Übernatürlicher Grusel und kriminalistischer Spürsinn

Dietlof Reiches „Die Hexenakte“

Cover "Die Hexenakte"
c Hanser

Was passiert, wenn Geschichte plötzlich in die Gegenwart ragt? Und wie können wir eigentlich Genaueres über die Vergangenheit erfahren? „Die Hexenakte“ von Dietlof Reiche erzählt das spannend und baut gerade die Recherchewege clever mit ein. Leider gibt es das Buch nur noch antiquarisch. Ich habe mich dennoch an eine Besprechung gewagt (und die Ausgabe der „Krimis für junge Leser“-Reihe der Zeit gelesen).

Lennart und Katja haben eher bescheidene Ferien vor sich: Ihre Eltern haben sie zur Teilnahme an einem Mathe-Kurs verdammt. Gut, dass Lennart schon ziemlich früh Katja entdeckt und direkt hin und weg ist. Doch die Freude wird schon bald getrübt. Merkwürdige Schreie, rätselhafte Botschaften – Lennart und Katja geraten in ein übernatürliches Abenteuer. Denn Lennarts Vorfahrin, die 1593 als Hexe verbrannt wurde, ist zurückgekehrt, um Rache zu üben an denen, die sie gefoltert und ungerecht verurteilt haben – und hat sich Lennart und Katja auserkoren, ihr dabei zu helfen.

Das bedeutet für die beiden Jugendlichen zunächst vor allem Arbeit. Denn auf abenteuerlichen Wegen können sie sich zwar entgegen den fiesen Absichten des Gastwirts Gundelfinger Zugang zur Hexenakte verschaffen, aber die ist in alter Schrift notiert. Zum Glück finden sie Hilfe in der ehemaligen Stadtarchivarin Eva Vogelsang, die ihnen hilft, die Akte zu entziffern und zu verstehen. Katja und Lennart geraten in lebensgefährliche Situationen und arbeiten wie die besten Detektive. So wird historische Forschung richtig spannend! Besonders toll ist, dass Reiche im Vorwort deutlich macht, dass er sich auf einen realen Fall bezieht und im Anhang des Buches die voll transkribierten Schriftstücke der Akte zur Verfügung stellt.

Diese Einbettung des Fiktionalen in einen sachlichen Rahmen sowie eben die Möglichkeit, selbst in die Analyse und Lektüre der Akte einzusteigen, haben mich sehr begeistert. Genervt war ich allerdings davon, dass das Ende des Buches letztlich Folter in gewisser Weise legitimiert. Trotzdem: Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und fand es extrem spannend. Die starken Frauenfiguren haben mich natürlich zusätzlich überzeugt. Empfehlenswert!

Sprache 5/5
weiterführende Tipps 0/5 (dafür aber Zusatzmaterial direkt im Buch)
Didaktik 5/5
Handlung 2/5

Dietlof Reiche: Die Hexenakte. Hanser 2007. Nur noch antiquarisch erhältlich. Vermutlich ab 12.

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