Ein Comic über Widerstand in Auschwitz

„Rapport W. Freiwillig als Häftling in Auschwitz“

c Splitter Verlag

Witold Pilecki lässt sich im September 1940 unter dem Tarnnamen Thomasz Serafínski in Auschwitz einschleusen. Über ein nach und nach aufgebautes Netzwerk gelingt es ihm, Nachrichten über das Lager nach außen zu schmuggeln und den polnischen Widerstand im Konzentrationslager aufzubauen. 2000 wurde sein Rapport in Polen veröffentlich, später in vielen anderen Ländern, darunter auch Deutschland und Frankreich. Gaétan Nocq setzte den Rapport W nun als Comic um. Er erfuhr über Isabelle Davion von den Aufzeichnungen. Die Historikerin hat die Entstehung des Comics wissenschaftlich begleitet und zudem ein ausführliches Nachwort verfasst.

Pilecki erzählt in seinem Rapport, wie das Lager, in dem zunächst vor allem Mitglieder der polnischen Elite interniert waren, nach und nach wuchs. Von Anfang an schildert er grausame Folter- und Vernichtungsmethoden, berichtet auch von den ersten Experimenten mit Gas. Es gelingt ihm, innerhalb des Lagers eine Struktur unterschiedlichster Widerstandszellen aufzubauen und dabei auch unterschiedliche politische Gruppen miteinander zu versöhnen. Doch er wartet vergeblich auf den Befehl zum aktiven Widerstand – scheinbar sind die Befehlshaber der geheimen Armee keineswegs von der Wichtigkeit der Befreiung Auschwitz‘ überzeugt. Als sein Überleben immer unwahrscheinlicher wird, flieht Pilecki 1943. Doch auch persönlich kann er nicht zu einem Angriff von außen auf das Lager überzeugen. Der Rittmeister ist später am Warschauer Aufstand beteiligt und geht nach dem Zweiten Weltkrieg erneut in den Widerstand – dieses Mal gegen das sozialistische Regime. 1948 wird er als „Volksfeind“ in Warschau erschossen und erst 1990 rehabilitiert.

Gaetan Nocq greift den Bericht Pileckis einfühlsam auf. Durch recht flächendeckende Farbgebungen unterstreicht er verschiedene Sphären, verlässt immer wieder die klassische Panelstruktur. Der Alltag des Lagerlebens wird genauso deutlich wie Pileckis Kindheit oder seine Ängste, Erinnerungen und Träume, die leitmotivisch mit Pferden dargestellt werden, war Pilecki doch ein Rittmeister. Ein wenig schade ist, dass weder der Text selbst noch das Nachwort die eigentliche Entstehung des Pilecki Rapports reflektieren, der eben eine nachträgliche Zusammenfassung der aus dem Lager geschickten Unterlagen ist. Dennoch ist dieser Comic-Band uneingeschränkt zu empfehlen – auf darstellerischer Ebene überzeugt die puristisch-durchdachte Farbgebung, auf inhaltlicher die akribische gemeinsame Recherche und zu guter Letzt die Einordnungshilfe durch das Nachwort sowie weitere Lektüreangaben.

Sprache 5/5
weiterführende Tipps 5/5
Didaktik 5/5
Gestaltung 5/5

Gaétan Nocq: Rapport W. Freiwillig als Häftling in Auschwitz. Historische Beratung und Nachwort von Isabelle Davion. Aus dem Französischen von Marcel LeComte. Splitter 2021. ISBN: 978-3-96219-134-4, €35.

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