Militarismus und Männlichkeit

“Der Krieg ist ein Menschenfresser”

c Hanser

Warum sollte irgendjemand in den Krieg ziehen? Bei Ferdinand jedenfalls ist es nicht die so oft beschworene Kriegsbegeisterung, die in 1914 dazu bringt, sich freiwillig zu melden. Er ist verliebt und glaubt, dass Anni ihn nur zurücklieben kann, wenn er ein Held wird. Elisabeth Zöller hinterfragt in “Der Krieg ist ein Menschenfresser” Rollenbilder und entlarvt vor der Folie des Ersten Weltkriegs den deutschen Militarismus für Menschen ab 14 Jahren.

Aus Leipzig landet Ferdinand zusammen mit seinem besten Freund in den französischen Schützengräben. Er fotografiert, will für seine Eltern wenigstens die Wahrheit festhalten. Die nämlich sind politisch links und können die Entscheidung ihres Sohnes so gar nicht verstehen. Doch Ferdinands kritischer Blick wird nicht gern gesehen und aufs Härteste diszipliniert.

Erster Weltkrieg und Rollenbilder

Erleben wir bei Ferdinand den Aufbrauch in den Krieg, begleiten wir Max eher bei seiner Rückkehr. Es ist die Jugendfreundin Sophie, die ihn auffängt, weil er vom Kampfgeschehen völlig traumatisiert ist. Doch nicht nur das, er ist Teil einer Vergeltungsaktion gegen die eigenen Leute geworden und macht sich heftigste Vorwürfe.

Elisabeth Zöller gelingt es, ihre Geschichte geschickt zu verknüpfen und absolut spannend zu erzählen. Die Frauenfiguren sind stark dargestellt, ohne die Möglichkeiten von Mädchen sich frei zu bewegen und zu entscheiden der damaligen Zeit zu überzeichnen. Gleichzeitig zeigt sie auf, wie Männer- und Frauenrollen eigentlich vorgesehen waren und wie der Glaube an das deutsche Militär buchstäblich das Gehen über Leichen bedeutete, wie unerbittlich und blind der Nationalismus war. “Der Krieg ist ein Menschenfresser” ist schon von 2014, die Lektüre lohnt sich aber nach wie vor und sei hier uneingeschränkt empfohlen!

Elisabeth Zöller: Der Krieg ist ein Menschenfresser. Hanser 2014. Ab 14 Jahren. ISBN: 978-3-446-24510-5, €15,90.

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