Herstory zum Mitmachen: Revolutionary Women – A book of stencils

Cover "Revolutionary Women. A Book of Stencils"

Zugegeben, dieses Buch über „Revolutionary Women“ richtet sich nicht explizit an Kinder oder Jugendliche, dennoch schien es mir angesichts des Hypes um die „Good Night Stories for Rebel Girls“ (Rezension auch schon hier im Blog) doch spannend, auch dieses Buch noch einmal anzuschauen, als es mir beim Aufräumen in die Hände fiel. Revolutionäre Frauen also – und weiter?

Zwischen „Revolutionary Women“ und „Good Night Stories for Rebel Girls” gibt es viele Parallelen. So bestehen die Bücher jeweils aus Kurzportraits, die Autorinnen setzen sich zudem klar zum Ziel, die Sichtbarkeit von Frauen zu erhöhen. Dennoch ist „Revolutionary Women“ in vielerlei Hinsicht aktivistischer. Zunächst einmal ist da der explizitere Zuschnitt. Während in den Good Night Stories Frauen aller Art vorgestellt werden, geht es hier tatsächlich um revolutionäre Ikonen. Ganz am Anfang stand dabei die Frage, warum eigentlich jeder das Konterfei von Che Guevara kennt, es jedoch keine weiblichen Ikonen der Revolution gibt. Das feministische Kollektiv „Queen of the Neighborhood“ begann daher 2005 in Neuseeland mit der Herausgabe eines Magazins, das Schablonen für die Portraits revolutionärer Frauen zur Verfügung stellte. Aus diesem Magazin entstand schließlich ein Buch, das übrigens auch ins Deutsche übersetzt wurde: http://www.edition-assemblage.de/buecher/revolutionaere-frauen/

Wertfreies Erzählen?

Die Frauen werden jeweils auf ungefähr zwei Seiten vorgestellt, wobei natürlich der Fokus auf der jeweiligen politischen Arbeit liegt. Es werden außerdem ein bis zwei einschlägige Zitate zur Verfügung gestellt und eben eine schematische Vorlage für ein nachzusprühendes/malendes/druckendes Portrait. Natürlich sind die Darstellungen von Rosa Luxemburg oder Brigitte Mohnhaupt dabei sehr knapp, so dass viele Fragen unbeantwortet bleiben, die Problematik von Gewalt wird nicht thematisiert. Interessant ist, dass relativ offen erzählt wird: Mohnhaupt beispielsweise wird als Revolutionärin gezeichnet, die Debatte um ihre Freilassung wird angerissen genauso wie die Tatsache, dass sie nie Reue über ihre Taten gezeigt hat, das wird jedoch nicht moralisch gewertet. Auf reiner Textebene bleiben so Deutungen den LeserInnen selbst überlassen, auch wenn die Auswahl in die Sammlung natürlich schon als Wertung an sich zu lesen ist.

Vergleichsmöglichkeiten

Zusätzlich zu den einzelnen Kapiteln wird den LeserInnen in diesem Band auch zu jedem Portrait eine kurze Liste der genutzten Informationsmaterialien angeboten. Insgesamt ist „Revolutionary Women“ daher vom Aufbau sehr viel partizipativer und aktivierender als die „Good Night Stories“. Die Auswahl der Protagonistinnen und die deutlichere Betonung einer Wichtigkeit von „herstory“ sind dabei allerdings weiter vom Mainstream entfernt. Für Geschichtslehrer*innen könnte es gerade spannend sein, Texte aus beiden Büchern explizit vergleichen zu lassen, um so die Wirkung von politischen Einstellungen auf unsere Erzählhaltung herauszuarbeiten.

ANMERKUNG: Ich wurde auf Twitter von @shmontses auf folgendes hingewiesen:

Das Buch porträtiert auch Leila Khaled, allerdings ohne ihren #Antisemitismus zu thematisieren. Sie war an mehreren Flugzeug-Entführungen beteiligt. Bei einer wurden alle nicht-israelischen Passagier_innen sofort freigelassen, nur die Israelis verblieben als Geiseln. https://t.co/iWcvFI54c4— Shmekeline 🐌 (@shmontses) January 11, 2019


https://twitter.com/shmontses/status/1083634530458783745

Queen of the Neighbourhood (Hrsg.): Revolutionary Women. A Book of Stencils. ISBN 9781604862003, $ 14,00. (für die deutsche Ausgabe siehe den Link oben)

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