Wer, wenn nicht wir? Der Insel Verlag startet die „Little People, Big Dreams“-Reihe nun auch auf Deutsch

Cover Frida Kahlo aus der Little People Big Dreams-Reihe

Was braucht es, um Großes zu erreichen? Nicht viel, wenn wir der „Little People, Big Dreams“-Reihe glauben wollen. Vor allem braucht es dann nämlich Träume und die Zuversicht, diese erreichen zu können. Tiefer verborgen gibt es aber auch noch eine andere Botschaft: Vorbilder wären natürlich auch nicht schlecht. Und die stellt die Reihe, die der Insel Verlag dankenswerterweise nun ins Deutsche übersetzen lässt, uns Band für Band vor. Zwei der ersten sechs Titel, nämlich den Band zu Frida Kahlo sowie den zu Coco Chanel habe ich mir für diesen Blog genauer angeschaut.

Um ehrlich zu sein: Coco Chanel habe ich deshalb ausgewählt, weil es im Netz schon erste Diskussionen dazu gab, ob sie als Kollaborateurin der Nationalsozialistischen Besatzung in Frankreich überhaupt in diese Reihe aufgenommen werden dürfe. Auch und gerade, da unter den ersten Bänden auch der über Anne Frank zu finden ist. Ich war also auch ein wenig neugierig, wie mit Chanels Biographie umgegangen wird. Dazu gleich mehr.

Der Aufbau der Bände ist relativ ähnlich. Auf großzügig illustrierten Doppelseiten wird in jeweils zwei bis drei Sätzen etwas über die portraitierte Person geschildert, das Leben recht schnell vorangetrieben. Dabei steht im Mittelpunkt immer der große Traum, die große Errungenschaft der dargestellten Frau. Im Anschluss an die Geschichte folgt dann eine dichter beschriebene Doppelseite, die die Biographie mit Daten sowie kleinformatigen Fotografien versieht und weiter ergänzt.

Wer “darf” portraitiert werden?

Cover Coco Chanel aus der Little People, Big Dreams-Reihe

Während im Falle Chanels die Hauptgeschichte vor allem auf ihr Nähen anspielt, auf das Träumen von Mode ohne Korsett und von schlichter Eleganz, das nach und nach zur Wirklichkeit wird, erzählt die Doppelseite am Schluss von ihrer Freundschaft mit Nationalsozialisten. Insofern finde ich, dass hier etwas gelungen ist, das durchaus Wertschätzung verdient: Keine einfache Heldenverehrung, sondern die Darstellung einer Person in ihrer Ambivalenz. Gerade angesichts der Tatsache, dass vielen Leser*innen Chanel eben ausschließlich für ihre Mode- und Parfümkreationen bekannt sein dürfte, ist der Reihe doch zu danken, dass sie hier weitere Informationen liefert. – Die Welt ist eben nicht schwarz-weiß.

Und das schon gar nicht im Band zu Frida Kahlo. Es ist toll zu sehen, wie auch hier schwierige Momente kindgerecht aufgegriffen werden, etwa wenn es um die Ehe zwischen Kahlo und Diego Rivera. Ohne ins Detail zu gehen erzählt uns der Text, dass die Ehe eine schwierige war. Es wird nichts beschönigt und doch auch nichts zu komplex erzählt.

Illustrationen als Kern der Wissensvermittlung

Das besondere Highlight beider Bände sind für mich jedoch die Illustrationen: In beiden Darstellungen wird auf meisterhafte Weise die Welt der Frauen bildlich aufgegriffen, Chanels Design genauso wie Kahlos Bilderwelt spiegeln sich kraftvoll und ausdrucksstark auf den Doppelseiten ihrer Biographien. Besonders toll ist dabei, dass auf der letzten biographischen Doppelseite auch einige Fotos im Kleinformat abgedruckt sind, die die Parallelen und Bezüge der Illustrationen noch einmal hervortreten lassen.

Die „Little People, Big Dreams”-Reihe stellt uns starke Frauen in Einzelbänden vor. Dabei ist sie einerseits so komplexitätsreduzierend, dass die Bücher tatsächlich auch schon mit kleinen Kindern gelesen werden können. Auf der anderen Seite jedoch sind die Bücher so aufwändig und liebevoll gestaltet, dass auch für erwachsene Fans der jeweiligen Person diese Biographien wirklich lesens- und betrachtenswert sind! Die Reihe regt zum Nachdenken über Wirkmächtigkeiten und eigene Gestaltungsspielräume an. Historische Hintergründe liefert sie insgesamt eher weniger, auch Tipps zur weiteren Lektüre fehlen. Als Diskussionsanregung können diese Darstellungen aber auf jeden Fall dienen, denn ihnen ist anzumerken, wie viel Recherche hinter jeder einzelnen Seite steckt! – Und sie machen Mut, auch selbst den eigenen Träumen zu folgen. Wer also, wenn nicht wir?

Gestaltung 5/5
Sprache 5/5
Didaktik 3/5
weiterführende Tipps 0/5
Handlung 5/5

Ma Isabel Sánchez Vegara: Frida Kahlo. Illustriert von Gee Fan Eng. Aus dem Spanischen von Svenja Becker. Berlin: Insel Verlag 2019 (Reihe: Little People, Big Dreams). ISBN 978-3-458-17797-5. € 13,95.
Ma Isabel Sánchez Vegara: Frida Kahlo. Illustriert von Ana Albero. Aus dem Spanischen von Svenja Becker. Berlin: Insel Verlag 2019 (Reihe: Little People, Big Dreams). ISBN 978-3-458-17798-2. € 13,95.

Übrigens finde ich die “Little People, Big Dreams”-Reihe durchaus besser aufbereitet als die “Good Night Stories for Rebel Girls“. Auch wenn der Text extrem kurz und knapp ist, bietet ein ganzes Bilderbuch eben doch mehr Raum als eine einzige Textseite 😉 Umgekehrt haben die “Good Night Stories” dafür den Vorteil, dass sie eine noch stärkere Diversität bieten und auch Figuren aufgreifen, die vielleicht nicht allen Leser*innen schon bekannt sind.

Ein Gedanke zu „Wer, wenn nicht wir? Der Insel Verlag startet die „Little People, Big Dreams“-Reihe nun auch auf Deutsch“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.