Das Auto als Innovation

„In 80 Tagen von Peking nach Paris“ von Stephan Martin Meyer und Thilo Krapp

Cover "In 80 Tagen von Peking nach Paris"
c Gerstenberg

Autos sind für uns eine Selbstverständlichkeit – und imagetechnisch eindeutig auf dem absteigenden Ast. Dafür, wie bestimmend sie für viele Alltagspraktiken heute sind, sind sie aber noch gar nicht so lange Alltagsgegenstand. Das wird in „In 80 Tagen von Peking nach Paris“ von Stephan Martin Meyer und Thilo Krapp deutlich. Für Menschen ab 8 Jahren erzählen die beiden, wie abenteuerlich und gefährlich es war, längere Strecken mit dem Auto fahren zu wollen.

Die 1907 gefahrene Rallye war vor allem ein PR-Event für die aufkeimende Automobilindustrie. Dass die Strecke ab Peking jedoch alles andere als problemlos zu fahren war, wird im Buch mehr als deutlich. Immer wieder wären die Autofahrer ohne einheimische Träger, die die Autos zum Beispiel über steile und enge Bergpässe oder zu rumpelige Schotterpisten schleppten, gar nicht weiter gekommen. Die Beschwerlichkeit der Reise macht immer wieder deutlich, wie erstaunlich die Erfindung des Autos eigentlich war und mit wie vielen Hemmnissen so eine Innovation belegt ist, wie abhängig sie von denjenigen ist, die von Beginn an an sie glauben.

Der Abenteuertext ist immer wieder durchsetzt mit kleinen Infokästen, etwa zur politischen Kultur Chinas oder zum Buddhismus. Dabei wird zwar durchaus erzählt, dass beispielsweise Frankreich und Großbritannien politischen Einfluss auf China ausübten, insgesamt hätte eine kritischere Reflexion der Machtverhältnisse, auch im Bezug auf die Helfer*innen auf der Strecke, vielleicht gut getan. Toll ist aus erzählerischer Perspektive, dass Meyer und Krapp dem Team kurzerhand eine Frau, nämlich Charles Godards Nichte, hinzudichten. Dass diese gegen den Willen der Eltern mitfährt und mehr oder weniger vom Onkel „entführt“ wird, scheint einerseits extrem unrealistisch, andererseits allerdings passend zum lebenskünstlerischen Charakter Godards. Die beiden sind die Hauptfiguren der Geschichte, auch historisch fuhr Godard die Strecke mit einem niederländischen Spyker. Durch ein Nachwort wird diese Zudichtung transparent gemacht, was das Buch umso lesenswerter macht, weil es gut zwischen Fakt und Fiktion reflektieren lässt.

Sprache 5/5
Handlung 5/5
weiterführende Tipps 2/5
Didaktik 5/5
Gestaltung 5/5

Stephan Martin Meyer (Text) / Thilo Krapp (Illustration): In 80 Tagen von Peking nach Paris. Das abenteuerlichste Autorennen der Welt. Gerstenberg 2021. Ab 8 Jahren. ISBN: 978-3-8369-6089-2, €17.

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