Vom Hörbuch zum Buch: „Fred bei den Wikingern“

Cover Fred bei den Winkingern - Ein Junge auf einem Wikingerschiff bei schwerem Seegang
c ultramar

Es ist ein eher ungewöhnlicher Weg, den ultramar gegangen ist: Nach zahlreichen Anfragen von begeisterten Hörer*innen sind die Hörbuchmacher*innen nun dazu übergegangen, aus den Hörabenteuern von Fred, der immer wieder in unterschiedliche Zeiten reist und so über das Leben vergangener Tage berichten kann, ein Buch zu machen. Begonnen haben Sie mit „Fred bei den Wikingern“. – Und sie haben dabei alle Vorteile ausgeschöpft, die dieses Medium so mit sich bringt.

Die Geschichte von „Fred bei den Wikingern“ ist relativ schnell erzählt, zumal hier natürlich nicht gespoilert werden soll. Fred reist mit seinem Großvater nach Dänemark. In einem Wikinger-Museum macht er bei einer Vorführungsfahrt eines Schiffs mit, stolpert, fällt ins Wasser und taucht in der Zeit der Wikinger wieder auf. Er gerät in Gefangenschaft, freundet sich jedoch mit Ivar, dem Sohn eines kürzlich verstorbenen Fürsten, an. – Und mehr sei hier nicht verraten. Der sehr kurze Umriss dürfte aber schon gezeigt haben: Das Buch verschweigt keinesfalls Grausamkeiten oder zeigt nur eine Idylle. Ganz im Gegenteil wird mehrfach auf Opferrituale, Sklaverei und Menschenraub verwiesen. Gleichzeitig wird aber auch der Alltag, das Familienleben, das soziale Miteinander der Nordmenschen deutlich.

Tolle Belege, gut erzählt

Das Buch auf einem Wikingerschiff - Illustration.
c Kira Geisler

Eine wichtige Rolle spielen im Text auch Glaube und Vorstellungswelt der Zeit um 1000 nach Christus, wobei angenehm wertfrei erzählt wird. Das Wichtigste und Tollste an diesem Buch aber ist weniger die – solide und spannend erzählte – Handlung, sondern das drumherum. Neben den farbigen Illustrationen sind auch einige Zeichnungen nach archäologischen Originalfunden eingefügt. Infotexte an den Seiten geben immer wieder Hintergründe zum Plot. Das wichtigste daran: Sie liefern nicht nur Faktenwissen, sondern erklären, wie Forscher*innen zu den jeweiligen Annahmen gekommen sind und legen Quellen offen. Dabei machen sie auch deutlich: Vieles liegt noch im Bereich der Spekulation, etwa wenn es um die Biographie Ivars des Knochenlosen geht, der als Inspiration für den Ivar in dieser Geschichte gedient hat. Damit wird Geschichte direkt erlebbar als eine Erzählung in Bewegung, ein Forschungsprozess.

Ausführliches Zusatzmaterial

Im Anschluss an die eigentliche Erzählung folgt noch ein ausführlicher Infotext, ein Glossar und ausführliche Tipps und Hinweise zur weiteren Lektüre und für Museumsbesuche. – Aus meiner Sicht ist damit aus dem Medium Buch wirklich alles herausgeholt worden. Eine liebevolle und aufwändige Buchgestaltung, eine tolle Erzählung und didaktisch wirklich super aufbereitete Hintergrundinfos, die transparent machen, woher die Hypothesen kommen und dass wir eben am Ende immer nur unvollständige Vermutungen über die Vergangenheit anstellen können. Besser geht es nicht!

Gestaltung 5/5
Sprache 5/5
Didaktik 5/5
weiterführende Tipps 5/5
Handlung 5/5

Birge Tetzner (Text) / Karl Uhlenbrock (Illustrationen): Fred bei den Wikingern. Jarl Ragnalds Vermächtnis. Ab 9 Jahren. Berlin: ultramar 2019. ISBN: 978-39819200-1-7. € 22.

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