Engagiertes Leben gegen Nazis

Der Comic zu Beate und Serge Klarsfeld

Cover Beate und Serge Klarsfeld
c Carlsen

Der biographische Comic „Beate & Serge Klarsfeld. Die Nazijäger“ setzt bei der wohl bekanntesten Aktion ein, nämlich dem Moment, als Beate Klarsfeld am 7. November 1968 Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger ohrfeigt. Von hier aus spannen Pascal Bresson und Sylvain Dorange die Geschichte der Beziehung sowie der Arbeit der Klarsfelds aus, die maßgeblich vom gemeinsamen Kampf gegen Alt-Nazis geprägt ist, die bisher der juristischen Verfolgung entgangen waren.

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Schokolade und Familiengeheimnisse

„Zartbittertod“ greift deutsche Kolonialgeschichte auf

Cover "Zartbittertod"
c cbt

Dass intensiv über die deutsche koloniale Vergangenheit debattiert wird, ist eine begrüßenswerte Entwicklung der letzten Jahre. Erst kürzlich hat die Bundesregierung endlich die Verbrechen an Herero und Name als Völkermord anerkannt – ein erster Schritt. Elisabeth Herrmann greift dieses Kapitel der deutschen Geschichte in ihrem Thriller „Zartbittertod“ für Menschen ab 14 gekonnt auf. Schade nur: Irgendwie fehlt es dann doch an Tiefe.

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Rassismus-Ausstellung in Dresden

Der Ausstellungsbegleitband

Cover "Rassismus. Die Erfindung von Menschenrassen" (Wallstein)
c Wallstein

Der Untertitel gibt das Programm schon gut vor: „Rassismus. Die Erfindung der Menschenrassen“ – der von Susanne Wernsing, Christian Geulen und Klaus Vogel herausgegebene Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung im Deutschen Hygienemuseum in Dresden liefert viel Material, um über die Konstruktion von „Rasse“ und die Entstehung von Rassismus nachzudenken, auch ohne die Ausstellung gesehen zu haben. Der Band liegt nun auch als BpB-Ausgabe vor.

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In den Mühlen der Jugendfürsorge der DDR

„Verraten“ von Grit Poppe

Cover "Verraten" von Grit Poppe
c Dressler

Es ist 1986 und der GAU in Tschernobyl erschüttert die Welt – oder eben auch nicht, je nachdem, welche Medien man konsumiert. Aber das ist nicht das einzige Moment, das Sebastians Alltag und seinen Glauben an die DDR ins Wanken bringt. Seine Mutter ist gestorben und plötzlich landet er einem „Durchgangsheim“, das sich gut und gerne als Gefängnis beschreiben lässt. Grit Poppe erzählt in „Verraten“, wie leicht es war in die Mühlen des DDR-Unrechtsregimes zu geraten und wie schwierig ein Leben war, in dem Vertrauen gleichsam den eigenen Untergang bedeuten konnte.

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Die Welt der Kaufhäuser Anfang des 20. Jahrhunderts

„Émile in Berlin“ von Thilo Krapp

c Gerstenberg

Émile reist mit seiner Mutter nach Berlin – Verwandtschaftsbesuch. Doch die Mutter hat auch noch andere Pläne: Unter anderem will sie das gerade erst eröffnete Kaufhaus Wertheim an der Leipziger Straße besuchen. Émile kommt mit, bedingt sich aber aus, in dem Kaufpalast auf eigene Entdeckungstour gehen zu dürfen. Und so erzählt „Émile in Berlin“ für Menschen ab 8 Jahren von der Welt der Kaufhäuser in der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert.

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Zufallsfund Vergangenheit

Maja Nielsen verwebt in „Tatort Eden 1919“ gestern und heute

Cover "Tatort Eden 1919"
c Gerstenberg

Biko kann seinen großen Traum erfüllen: Er ist als Quereinsteiger in die Berliner Artist*innenschule aufgenommen worden. Voller Vorfreude fährt er nach Berlin. Es ist der Sommer 2015. Der Berliner Hauptbahnhof ist nicht nur wuselig wie immer, es kommen auch viele Geflüchtete an. Biko wird wegen seiner Hautfarbe fälschlicherweise auch für einen unbegleiteten Minderjährigen gehalten und schafft es nicht recht, sich der Situation zu entziehen. Auch weil er seine Helferin Lizzie so ausgesprochen sympathisch findet, dass er kein Wort herausbekommt. Dies ist die Ebene der Gegenwart, doch schon bald geht es in die Vergangenheit: Da gibt es nämlich in der Schule einen alten Koffer, der eigentlich nur ein Requisit sein soll, Biko und seine Mitschüler*innen aber schon bald in den Bann Rosa Luxemburgs und an den “Tatort Eden 1919” zieht.

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Wenn Wegdenken nicht mehr hilft

„Ringel, Rangel, Rosen“ von Kirsten Boie

Cover "Ringel Rangel Rosen"
c Oetinger

Ich muss gestehen, dass ich Kirsten Boie immer sehr gerne lese, ihre Geschichten aber eher im Bereich „feel good“ abgespeichert habe. „Ringel, Rangel, Rosen“ zeigt ein ganz anderes Register und das literarische Können der Autorin. Denn hier geht es um die 1960er Jahre und die jugendliche Karin, die einerseits versucht, die Kriegstraumata und die Kriegsschuld der Eltern zu begreifen und gleichzeitig mit den eigenen Dämonen kämpfen muss.

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Ein Klassiker zur deutschen Geschichte

Klaus Kordons „Trilogie der Wendepunkte“

Cover "Die roten Matrosen"
c Gulliver

Ich habe vor einiger Zeit schon die Comic-Adaption von „Der erste Frühling“ besprochen (hier findet ihr den Text), jetzt wollte ich mich aber noch einmal der gesamten „Trilogie der Wendepunkte“ von Klaus Kordon widmen. Los geht es mit „Die roten Matrosen oder ein vergessener Winter“, dann kommt „Mit dem Rücken zur Wand“ und zuletzt eben „Der erste Frühling“. Die Trilogie erzählt letztlich die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts in Berlin am Beispiel der Arbeiterfamilie Gebhardt.

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Jahresrückblick 2020

Das Logo-Buch auf einem Weihnachtsstern sitzend.
c Kira G.

Beim Scrollen durch die Texte habe ich mich gerade ein bisschen erschreckt, wie viele Bücher ich schon wieder fast vergessen hatte (obwohl ein Blick aufs Cover genügt, um sie wieder nach vorne zu holen). Aber da gibt es ein paar, die sind mir ganz besonders im Gedächtnis geblieben. Interessanterweise fast alle zur deutschen Geschichte und vor allem dem Nationalsozialismus… Hier kommt mein Best-Of für dieses Jahr:

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Woher kommt dieser Mut?

Sharon Camerons “Das Mädchen, das ein Stück Welt rettete”

Cover "Das Mädchen, das ein Stück Welt rettete"
c insel

Um es gleich vorweg zu sagen: Ich habe dieses Buch durchgesuchtet. Und hatte die ganze Zeit einen Klumpen aus Angst und Anspannung im Bauch. Sharon Cameron erzählt in “Das Mädchen, das ein Stück Welt rettete. Nach einer wahren Geschichte” von Stefania und Helena Podgórska, Max Diamant und zwölf weiteren Jüd*innen, die die nationalsozialistische Besatzung Polens auf dem Dachboden der Podgórskas überleben.

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