Zeitzeuginbericht zu Schindlers Liste

„Ich überlebte“ von Rena Finder

Cover "Ich überlebte"
c Hanser

Rena Finder ist 11 Jahre alt, als sie zusammen mit ihren Eltern von der deutschen Besatzung gezwungen wird, in das Ghetto von Krakau zu ziehen. In „Ich überlebte. Ein Mädchen auf Schindlers Liste“ erzählt sie – aufgezeichnet von Joshua M. Greene – wie sie den Holocaust dennoch überlebte. Der eingängige Bericht wird vom Verlag für Menschen ab 12 Jahren empfohlen.

Für mich besonders eingänglich war, dass Rena Finder von Anfang an ihre Erzählperspektive transparent macht. „Ihr dürft dabei nicht vergessen, dass ich mittlerweile über neunzig Jahre alt bin“ (S. 15), erinnert sie ihre Leser*innen und erklärt, dass es weniger um ganz genaue Faktentreue denn um Wahrhaftigkeit geht. Und so schildert sie vom Leben im Ghetto, ihrer Fassungslosigkeit über die Lebensbedingungen dort, aber auch davon, wie schnell sie sich als Kind anpasste. Durch Glück wurden Rena und ihre Mutter später als Arbeiterinnen bei Oskar Schindler eingesetzt. Das Buch ist somit auch eine klare Hommage an ihn, aber auch seine oft vergessene Frau Emilie Schindler, die sich ebenfalls für die Jüd*innen einsetzte, die in ihrer Fabrik arbeiten mussten, und ihren Mann keineswegs davon abbrachte, sein Vermögen in die Rettung von 1200 Menschen zu investieren.

Finder emigrierte gemeinsam mit ihrem Mann in die USA, da sie Polen weiter als antisemitische Umgebung erlebte. Hier fing sie ein neues Leben an und begann erst nach und nach mit einer Freundin, die ebenfalls den Holocaust überlebt hatte, in Schulen als Zeitzeugin aufzutreten. Nun ist ihre Geschichte auch für ein breiteres Publikum außerhalb der USA zugänglich. Für Jugendliche verfasst spart das Buch nichts aus, erklärt aber angemessen viel. Im Anhang ermöglichen einige Fotos Einblicke in Finders Leben. Schade ist, dass diese nicht mit direkten Bildunterschriften versehen sind, aber das ist natürlich Geschmackssache. Auch fehlende Literaturhinweise finde ich angesichts des Themas verschmerzbar – die jugendlichen Leser*innen dürften genug weitere Anlaufpunkte kennen.

„Ich überlebte“ ist als Zeitzeuginbericht voll und ganz zu empfehlen, da der Text einerseits die eigene Perspektive reflektiert, andererseits emotional zugänglich bleibt und so einen wichtigen Beitrag gegen das Vergessen leistet.

Sprache 5/5
weiterführende Tipps 2/5
Didaktik 5/5
Gestaltung 4/5

Rena Finder/Joshua M. Greene: Ich überlebte. Ein Mädchen auf Schindlers Liste. Aus dem Englischen von Manuela Knetsch. Ab 12 Jahren. Hanser 2022. ISBN: 978-3-446-27238-5 , €15.

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