Vom Ende des Abenteuers: Philip Kerrs “Friedrich, der große Detektiv”

Cover Friedrich, der große Detektiv

Der gesellschaftliche Konflikt, den Friedrich miterlebt, sitzt schon bei ihm zuhause am Küchentisch: Sein Bruder Rolf ist großer Anhänger der Nazis, sein Vater aber ist Journalist und viel in Künstlerkreisen unterwegs, die die Nationalsozialisten ablehnen. Abgesehen von den privaten Spannungen und dem Wissen, dass er manche Gegenden seines geliebten Berlins lieber meiden sollte, wenn er nicht in Straßenschlachten zwischen Kommunisten und Nazis hineingeraten will, hat Friedrich jedoch andere Sorgen: Er will Detektiv werden, genau wie sein Vorbild “Emil” aus Erich Kästners Roman. Und so zieht Philip Kerr uns in “Friedrich, der große Detektiv” nach und nach hinein in das Berlin der Machtergreifung und stellt ganz nebenher die Gewissensfragen: Was hätte Friedrich wissen und vor allen Dingen: Was hätte er tun können?

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Ein Baum als Mittler. Gottesfelds und McCartys „Anne Frank und der Baum“

Cover Anne Frank und der Baum

Bäume können faszinierende Gefährten sein, machen wir uns einmal bewusst, wie lange sie uns überdauern und was sie in ihrem Leben alles beobachten. Um genau diese Beobachtungen geht es im Kinderbuch „Anne Frank und der Baum“. Über die Geschichte des Baumes erzählen Jeff Gottesfeld und Peter McCarthy zugleich die Geschichte Anne Franks und ihrer Familie und machen ihr Schicksal schon für jüngere Kinder zugänglich, empfiehlt der Verlag das Kinderbuch doch schon ab 6 Jahren.

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Poesie der Einsamkeit: Gavriel Savits „Anna und der Schwalbenmann“

Cover "Anna und der Schwalbenmann"

Wie einem Kind das Grauen des Nationalsozialismus, überhaupt das Leid von Krieg und Mord, von menschlicher Grausamkeit erklären? Das heutige didaktische Problem überträgt Gavriel Savit in seinem Jugendbuch „Anna und der Schwalbenmann“ in den Text selbst. Wie einem kleinen Mädchen erklären, dass der Vater einfach verschwindet, weil die Nazis ihn als Angehörigen der intellektuellen Elite ermordet haben? Die Antwort, die dieser poetische Roman gibt, ist so bedrückend leicht wie erhaben schwer: Mit Geschichten. Gavriel Savit nimmt uns mit in die Zeit des Zweiten Weltkrieges und zeigt uns fernab der großen Städte und Straßen, inmitten der Einsamkeit der Wälder und Wanderwege umso eindrücklicher, wie existenziell bedrohlich der Mensch dem Menschen werden kann, wie einsam wir alle sind und wie schwer es ist, Mensch zu bleiben, trotz allem.

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Günter Grass als Kinderbuch: Elżbieta Pałasz (Text), Joanna Czaplewska, Katja Widelska (Illustration): Bucheckern, Bernstein, Brausepulver

Buchcover "Bucheckern, Bernstein, Brausepulver" über Günter Grass

Günter Grass hat viele Elemente seiner Danziger Kindheit in seinen literarischen Werken verarbeitet. Insofern mag es nicht überraschen, dass es Reiseführer zu Gdańsk gibt, die auf den Spuren Grass‘ wandern. Aber ein Bilderbuch darüber für Kinder ab 9 Jahren? Kann die Kindheit eines Literaturnobelpreisträgers auch Jüngere interessieren? Elżbieta Pałasz, Joanna Czaplewska und Katja Widelska haben gemeinsam versucht, in “Bucheckern, Bernstein, Brausepulver” Günter Grass‘ Kindheitsjahre zu erzählen.

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Bedrückendes Egodokument zur Leningrader Blockade. Lena Muchina: Lenas Tagebuch

Cover Lenas Tagebuch

Lenas Tagebuch” wird vom Verlag nicht explizit als Jugendbuch beworben, dennoch ist es natürlich nahe an einer jugendlichen Lebenswelt. Schließlich ist es die 16-jährige Lena, die uns hier mitnimmt in ihren Alltag, womit sie rund einen Monat vor Beginn der Einkesselung Leningrads durch die Wehrmacht beginnt. Das ist ein wahres Glück, denn so schlittern wir Leser*innen zusammen mit Lena in die Katastrophe der Leningrader Blockade, merken von Tag zu Tag, wie sich ihre Perspektive auf das Leben immer mehr verschiebt, bis am Ende nur noch eines wichtig ist: Essen!

