Lustiges Taschenbuch History

Cover Lustiges Taschenbuch History 1Die Entenhausener*innen sind längst allgemeines Kulturgut geworden – egal, ob wir sie mögen oder nicht, wir kennen sie auf jeden Fall alle. Dass sich die Held*innen der Lustigen Taschenbücher in immer neue Kontexte wagen, mitunter sogar klassische literarische Stoffe adaptieren, ist dabei auch nichts Neues. Aber schaffen es die Lustigen Taschenbücher, Geschichtswissen zu transportieren? Die Antwort ist ganz klar: Jein. Für diese Rezension habe ich die ersten beiden Bände der „LTB History“-Reihe gelesen, die sich mit Frühgeschichte und der Antike auseinandersetzen.

Den Comics, die zu gut der Hälfte der Zusammenstellungen aus deutschen Erstveröffentlichungen bestehen, ist ganz zu Beginn des Bandes ein Zeitstrahl vorangestellt, der die historische Periode, die der Band abdeckt, in ihre Eckdaten einteilt. Angesicht der umspannten Jahrhunderte ist eine Doppelseite dafür natürlich reichlich knapp, der Fokus liegt auf Ereignissen, die auch in den Comics aufgegriffen werden. Besonders relevant sind dabei natürlich Dinge, die sich leicht mit Abenteuergeschichten verknüpfen lassen, etwa die Entstehung der sieben Weltwunder. Angenehm ist, dass schon hier eine ironische Ebene eingezogen wird, die die Verfremdung der historischen Ereignisse deutlich macht.

Cover LTB History 2Diese ironische Ebene spiegelt sich dann auch in den einzelnen Comics wieder, allen voran in den Goof-Geschichten, die sich in kurzen Episoden durch alle Bände ziehen und von Goofys Vorfahren und ihrem Erfindungsreichtum, sich bestimmten historischen Situationen anzupassen, berichten. Generell treffen wir in den meisten Comics Vorfahren oder Anverwandte der uns so bekannten Entenhausener Charaktere. Ausnahme bilden die Geschichten, in denen Goofy und Mickey mit der Zeitmaschine in die Vergangenheit reisen, um dort Vermutungen Professor Zapoteks zu verifizieren. Dass es hier weniger darum geht, historische Sachverhalte didaktisch geschickt zu vermitteln, mag die Reise nach Atlantis sein, die allerdings natürlich trotzdem in gewohnter LTB-Manier angenehme Abenteuer-Lektüre darstellt.

Buch als PharaoGerade im Frühgeschichte-Band kommen zudem einige Witze auf, in denen Akteur*innen selbst darauf anspielen, dass es das, was sie da gerade tun in ihrer Zeit eigentlich noch gar nicht gibt. Diese Verschränkung zeitlicher Ebenen ist einerseits witzig, andererseits aber auch anregend: Ab wann gab es denn beispielsweise das Rad? Und wie wurden Pyramiden tatsächlich gebaut?
Dadurch, dass die Geschichten immer wieder selbst darauf aufmerksam machen, dass das, was sie hier erzählen reines Abenteuer ist, und nur ab und an Hinweise auf tatsächliche historische Gegebenheiten (etwa durch Begriffserklärungen oder knappe Datierungen) geben, entsteht für LeserInnen eine angenehm große und klar artikulierte Lücke: Sie können die LTBs so lesen wie immer – als knappe Unterhaltungslektüre mit bekannten Charakteren samt zugehörigen Abenteuern. Oder sie können die Geschichten als Ausgangspunkt für weitere Reflexionen nehmen und sich auf die Suche nach Informationen etwa zum frühgeschichtlichen Babylon machen. Hilfestellung, wo die zu finden wäre, gibt es aber natürlich nicht – zweiterer Lektüreweg, der auch gerade das Verständnis für die zahlreichen augenzwinkernden Hinweise voraussetzt, ist daher wohl eher nur fortgeschritteneren LeserInnen offen.

Wer Lektüre für noch jüngere Leser*innen sucht, den Antiken Stoff aber mag, der sei auf die hier schon rezensierte “Julius Zebra”-Reihe verwiesen.

Lustiges Taschenbuch History. Band 1: Geheimnisse der Frühgeschichte, Berlin: ehapa 2014. Band 2: Antike, Berlin: ehapa 2014.

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