Die Angst, die Trauer, sie bleiben

„Das versteckte Kind“ erzählt die Schoah aus Sicht der Überlebenden

Cover "Das versteckte Kind"
c Panini Comics

Wie die Schoah im Comic erzählen? Ob überhaupt? Das Vorwort von Stephan J. Kramer, zum Zeitpunkt des Erscheinens der Graphic Novel Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, wirft diese großen Fragen gleich auf. Dieser Band schafft ganz sicher neue Zugänge zu diesem Thema, vielleicht auch für Menschen, die sie sonst nicht gefunden hätten. „Das versteckte Kind“ arbeitet mit großen Bildern und geringem Textanteil, vor allem aber ist da eine beruhigende Erzählstimme. Denn Dounia erzählt als Großmutter von ihren Erlebnissen der Kindheit.

Schrittweise Entwürdigung

Dounia ist noch klein, als Frankreich besetzt wird. Als sie einen Judenstern tragen muss, erzählt ihr Vater ihr, sie seien nun alle Sheriffs. Doch natürlich kann diese Schutzerzählung nicht lange funktionieren. Von Seite zu Seite, von Bild zu Bild können wir beobachten, wie Dounia und ihrer Familie, den Freund*innen um sie herum der Alltag, ihr Leben geraubt werden. „Demütigend“ beschreibt Dounia das und das erzählen auch die Bilder.

Es ist dunkle Nacht, als Dounia all das ihrer Enkelin Elsa erzählt. Denn Elsa hatte gefragt, wovor die Großmutter sich fürchtet. Dass sie hier sitzt, dass sie überlebt hat, liegt an der Geistesgegenwärtigkeit der Eltern. Als sie verschleppt werden, verstecken sie das Kind. Eine Nachbarin kommt und hilft Dounia zu verstecken. Über ihre Figur erfahren wir, dass es Widerstand gab genauso wie Kollaborateur*innen. Dounia überlebt den Krieg, ihre Mutter kommt völlig ausgemergelt aus dem Konzentrationslager zurück, ihren Vater wird sie nie wiedersehen.

Überleben und Weiterleben

Die Stärke an diesem Comicband ist, dass er keineswegs alles erklärt und erzählt. Vielmehr bietet er unterschiedlichste Gesprächsanlässe und Möglichkeiten des Weiterfragens. Er macht sichtbar, wie schmerzhaft das Weiterleben ist und wie wertvoll. Ein wenig schade ist, dass für die Neugierigen keine weiteren Lese- oder Recherchetipps gegeben werden. Dennoch ist dieser Comic das Lesen mehr als wert und zwar im Vergleich zu der Comicumsetzung zum Tagebuch von Anne Frank (Rezension siehe hier) auch schon für Jüngere (auf der Verlagsseite konnte ich keine Empfehlung finden, aber ich würde sagen, dass die Erzählhaltung auch schon Grundschulkinder erlaubt, wenn sie begleitet werden).

Gestaltung 5/5
Sprache 5/5
Didaktik 5/5
weiterführende Tipps 0/5
Handlung 5/5

Loïc Dauvillier / Marc Lizano / Greg Salsedo: Das versteckte Kind. Aus dem Französischen von Monja Reichert. Panini Comics 2014. ISBN 978-3-86201-7744, €16,99.

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