Vom verurteilten Nationalhelden

„Der Fall Alan Turing“ als Comic

Cover "Der Fall Alan Turing"
c bahoe books

Der Untertitel setzt sofort den Ton dieser Graphic Novel: „Der Fall Alan Turing. Die Geschichte und Tragödie eines außergewöhnlichen Genies“. Schon auf den ersten Seiten zeigen und Éric Liberge und Anaud Delalande einen so genialen wie zerrissenen Mann, von Albträumen und Panik geplagt, bevor sie uns in seine Vergangenheit mitnehmen.

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Gebrauchsanweisung aus der Geschichte

Timothy Snyder/Nora Krug: Über Tyrannei

Cover Über Tyrannei
c CH Beck

“Wir sollen aus der Geschichte lernen” ist so eine plumpe Geschichtsdidaktische Weisheit, die wohl Geschichtsdidaktiker*innen wie Schüler*innen gleichermaßen aus den Ohren hängt. Dass es aber manchmal doch irgendwie geschickt funktionieren kann, zeigt Timothy Sniders “Über Tyannei. 20 Lektionen für den Widerstand”, kongenial illustriert aufbereitet von Nora Krug.

Nora Krugs “Heimat” habe ich hier auch schon besprochen und war sehr begeistert. “Über Tyrannei” funktioniert anders, ist weniger eine Spurensuche als klare Antwort. Die zwanzig Lektionen beginnen jeweils mit einer klaren Aufforderung und werden dann mit weiterem Inhalt gefüllt. Snyder argumentiert dabei aus der Geschichte heraus, aus der Machtübernahme der Nationalsozialist*innen, aber auch aus der Entstehung des Sozialisitischen Regimes in der Sowjetunion. So macht er deutlich, wie wichtig freie Presse, das Gewaltmonopol des Staates, intakte rechtsstaatliche Institutionen sind, um nur eineige Beispiele zu nennen. Natürlich wird deutlich, wie sehr der 2017 entstandene Text sich gegen Trump richtet.

Nora Krugs Illustrationen lockern den Text nicht nur auf, sie machen die Lektionen noch greifbarer und eingängiger. Vor allem macht das Buch deutlich: Die beschriebenen Mechanismen betreffen eben nicht nur Amerika, sondern uns alle. Die Aushöhlung des demokratischen Prinzips ist eine tagtäglich abzuwehrende Gefahr. “Über Tyrannei” sensibelt dafür, es macht außerdem den Nutzen von historischem Wissen deutlich und ist mit klaren Nachweisen zu Quellen- und Bildmaterial versehen. Klar, an manchen Stellen finden auch hier Vereinfachungen statt, die in der Regel dann aber in nachfolgenden Kapiteln noch einmal aufgegriffen und ausdifferenziert werden. Einzig gestört hat mich der Verweis auf das Milgram-Experiment ohne kritische Reflexion, dass dieses heute massiv methodisch kritisiert und als wenig aussagekräftig bekannt ist (siehe dazu z.B. “Im Grunde gut” von Rutger Bregman).

Langer Rede kurzer Sinn: Ich war sehr, sehr angetan von dem Buch. Wir sollten es alle lesen. Und nicht nur das: Wir sollten mehr Widerstand in unseren Alltag einbringen. Oder auch einfach – mehr Rückgrat.

Timothy Snyder/Nora Krug: Über Tyrannei. Zwanzig Lektionen für den Widerstand. Aus dem Amerikanischen von Andreas Wirthensohn. C.H.Beck 2021. ISBN: 978-3-406-77760-8. €20.

Militarismus und Männlichkeit

“Der Krieg ist ein Menschenfresser”

c Hanser

Warum sollte irgendjemand in den Krieg ziehen? Bei Ferdinand jedenfalls ist es nicht die so oft beschworene Kriegsbegeisterung, die in 1914 dazu bringt, sich freiwillig zu melden. Er ist verliebt und glaubt, dass Anni ihn nur zurücklieben kann, wenn er ein Held wird. Elisabeth Zöller hinterfragt in “Der Krieg ist ein Menschenfresser” Rollenbilder und entlarvt vor der Folie des Ersten Weltkriegs den deutschen Militarismus für Menschen ab 14 Jahren.

