Autobiographisches Erzählen

Eva Erben schreibt über ihr Überleben der Judenverfolgung

Cover "Mich hat man vergessen"
c Gulliver / Beltz&Gelberg

Mich hat man vergessen“ ist ein dünnes Bändchen aus der Gulliver-Reihe. Das liegt daran, dass Eva Erben zunächst gar kein Buch schreiben wollte, sondern einen Vortrag für die Klasse ihres Sohnes vorbereitet hat. Sie wollte den Jugendlichen erzählen, wie sie die Judenverfolgung der Nationalsozialisten überlebt hat. Im Jugendbuch ab 12 Jahren erzählt sie ihre Geschichte noch ein wenig weiter. Überleben wird hier zum Weiterleben, trotz allem und allem zum Trotz.

Eva Erben wurde in der Tschechoslowakei geboren. Als die Deutschen das Land besetzten, lebte sie in Prag. Zunächst beschreibt das Buch ein glückliches Alltagsleben, doch dann wird die Familie nach Theresienstadt verschleppt. Immer wieder erzählt Erben von dem krassen Kontrast zwischen Verfolgung und Alltag, berichtet vom Wunsch nach Normalität und ein wenig Spaß und Ablenkung. 1944 wird sie mit ihrer Mutter nach Auschwitz deportiert, grausam lassen die Nazis sie glauben, dass sie dort ihren Vater wiedersehen würde. Doch beide Eltern wurden umgebracht.

Erben überlebt einen Todesmarsch und erfährt nach ihrem Entkommen sowohl Positives als auch Negatives. Oft hören Berichte über den Holocaust mit der Befreiung der Lager auf, doch gerade hier ist Eva Erbens Bericht anders und spannend. Nach einigen Wirren entscheidet sie sich selbst dafür, in ein Waisenhaus für jüdische Kinder in Prag zu ziehen. Dort ist sie nicht die einzige mit furchtbaren Erfahrungen und gemeinsam schaffen es die Jugendlichen, sich wieder ein Leben aufzubauen. Erben wandert schließlich mit ihrem Mann nach Israel aus.

„Mich hat man vergessen“ hat natürlich die Probleme aller Erinnerungsliteratur. – Was ist beschönt, was ausgelassen, weil zu schrecklich, was unbewusst verzerrt? Und doch ist dieses schmale Bändchen ein großer Lesegewinn, denn er schafft Nähe zu den Opfern der Shoa schlägt aber über den zweiten Teil der Geschichte zur jetzigen Zeit über, eben indem es nicht einfach den Nationalsozialismus als abgeschlossen abkapselt. So lässt sich auch über die traurigen Kontinuitäten des Antisemitismus diskutieren. Ein Nachwort von Mirjam Pressler sowie vereinzelte Fußnoten liefern noch weiteren Kontext. Als ergänzendes Lehrmaterial ist dieses Buch sicherlich ein Gewinn.

Eva Erben: Mich hat man vergessen. Erinnerungen eines jüdischen Mädchens. Aus dem Hebräischen von Nathan Jessen. Mit einem Nachwort von Mirjam Pressler. Beltz&Gelberg 2020. Ab 12 Jahre. ISBN 978-3-407-78956-3. €5,95.

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