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Zwei Diktaturen, eine Graphic Novel: Nieder mit Hitler! Von Jochen Voit und Hamed Eshrat

Cover "Nieder mit Hitler"

Geschichte spannend und gut aufbereitet zu erzählen, ohne ins Reißerische zu geraten, und zugleich noch ein Vorbild in Sachen Kooperation zwischen Uni und Gedenkstätte sein? Dass das geht zeigen Jochen Voit und Hamed Eshrat mit „Nieder mit Hitler! Oder warum Karl kein Radfahrer sein wollte“. Die Graphic Novel erzählt über Karl Metzners Leben im Nationalsozialismus und der DDR und Möglichkeiten und Folgen des Widerstands gegen totalitäre Regime.

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Abenteuer rund um die Leningrader Blockade: Verloren in Eis und Schnee von Davide Morosinotto

Cover "Verloren in Eis und Schnee"

Das Ende der Leningrader Blockade jährte sich gerade zum 75. Mal, in St. Petersburg wurde dem Anlass mit großer Militärparade gedacht (https://www.tagesschau.de/inland/leningrad-blockade-entschaedigung-101.html). Davon aber, wie die Belagerung der Stadt begann und die Zwillingsgeschwister Nadja und Viktor damit umgehen, handelt Davide Morosinottos Abenteuerroman “Verloren in Eis und Schnee“, der 2018 bei Thienemann erschienen ist und vom Verlag ab 12 Jahren empfohlen wird.

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“Am Anfang steht die Recherche”. Johannes Herwig im Interview über “Bis die Sterne zittern”

Portrait Johannes Herwig

Ich habe “Bis die Sterne zittern” ja schon sehr begeistert in diesem Blog gesprochen (zur Rezension geht es hier). Umso mehr habe ich mich gefreut, dass der Autor Johannes Herwig bereit war, mir ein Interview zu geben. Speziell wollte ich mehr darüber erfahren, wie er mit dem historischen Stoff umgegangen ist und wie er die Reaktionen seiner Leser*innen erlebt.

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Mehr Transparenz wagen: Neue Kategorien am Schluss

logo lies-geschichte.de

Weil meine Texte ja doch irgendwie immer länger werden, um, ach, möglichst gerecht zu sein und – bloß nicht – zu fies zu werten oder zu überspitzt zu urteilen (wo kämen wir da hin), habe ich mir jetzt überlegt, dass ich es euch beim Lesen noch ein bisschen leichter machen will. Also, die Texte bleiben lang und nennen Vor- und Nachteile, ABER ans Ende kommen jetzt ein paar Kategorien und Punte. Und zwar:

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Die Welt als Warenstrom: Peter Frankopans „Die Seidenstraßen. Eine Weltgeschichte für Kinder“

Cover Frankopan und Packer: Die Seidenstraßen

Der Elfenbeinturm der Historiker*innen, oft ist er schmal und hoch und einsam. Und dann gibt es doch immer wieder ein paar mutige, die sich irgendwie hinaus und hinunter schwingen, um mit anderen über das zu reden, was sie da tun. Peter Frankopan, Professor für Globalgeschichte an der Oxford University, ist das spätestens seit 2015 gut gelungen, als sein Buch „Silk Roads“ vom Daily Telegraph zum Geschichtsbuch des Jahres ernannt wurde. Auch die deutschen Feuilletons feierten die deutsche Übersetzung „Licht aus dem Osten“ (hier ein Link zur ZEIT). Noch ungewöhnlicher ist dann jedoch, dass Frankopan sich nicht zu schade ist, diese Weltgeschichte auch noch einmal für Kinder zu erzählen – und sich das Cover gleichsam am “Erwachsenenbuch” anlehnt. Es ist ein wundersames Buch zum Staunen geworden, nicht zuletzt dank der Illustrationen von Neil Packer. Vom Rowohlt Verlag wird „Die Seidenstraßen“ ab 10 Jahren empfohlen.

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