuch „Über die Grenze“ für Menschen ab 9 Jahren bei Urachhaus erschienen ist.

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Wahre Geschichte schonend erzählt: Helen Bates „Peter in Gefahr“

Cover Peter in Gefahr

Was bedeutet es, als jüdisches Kind im Budapest des Zweiten Weltkriegs aufzuwachsen? „Peter in Gefahr. Mut und Hoffnung im Zweiten Weltkrieg“ beantwortet diese Frage, ohne sie offen zu stellen. Helen Bate erzählt in diesem Kinderbuch ab 7 Jahren, das eigentlich eher eine Graphic Novel ist, aus Perspektive Peters vom Überleben des Holocausts in Verstecken. Sehr Vieles bleibt dabei Unausgesprochen – Stärke und Schwäche des Buches zugleich.

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Vom Ende des Abenteuers: Philip Kerrs “Friedrich, der große Detektiv”

Cover Friedrich, der große Detektiv

Der gesellschaftliche Konflikt, den Friedrich miterlebt, sitzt schon bei ihm zuhause am Küchentisch: Sein Bruder Rolf ist großer Anhänger der Nazis, sein Vater aber ist Journalist und viel in Künstlerkreisen unterwegs, die die Nationalsozialisten ablehnen. Abgesehen von den privaten Spannungen und dem Wissen, dass er manche Gegenden seines geliebten Berlins lieber meiden sollte, wenn er nicht in Straßenschlachten zwischen Kommunisten und Nazis hineingeraten will, hat Friedrich jedoch andere Sorgen: Er will Detektiv werden, genau wie sein Vorbild “Emil” aus Erich Kästners Roman. Und so zieht Philip Kerr uns in “Friedrich, der große Detektiv” nach und nach hinein in das Berlin der Machtergreifung und stellt ganz nebenher die Gewissensfragen: Was hätte Friedrich wissen und vor allen Dingen: Was hätte er tun können?

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Ein Baum als Mittler. Gottesfelds und McCartys „Anne Frank und der Baum“

Cover Anne Frank und der Baum

Bäume können faszinierende Gefährten sein, machen wir uns einmal bewusst, wie lange sie uns überdauern und was sie in ihrem Leben alles beobachten. Um genau diese Beobachtungen geht es im Kinderbuch „Anne Frank und der Baum“. Über die Geschichte des Baumes erzählen Jeff Gottesfeld und Peter McCarthy zugleich die Geschichte Anne Franks und ihrer Familie und machen ihr Schicksal schon für jüngere Kinder zugänglich, empfiehlt der Verlag das Kinderbuch doch schon ab 6 Jahren.

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Poesie der Einsamkeit: Gavriel Savits „Anna und der Schwalbenmann“

Cover "Anna und der Schwalbenmann"

Wie einem Kind das Grauen des Nationalsozialismus, überhaupt das Leid von Krieg und Mord, von menschlicher Grausamkeit erklären? Das heutige didaktische Problem überträgt Gavriel Savit in seinem Jugendbuch „Anna und der Schwalbenmann“ in den Text selbst. Wie einem kleinen Mädchen erklären, dass der Vater einfach verschwindet, weil die Nazis ihn als Angehörigen der intellektuellen Elite ermordet haben? Die Antwort, die dieser poetische Roman gibt, ist so bedrückend leicht wie erhaben schwer: Mit Geschichten. Gavriel Savit nimmt uns mit in die Zeit des Zweiten Weltkrieges und zeigt uns fernab der großen Städte und Straßen, inmitten der Einsamkeit der Wälder und Wanderwege umso eindrücklicher, wie existenziell bedrohlich der Mensch dem Menschen werden kann, wie einsam wir alle sind und wie schwer es ist, Mensch zu bleiben, trotz allem.

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Günter Grass als Kinderbuch: Elżbieta Pałasz (Text), Joanna Czaplewska, Katja Widelska (Illustration): Bucheckern, Bernstein, Brausepulver

Buchcover "Bucheckern, Bernstein, Brausepulver" über Günter Grass

Günter Grass hat viele Elemente seiner Danziger Kindheit in seinen literarischen Werken verarbeitet. Insofern mag es nicht überraschen, dass es Reiseführer zu Gdańsk gibt, die auf den Spuren Grass‘ wandern. Aber ein Bilderbuch darüber für Kinder ab 9 Jahren? Kann die Kindheit eines Literaturnobelpreisträgers auch Jüngere interessieren? Elżbieta Pałasz, Joanna Czaplewska und Katja Widelska haben gemeinsam versucht, in “Bucheckern, Bernstein, Brausepulver” Günter Grass‘ Kindheitsjahre zu erzählen.

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Zwei Diktaturen, eine Graphic Novel: Nieder mit Hitler! Von Jochen Voit und Hamed Eshrat

Cover "Nieder mit Hitler"

Geschichte spannend und gut aufbereitet zu erzählen, ohne ins Reißerische zu geraten, und zugleich noch ein Vorbild in Sachen Kooperation zwischen Uni und Gedenkstätte sein? Dass das geht zeigen Jochen Voit und Hamed Eshrat mit „Nieder mit Hitler! Oder warum Karl kein Radfahrer sein wollte“. Die Graphic Novel erzählt über Karl Metzners Leben im Nationalsozialismus und der DDR und Möglichkeiten und Folgen des Widerstands gegen totalitäre Regime.

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