Ein Heldinnencomic.

Kate Evans erzählt das Leben Rosa Luxemburgs als Graphic Novel

Cover "Rosa. Die Graphic Novel über Rosa Luxemburg" von Kate Evans
c Dietz / Kate Evans

Schon das Cover dieser liebevoll gestalteten Graphic Novel zieht in den Bann: Rosa Luxemburg im Profil, ihr Rücken, ihre Haare Schauplatz von Gewalt und Krieg. Ein so bewegtes Leben, ein so reger Kopf, eine so faszinierende Frau, die sich mutig für ihre Ideale einsetzte. Kate Evans hat ihr mit der Comic-Biographie “Rosa” ein Denkmal gesetzt.

„Liebevoll“ trifft es allerdings ganz gut. Evans lässt ihre Leser*innen keinen Moment lang im Zweifel, dass sie Luxemburgs Überzeugungen teilt und von ihrer Person begeistert ist. Dass die Graphic Novel von der Rosa Luxemburg-Stiftung gefördert wurde, überrascht da nur noch zum Teil. Evans folgt ihrer Heldin klassisch chronologisch von der Kindheit bis zur Ermordung und schlägt dann eine Brücke zur Jetztzeit, nur falls wir noch nicht begriffen haben sollten, wie relevant Rosa Luxemburgs Ideen und Überzeugungen auch heute noch sind.

Mutige Frau, verballhornte Gegner

Dabei gelingt es Evans, Luxemburg als starke und mutige Frau zu charakterisieren, als Menschen mit Fehlern und Schwächen, vor allem aber mit einem Überfluss an Ideen und Gedanken. Evans betont mehrfach, dass sie Rosa Luxemburg nicht auf ihre Beziehungen zu Männern reduzieren wolle, gleichwohl spielen diese im Buch eine große Rolle und dass Rosa trotz der sexuellen Beziehungen nicht schwanger wurde, wird gleich zweimal thematisiert. – Insofern wird Luxemburg wirklich in all ihren Facetten des Alltags geschildert, von Verhütungsfragen bis zu Passagen aus ihren Texten und Veröffentlichungen, die regelmäßig zitiert werden.
Angesichts der Konzentration des Stoffes, die ein Comic erfordert, ist das sehr gutes Erzählen. Zumal Evans im Anhang genau belegt, woher sie ihre Zitate und Informationen bezieht und wann sie kleine Änderungen an der Lebensgeschichte Luxemburgs vorgenommen hat, um sie für den Comic leichter erzählbar zu machen (vor allen Dingen geht es dabei um die Verschmelzung von Nebenfiguren).

Schade allerdings ist die extreme Reduzierung politischer Gegenspieler. Hier wird deutlich, wie stark diese Biographie auf der Seite Luxemburgs steht. Denn natürlich ist Kritik am Vorgehen Friedrich Eberts und Gustav Noskes mit der gewaltsamen Niederschlagung sozialistischer Aufstände angebracht. Ihn als machtgierigen und luxusgeilen Tölpel darzustellen, versperrt aber eigentlich den Blick auf die zentralere Diskussion: Ging Ebert zu weit in seinem Entgegenkommen zu den konservativen Kräften? Was wären Alternativen gewesen? Waren linksradikale Forderungen wie die Luxemburgs wirklich umsetzbar? So spannend und lesenswert dieses Comic also ist, gerade am Ende flacht es leider zu einer Art Fanbericht ab.

Weibliche Handlungsspielräume

Trotzdem sei diese Graphic Novel wärmstens empfohlen, denn sie verbindet kreative, künstlerische Darstellung mit intensiver Recherche und ersten inhaltlichen Einstiegen in das Denken einer Frau, die das 20. Jahrhundert prägte. Gerade weil Evans Luxemburgs Leben so umfassend darstellt, ist die Lektüre auch über das kommunistische Gedankengut hinaus eine Bereicherung zum Wissen über Gestaltungsspielräume und -möglichkeiten für Frauen zur Jahrhundertwende. Dieses Element wird etwa dann besonders stark, wenn Luxemburg, die wir ununterbrochen als politische Akteurin erleben, am 4. August 1914 mit ihrer Freundin Clara Zetkin vorm Reichstag steht und sich ärgert, sich nicht intensiver für das Frauenwahlrecht eingesetzt zu haben. – So konnte sie nur zuschauen, wie die SPD für den Weltkrieg stimmte. – Ein bewegtes, engagiertes inspirierendes Leben in seinen Höhen und Tiefen samt seinem gewaltsamen Ende: „Rosa“? Lesen!

Gestaltung 5/5
Sprache 4/5
Didaktik 2/5
weiterführende Tipps 5/5
Handlung 5/5

Kate Evans: Rosa. Die Graphic Novel über Rosa Luxemburg. Aus dem Englischen von Jan Ole Arps. Berlin: Dietz 2018 (2. Auflage). ISBN 978-3-320-02355-3. € 20.

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