Der Tod und die Kunst

Frida Kahlos Leben als Graphic Novel

Cover "Frida. Ein Leben zwischen Kunst und Liebe"
c Prestel

Dass es eine besondere Geschichte ist, die hier erzählt wird, ist von Anfang an klar: Es treffen sich in “Frida. Ein Leben zwischen Kunst und Liebe” zwei alte Freund*innen zum Plaudern. Und der Tod (oder hier vielleicht auch die Tod) fordert Frida auf, ihre Geschichte zu erzählen. Der Tod wird zum Vexierbild, zur Freundin, jedenfalls zur ständigen Begleiterin, mal im gleichen Outfit, mal mit Zigarette, mal liebevoll, mal beängstigend. Und immer ist da eine kämpfende, kampfeslustige Frida Kahlo.

Die Graphic Novel spart in der Darstellung nicht an Drastik. Sowohl Fridas Unfall sowie die lebenslang wiederkehrenden Behandlungen gegen die Spätfolgen des schweren Busunglücks werden sehr explizit gezeigt. Auch an Sexszenen mangelt es nicht. Vanna Vinci nähert sich dabei immer wieder Fridas Kunst(werken) an, greift diese auf, ohne sie zu imitieren. Frida Kahlos Lebenselixir war die Kunst und die Auseinandersetzung mit sich selbst. Die Männerfiguren, abgesehen von Diego Rivera, ihrem langjährigen Ehemann, gehen ineinander über, die Lust, die Liebe, der Genuss des eigenen Körpers bleiben.

So ist dieses Buch in vielerlei Hinsicht eine intensive Auseinandersetzung mit Frida Kahlo und ihrer Kunstwelt, gleichzeitig dringt natürlich auch Politisches und Geschichtliches in diese Welt ein, nicht zuletzt der Besuch Trotzkis in Mexiko wird ausführlich dargestellt oder Fridas Abneigung gegen den Aufstieg Hitlers. Gerade an solchen Stellen wäre gelegentlich ein wenig mehr Einordnung oder wenigstens Orientierungshilfe durch Lesetipps sicherlich sinnvoll.

Lesenswert ist das Buch aus meiner Sicht aber vor allen Dingen, weil wir hier dabei zusehen können, wie eine Frau ihren Weg findet. Durch Widerstände und Verletzungen. Dabei ist sie sicherlich kein sanftmütiger Engel und gerade das ist spannend wahrzunehmen. Ein wenig schade ist, dass Fridas Körper, trotz aller drastischer Darstellung, immer in einem Zustand der (morbiden) Perfektion gezeigt wird. Aber geschenkt, das ist die Stilisierung des Comics und mein einziges Gemopper. Für Frida-Fans oder Menschen, die ausführlichere Darstellungen zu Frauen suchen, die nicht nur pinkgewaschen Positives erzählen und trotzdem Handlungsspielräume und Möglichkeiten aufzeigen, ist diese Graphic Novel ein echter Gewinn! Ein wichtiger Hinweis sei allerdings noch gegeben: Wer wenig Vorwissen mitbringt, braucht unbedingt Hilfe. Trotzki, Nationalsozialismus – hier kommt viel Geschichte des 20. Jahrhunderts vor, die nicht ausgiebig erklärt wird.

Sprache 5/5
weiterführende Tipps 0/5
Handlung 5/5

Vanna Vinci: Frida. Ein Leben zwischen Kunst und Liebe. Aus dem Italienischen von Christine Schnappinger. Prestel 2017. ISBN 978-3-7913-8387-3. €22.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.