Die Schultern, auf denen wir stehen.

Marta Breen und Jenny Jordahl lassen uns kämpfende Frauen feiern

Cover Rebellische Frauen von Marta Breen und Jenny Jordahl

Manchmal ist es gut, sich bewusst zu machen, wie weit wir schon gekommen sind, um daraus Kraft für die Zukunft zu schöpfen. Nach diesem Prinzip erzählen Marta Breen und Jenny Jordahl über „Rebellische Frauen“ und nehmen uns mit durch 150 Jahre Frauenbewegung (mit kleinem Ausflug in die griechische Antike). Was den beiden in ihrem Comic gelingt, ist eine verschmitzte und offene, die Missstände anprangernde Streitschrift über die Rechte von Frauen.

Die beiden norwegischen Autorinnen haben bereits früher feministische Comics zusammen veröffentlicht. Mit diesem geschichtlichen Rückblick liefern sie nun eine Hommage an Frauen, die für die Menschenrechte eingetreten sind. Dabei bringen die beiden uns auch wichtige Symbole der Frauenbewegung näher und zeigen parallele Entwicklungen, etwa der LGBTI-Rechte auf.

Geschichte der Frauenrechte divers erzählt

Die Episoden über diese einzelnen Themen, wie etwa Antisklaverei, Wahlrecht oder den Kampf um den eigenen Körper gehen relativ fließend ineinander über und erzählen sehr diverse Geschichten. Die kämpferischen Frauen sind nämlich keineswegs nur Westeuropäerinnen. Ganz im Gegenteil wird beispielsweise Harriet Tubman vorgestellt, die als Sklavin zur Welt kam und sich nach ihrer Flucht von einer Plantage für die Befreiung ihrer Leidensgenoss*innen einsetzte. Oder die iranische Dichterin Tahiri, die 1852 getötet wurde, weil sie für die Gleichberechtigung eintrat. Auch wird deutlich, wie sehr Bewegungen profitieren, wenn sie zusammenarbeiten. Die Aktivistin Margaret Sanger beispielsweise lernte das Diaphragma erst durch eine Reise nach Europa in den Niederlanden kennen – und konnte es von dort in die USA bringen. Zugleich machen diese und andere Kapitel immer wieder die Mechanismen der Unterdrückung, ob durch physische oder psychische Gewalt, deutlich.

Breen und Jordahl sind an solchen Stellen drastisch: Wir sehen, wie Tahiri erdrosselt wird. Auch die Erschießung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wird illustriert, genauso wie die Zwangsernährung der hungerstreikenden Suffragetten in England. Diese Geschichte ist ehrlich, wenn sie die Entbehrungen, die Opfer auf dem Weg zu mehr Gerechtigkeit klar aufzeigt. Zugleich zeichnen sie jedoch ein hoffnungsfrohes, inklusives Bild. So befreit sich im Fazit nicht nur die Frau aus den Fesseln ihrer Geschlechterrolle, sondern auch der Mann – perspektivisch. Breen und Jordahl entlassen uns mit einer Bestandsaufnahme, die deutlich macht: Es ist noch eine Menge zu tun. Aber wir können zuversichtlich sein, denn vieles ist schon geschafft, das wir uns nicht mehr nehmen lassen sollten!

Ein wenig schade bleibt, dass die beiden keine weiterführenden Tipps mitliefern. Ansonsten aber ist dieses Buch ein absolutes Juwel, denn es erzählt reflektiert und wertschätzend die Geschichten von Frauen, die bereit waren, für ihre Rechte einzustehen. Dieses Comic schärft den eigenen Blick auf unsere Privilegien und lässt uns dankbar und zugleich voller Tatendrang zurück. Es im Unterricht reflektierend und vergleichend zu lesen, dürfte ein großer Gewinn sein.

Gestaltung 5/5
Sprache 5/5
Didaktik 5/5
weiterführende Tipps 0/5
Handlung 5/5

Marta Breen (Text) / Jenny Jordahl (Illustration): Rebellische Frauen. Women in Battle. 150 Jahre Kampf für Freiheit, Gleichheit, Schwesterlichkeit. Aus dem Norwegischen von Nora Pröfrock. München: Elisabeth Sandmann Verlag 2019. ISBN 978-3-945543-65-8. € 25,00.

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