Das Überleben als Abenteuer

Suzanne Maudets “Dem Tod davongelaufen”

1945/1946 verfasst ist dieser autobiographische Bericht – nicht ganz ein Tagebuch also, aber noch relativ nah dran an den Geschehnissen und sehr unmittelbar in der Erzählhaltung. Susanne Maudet erzählt in “Dem Tod davongelaufen” von acht Mitgefangenen und sich selbst. Die neun haben sich im Frauenaußenlager Leipzig-Schönefeld des KZ Buchenwald bei der Zwangsarbeit für den Rüstungskonzern HASAG kennengelernt. Als die Frauen auf einen Todesmarsch geschickt werden, entschließen sie sich im April 1945 zu fliehen.

Das kurze Büchlein ist eine Erzählung der Flucht. Die Härte des Vorherigen Erlebten wird nur gelegentlich deutlich, wenn Maudet das Jetzt mit dem Früher vergleicht, um die Moral für das Jetzt zu stärken. Diese Gegenwartsbezogenheit ist es, die dem Schilderungen eine Sogwirkung gibt und die an vielen Stellen überrascht. Immer wieder liest sich die Erinnerung eher wie ein Abenteuerroman, wartet mit Witz und Lebensmut auf, macht sich über die ängstlichen Deutschen lustig, genauso wie über die Engstirnigen, und hat gleichzeitig viel Offenheit und Verständnis für diejenigen Deutschen übrig, die den Fliehenden helfen.

Das Büchlein ist schmal, aber liebevoll herausgegeben. Ein Vorwort der Übersetzerin und zwei Nachworte der Herausgeber ordnen es gekonnt historisch ein. Spätestens an den fehlenden Tipps für weiterführende Lektüre ist zu merken, dass es sich hier um ein Buch handelt, das sich nicht primar an Jugendliche richtet. Gleichwohl halte ich es für tolle Lektüre ab 14 Jahren, da es die Frage von Zeitzeug*innenschaft diskutieren lässt, historisches Wissen vermittelt und die Quellenlektüre schult. Eine Rundumempfehlung!

Suzanne Maudet: Dem Tod davongelaufen. Wie neun junge Frauen dem Konzentrationslager entkamen. Hrsg. von Patrick Andrivet und Pierre Sauvanet. Aus dem Französischen von Ingrid Scherf. ISBN 978-3-86241-488-8, €16.

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