Der Erste Weltkrieg jenseits der Front als Comic

„Der Krieg der Knirpse“ von Régis Hautière und Hardoc

Cover Krieg der Knirpse 1
c Panini Comics

Die Lulus sind noch jung, als der Erste Weltkrieg ausbricht. So jung, dass der Abt, der ihr Kinderheim leitet, ihnen nichts von der Bedrohung durch den Krieg erzählt hat. Als das Heim in Valencourt plötzlich geräumt werden muss, sind die vier Jungen gerade auf Streiftour durch den Wald. Ihr Fehlen wird zu spät bemerkt, die Evakuierung findet ohne sie statt. Und so beginnt der “Krieg der Knirpse“. Wir begleiten die vier, wie sie sich Jahr für Jahr durch den Ersten Weltkrieg schlagen.

Das Spannende daran: Auch wenn der Krieg und die Front gewissermaßen dauerpräsent sind, bleiben sie doch in weiten Teilen im Hintergrund. Vielmehr werden Themen der Zugehörigkeit und des Alltags beschrieben. Wem können die Jungen trauen und warum? Wer vertraut ihnen?

Männer- und Frauenrollen und -bilder

Cover Krieg der Knirpse 3
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Gleich im ersten Band nehmen die vier Luce bei sich auf, die auf der Flucht aus Belgien ihre Eltern verloren hat. Und wahrscheinlich würden die Kinder, die keine Erfahrung darin haben, sich selbst zu versorgen, verhungern, wenn sie nicht den deutschen Deserteur Hans treffen würden. Hans, der im zweiten Band die wichtigste Figur für die Jungen wird und sinnbildlich für die Sinnlosigkeit des Krieges steht. Denn was bedeutet schon Erzfeindschaft, wenn da einer vor einem steht, der doch auch nur zu seiner Familie will?

Gegen einfache Feindbilder und Stereotype

Immer wieder wird in „Krieg der Knirpse“ auf diese Weise die Frage nach Zugehörigkeit und Sinnhaftigkeit des Krieges gestellt. Gleichzeitig werden Essensknappheit und Anpassungsdruck an die Besatzung deutlich. Hautière und Hardoc ist hier in fünf Bänden eine tiefgründige, detaillierte und spannungsgeladene Geschichte des Ersten Weltkrieges aus kindlicher Perspektive gelungen, deren Lektüre ich rundherum empfehlen kann. Durch die ausdrucksstarken Illustrationen werden sowohl die graue Tristesse eines hungergeladenen Winters wie die Grausamkeit des Kampfes im Schützengraben deutlich, der natürlich durchaus thematisiert wird. Besonders gefallen hat mir dabei natürlich, dass Luce, die einerseits immer wieder von den Jungen in weibliche Rollen geschoben wird, oft die Führungsrolle übernimmt und Entscheidungen für die Lulus trifft. Auch an dieser Stelle also keine Schwarz-Weiß-Malerei. Toll!

Cover Krieg der Knirpse 5
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Gestaltung 5/5
Sprache 5/5
weiterführende Tipps 0/5
Handlung 5/5

Régis Hautière / Hardoc: Der Krieg der Knirpse 1. 1914. Das Haus der Findelkinder. Panini 2015. ISBN 978-3-957-98455-5, €13,99.

Régis Hautière / Hardoc: Der Krieg der Knirpse 2. 1915. Hans. Panini 2016. ISBN 978-3-957-98700-6, €14,99.

Régis Hautière / Hardoc: Der Krieg der Knirpse 3. 1916. Der Steinhaufen. Panini 2016. ISBN 978-3- 957-98822-5, €14,99.

Régis Hautière / Hardoc: Der Krieg der Knirpse 4. 1917. Der Bruch. Panini 2017. ISBN 978-3-374-160459-1, €15,99.

Régis Hautière / Hardoc: Der Krieg der Knirpse 5. 1918. Der Letzte der Letzten. Panini 2018. ISBN 978-3-741-61001-1, €16.

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