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Höfisches Leben im 18. Jahrhundert

„Jeanne Antoinette de Pompadour“

Cover "Jeanne Antoinette de Pompadour"
c Kindermann-Verlag

Was bedeutet es, im 18. Jahrhundert eine Frau zu sein? Was bedeutet Zugehörigkeit zum Adel, wie ist überhaupt die französische Gesellschaft gegliedert? Das erzählt Andrea Weisbrod locker-leicht in ihrer kurzen Geschichte zu „Jeanne Antoinette de Pompadour“ für Menschen ab 6 Jahren.

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Homosexualität in der Nachkriegsgeschichte

Matthias Lehmanns „Parallel“

Cover "Parallel"
c Reprodukt

Was bedeutet es, sich ein Leben lang zu verstecken? Erst vor sich selbst, dann aber vor allen anderen? Die eigenen Wünsche und Vorlieben nicht ausleben zu können? Matthias Lehmann erzählt in „Parallel“ die Lebensgeschichte Karl Klings, der sich einerseits nach einer eigenen Familie sehnt, andererseits seine Liebe zu Männern nicht aufgeben kann und will.

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Vom Überleben der Shoa

„Zwei von jedem“ von Rose und Rebecka Lagercrantz

Cover "Zwei von jedem"
c Moritz Verlag

Wie die Geschichte des Holocaust für Kinder erzählen? Rose Lagercrantz wählt einen sehr persönlichen Weg und einen, der auf Zukunft ausgerichtet ist, denn das Überleben erzählt sie gleich mit. “Zwei von jedem” – Die Geschichte von Eli und Luli ist an ihre eigene Familiengeschichte angelehnt und berichtet von jüdischem Leben im 20. Jahrhundert für Menschen ab 9 Jahren.

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Ein Comic über Widerstand in Auschwitz

„Rapport W. Freiwillig als Häftling in Auschwitz“

c Splitter Verlag

Witold Pilecki lässt sich im September 1940 unter dem Tarnnamen Thomasz Serafínski in Auschwitz einschleusen. Über ein nach und nach aufgebautes Netzwerk gelingt es ihm, Nachrichten über das Lager nach außen zu schmuggeln und den polnischen Widerstand im Konzentrationslager aufzubauen. 2000 wurde sein Rapport in Polen veröffentlich, später in vielen anderen Ländern, darunter auch Deutschland und Frankreich. Gaétan Nocq setzte den Rapport W nun als Comic um. Er erfuhr über Isabelle Davion von den Aufzeichnungen. Die Historikerin hat die Entstehung des Comics wissenschaftlich begleitet und zudem ein ausführliches Nachwort verfasst.

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Frauengeschichte seit der Steinzeit

„Frauenleben im Lauf der Zeit“

Cover "Frauenleben im Lauf der Zeit"
c helvetiq

Es ist toll, mal wieder ein Kindersachbuch zur Frauengeschichte zu lesen, das sich mit allgemeinen Linien und nicht nur mit einzelnen Heldinnen* (wie etwa die Goodnight Stories) auseinandersetzt. „Frauenleben im Lauf der Zeit“ von Katarzyna Radziwiłł und Joanna Czaplewska erzählt Frauengeschichte ab der Steinzeit für Menschen ab 8 Jahren.

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Familiäre Vergangenheitsbewältigung

„Der Duft der Kiefern“ von Bianca Schaalburg

Cover "Der Duft der Kiefern"

Spurensuchen in der eigenen Familie liegen im Trend. Wie war meine Familie involviert? Was wussten meine Großeltern über den Holocaust? Ich habe vor einiger Zeit begeistert das Buch „Heimat“ besprochen. Nun legt Bianca Schaalburg ihre erste Graphic Novel vor. „Der Duft der Kiefern“ ist eine Familiengeschichte, die über die Nazizeit hinaus geht und auch nach erinnerungskulturellen Entwicklungen der BRD der Nachkriegszeit erzählt.

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Geschichte im hyperrealen Bilderbuch

Lena Zeises „Balto und Togo“

Cover "Balto und Togo"
c Gerstenberg

Balto und Togo, die diesem Bilderbuch den Namen geben, sind nur zwei der über 100 Hunde, die 1925 in der Stadt Nome, Alaska, viele Menschen vor dem Tod retteten. Lena Zeise berichtet hier im großen Panorama für Menschen ab 8 Jahren, wie die Hundeschlittenstaffel das Antitoxin bis in die Peripherie brachte.

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