Vom verurteilten Nationalhelden

„Der Fall Alan Turing“ als Comic

Cover "Der Fall Alan Turing"
c bahoe books

Der Untertitel setzt sofort den Ton dieser Graphic Novel: „Der Fall Alan Turing. Die Geschichte und Tragödie eines außergewöhnlichen Genies“. Schon auf den ersten Seiten zeigen und Éric Liberge und Anaud Delalande einen so genialen wie zerrissenen Mann, von Albträumen und Panik geplagt, bevor sie uns in seine Vergangenheit mitnehmen.

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Homosexualität in der Nachkriegsgeschichte

Matthias Lehmanns „Parallel“

Cover "Parallel"
c Reprodukt

Was bedeutet es, sich ein Leben lang zu verstecken? Erst vor sich selbst, dann aber vor allen anderen? Die eigenen Wünsche und Vorlieben nicht ausleben zu können? Matthias Lehmann erzählt in „Parallel“ die Lebensgeschichte Karl Klings, der sich einerseits nach einer eigenen Familie sehnt, andererseits seine Liebe zu Männern nicht aufgeben kann und will.

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Ein Comic über Widerstand in Auschwitz

„Rapport W. Freiwillig als Häftling in Auschwitz“

c Splitter Verlag

Witold Pilecki lässt sich im September 1940 unter dem Tarnnamen Thomasz Serafínski in Auschwitz einschleusen. Über ein nach und nach aufgebautes Netzwerk gelingt es ihm, Nachrichten über das Lager nach außen zu schmuggeln und den polnischen Widerstand im Konzentrationslager aufzubauen. 2000 wurde sein Rapport in Polen veröffentlich, später in vielen anderen Ländern, darunter auch Deutschland und Frankreich. Gaétan Nocq setzte den Rapport W nun als Comic um. Er erfuhr über Isabelle Davion von den Aufzeichnungen. Die Historikerin hat die Entstehung des Comics wissenschaftlich begleitet und zudem ein ausführliches Nachwort verfasst.

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Die Sinnlosigkeit des Tötens

Kirsten Boies “Dunkelnacht” und die Endphasenverbrechen des Zweiten Weltkriegs

Cover "Dunkelnacht"
c Oetinger

Kirsten Boie ist dafür bekannt, dass sie alle Register des Kinder- und Jugendbuchs bedienen kann. Von locker-leicht bis schwer und tiefgründig ist alles dabei. Vor einigen Wochen hatte ich schon “Ringel, Rangel, Rosen” zu den 1950er Jahren in Hamburg vorgestellt. Hier soll es nun um das relativ frisch erschienene “Dunkelnacht” gehen, das für Menschen ab 15 Jahren von Endphasenverbrechen in einer bayerischen Kleinstadt erzählt.

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Das Kopf-Einziehen der Erwachsenen

„Die Kinder der Résistance“

Cover "Die Kinder der Résistance" Band 1
c bahoe books

Das nationalsozialistische Deutschland überfällt Frankreich. In einem kleinen (fiktiven) Dorf sehen die Dreizehnjährigen François und Eusèbe dabei zu, wie Fliehende durch ihre Straßen ziehen. Und wie plötzlich auch die Deutschen sie erreichen. Wie sie Denkmäler schänden und zwar einerseits so tun, als wollten sie sich gut benehmen, andererseits jedoch herablassend mit der Bevölkerung umgehen. Während die meisten Erwachsenen sich der Situation einfach ergeben, werden die Helden des Comics von Vincent Dugomier und Benoît Ers „Kinder der Résistance“. Später wird auch Lisa, deren Eltern auf der Flucht gestorben sind, Teil dieser Gruppe.

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Oral History als Comic

„Die Geschichte von Francine R.“

Cover "Die Geschichte von Francine R."
c avant-verlag

Boris Golzio ist entfernt mit Francine verwandt. Er steigt in “Die Geschichte von Francine R.” ein, indem er transparent erzählt, warum er diese überhaupt erzählt. Francine hatte ihn auf der Suche nach Familienmitgliedern angerufen und als er erfuhr, dass sie Mitglied der Résistance war, entschied er sich, ihre Erinnerungen aufzuzeichnen. Zunächst jedoch einfach als Oral History. Dann ließ ihn die Geschichte nicht los. Zehn Jahre später, Francine war bereits gestorben, entschied er sich, sie als Comic zu erzählen.

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Ein Klassiker zur deutschen Geschichte

Klaus Kordons „Trilogie der Wendepunkte“

Cover "Die roten Matrosen"
c Gulliver

Ich habe vor einiger Zeit schon die Comic-Adaption von „Der erste Frühling“ besprochen (hier findet ihr den Text), jetzt wollte ich mich aber noch einmal der gesamten „Trilogie der Wendepunkte“ von Klaus Kordon widmen. Los geht es mit „Die roten Matrosen oder ein vergessener Winter“, dann kommt „Mit dem Rücken zur Wand“ und zuletzt eben „Der erste Frühling“. Die Trilogie erzählt letztlich die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts in Berlin am Beispiel der Arbeiterfamilie Gebhardt.

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Die Freude am Lernen für das Morgen

Yitskhok Rudashevskis „Tagebuch aus dem Ghetto von Wilna“

Cover Tagebuch aus dem Ghetto von Wilna
c metropol Verlag

Es gibt wenige Dinge, die so unmittelbar beeindrucken wie Egodokumente. Gleichzeitig sind manche Augenzeug*innenberichte natürlich mit großer Nachträglichkeit zu Papier gebracht. Yitskhok Rudashevskis “Tagebuch aus dem Ghetto von Wilna” ist eine Mischung aus beidem – erzählt er das Jahr 1941 noch rückblickend, sind die Einträge für 1942 und 1943 zeitnah aufgeschrieben und berichten vom Schicksal der Jüdinnen und Juden im nationalsozialistisch besetzten Wilna.

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Von Gut und Böse und Tod

Els Beertens „Als gäbe es einen Himmel“

Cover "Als gäbe es einen Himmel"
c Fischer Verlage

„Wo man singt, da lass dich nieder…“ Diese einfache Weisheit kennen wir wohl alle. Sie spielt an auf das Verbindende von Musik. Doch was, wenn die gemeinsame Liebe zum Klang nicht mehr genügt? Wenn überhaupt die Liebe nicht mehr reicht? Wenn der Liebste zum Nazi wird und freiwillig für die Besatzer an der Ostfront kämpfen will? Els Beerten erzählt in „Als gäbe es keinen Himmel“ vom besetzten Belgien und der Frage, was Krieg mit Menschen macht.

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Von der Inhaftierung der Japano-Amerikaner*innen

„They Called Us Enemy” erzählt George Takeis Lebensgeschichte

Cover "They Called Us Enemy"
c cross cult

Dieser Comic füllt Wissenslücken. Und ist verdammt toll gemacht. In der Rahmenhandlung von “They Called Us Enemy” erzählt George Takei auf einem Diskussionsabend rückblickend über sein Leben. Und genau diese Rückblenden lesen wir direkt als Comic mit. Wir erfahren, wie er und seine Geschwister die Inhaftierung der Japano-Amerikaner*innen im Zweiten Weltkrieg in den USA erlebten.

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