Eine deutsch-französische Beziehung

Inge Barth-Grözingers “Geliebte Berthe”

Cover "Geliebte Berthe"
c Piper Verlag

Ob Erbfeind oder deutsch-französische Freundschaft: Die Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland tauchen immer wieder im Geschichtsunterricht auf. Was genau ihr Wandel allerdings jenseits der europäischen Integration auf persönlicher Ebene bedeutet, bleibt dabei gelegentlich schwer zu fassen. In Inge Barth-Grözingers “Geliebte Berthe” wird genau das deutlich für Menschen ab 12.

Bertha kommt von der Alb, doch bei ihrer Stiefmutter wollte sie nicht länger leben und so geht sie schweren Herzens in die große Stadt, auf der Suche nach einem Platz und einer Zukunft für sich. Auf verschlungenen Pfaden begegnet sie in Straßburg Armand. Es ist Liebe auf den ersten Blick und Bertha – Berthe – folgt Armand nach Frankreich. Doch Armands Mutter ist gegen die Beziehung, ist doch Armands älterer Bruder im Ersten Weltkrieg getötet worden. Berthe muss gegen den Hass ankämpfen, was vom Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nicht einfacher gemacht wird.

Ich muss gestehen, dass ich persönlich mit Bertha nur so mittel warm geworden bin, auch die Liebe-auf-den-ersten-Blick-Geschichte war nicht nach meinem Geschmack. Ansonsten aber ist es ein sehr geschickt erzähltes Buch, das zudem mit einigem Realismus aufwarten kann. Hier wird nicht auf das Happy-End hinauserzählt. Barth-Grözinger ist sich bewusst, dass manche Wunden zu tief, manche Gräben nicht überbrückbar sind. Und dass auf der anderen Seite viele von uns den abstrakten Hass vergessen, wenn sie vor konkreten Personen stehen.

“Geliebte Berthe” ist ein Schmöker, der fast das gesamte 20. Jahrhundert deutsch-französischer Beziehungen dramaturgisch geschickt nacherzählt, ohne dabei zu kitschig oder detailverliebt zu werden. Wer Frankreich mag, sollte hier mitlesen.

Inge Barth-Grözinger: Geliebte Berthe. Piper 2014. Ab 12 Jahren. ISBN: 978-3-492-30367-5, €11.

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