Einem Künstler durch Kunst begegnen: Schulz-Riess und Paolo Friz stellen Leonardo da Vinci vor

Cover "Leonardo da Vinci" Kindermann-Verlag

Was nur fasziniert so an Leonardo da Vinci? Die Erzählung vom Genie? Die zahlreichen Erfindungen? Vielleicht ist es eben doch immer wieder seine Kunst. Seine Bilder, die vielen von uns unmittelbar vertraut sind, wenn wir sie sehen, einfach, weil sie ähnlich wie berühmte klassische Musikstücke so stark kanonisiert sind, dass sie uns immer wieder und überall begegnen. Dementsprechend ist auch gerade Leonardos Kunst die große Stärke der Biographie ab 8 Jahren, die Christine Schulz-Riess und Paolo Friz zu Leonardo da Vinci vorlegen. Der Band bildet den Auftakt zu einer kleinen Rezensionsserie (Folge 2 und Folge 3), die sich mit Texten befasst, die da Vinci jeweils für unterschiedliche Zielgruppen und mit verschiedenen Schwerpunkten vorstellen.

Bei dieser Biographie ist es ganz klar die Kunst, die im Vordergrund steht. Friz schafft in seinen Illustrationen eine wunderbare Hommage an Leonardos Stil, macht immer wieder Bildzitate und lässt uns das Arbeiten des Künstlers plastisch nachvollziehen und miterleben. Der Wiedererkennungseffekt ist hoch, die Illustrationen sind großformatig und laden zum Verweilen ein. Auch im Text wird immer wieder auf Leonardos Künstlerkarriere und seine Arbeitstechniken verwiesen. Wir erfahren zum Beispiel, dass er Ölfarben vorzog, jedoch den ein oder anderen Rückschlag bei der Anwendung einstecken musste, da die Technik noch nicht sonderlich erprobt und daher die Haltbarkeit der Farbe ein Problem war.

Geniekult und Kunst

Leonardo da Vinci wird uns somit als experimentierfreudiger, neugieriger Geist vorgestellt. Als ein Getriebener, der seinen Platz im Leben nie so richtig gefunden zu haben scheint. Für eine reine Biographie nähert sich der Erzähltext den Emotionen Leonardos sehr stark an, gibt immer wieder wörtliche Rede preis und lässt uns an seinen möglichen Gedanken teilhaben. Das führt einerseits dazu, dass das Buch für Kinder ab 8 Jahren sicherlich auch schon allein lesbar und interessant ist. Gleichzeitig rutscht der Text so oftmals ein wenig in Richtung einer Abteuergeschichte oder eben historischer Fiktion. Das wird noch dadurch verstärkt, als das Buch leider auch den Geniekult um Leonardo weiter fortschreibt. So erzählt Schulz-Riess, Leonardo habe beispielsweise das Fahrrad erfunden, obwohl mittlerweile recht eindeutig belegt ist, dass die Skizze eine Fälschung war. Auch andere Erfindungen werden aufgelistet, die jedoch überhaupt nicht funktionstüchtig waren (siehe dazu Matthias Eckoldt: Leonardos Erbe, Rezension in Folge 3).

Es ist ein bisschen schade, dass durch diese Überhöhung das eigentlich spannende an Leonardo, nämlich seine Zerrissenheit und Ambivalenz, seine Faszination für (bereits vorhandenes!) Wissen und seine Kunst, schnell Skizzen zu entwerfen und perspektivisch perfekt darzustellen, verloren geht. Als erster Einstieg ist „Leonardo da Vinci“ aber trotzdem zu empfehlen, auch und gerade wegen der großartigen Illustrationen!

Gestaltung 5/5
Sprache 5/5
Didaktik 3/5
weiterführende Tipps 0/5
Handlung 5/5

Christine Schul-Reiss (Text) / Paolo Friz (Illustration):Leonardo da Vinci. Berlin: Kindermann Verlag 2019 (Reihe: Kinder entdecken berühmte Leute). Ab 8 Jahren. ISBN 978-3-934029-75-0. € 18,00.

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