Aline Sax/Ann de Bode: Das Mädchen und der Soldat

Cover Das Mädchen und der SoldatSchon 2014 war ein Jahr, das uns mit einer Flut von Literatur zum Ersten Weltkrieg überschwemmt hat und das Jubiläumsjahr 2018 steht dem in Nichts nach. Dementsprechend folgend hier noch einige Artikel mit passenden Büchern zum Thema, beginnen lassen will ich den Reigen jedoch mit einem Buch, das mir aufgrund seiner gelungenen Gestaltung und Erzählweise besonders am Herzen liegt, nämlich mit Aline Sax‘ „Das Mädchen und der Soldat“, 2016 bei Jacoby&Stuart erschienen und von Mirjam Pressler aus dem Niederländischen ins Deutsche übertragen.

Aline Sax und die Illustratorin des Bandes, Ann de Bode, haben den Text unter anderem auf der Leipziger Buchmesse 2016 vergestellt. Sax spricht deutsch und las auch selbst einige Passagen vor. Außerdem berichteten die beiden von der Entstehungsgeschichte des Buches. So erzählte Sax, sie sei zunächst von dem Vorschlag, Ann de Bode als Illustratorin für den Text zu gewinnen, schockiert gewesen, da sie nur recht bunte und knallige Arbeiten von ihr kannte. Ann de Bode umgekehrt fand es interessant, mal so ganz anders für ein Buch zu arbeiten. Sonst fertigt sie Bilder, wie sie in diesem Buch zu sehen sind, und die mit starken Kontrasten und überwiegend düsteren Tönen arbeiten, nämlich nur für sich selbst als Ausgleich zu den knallbunten Kinderbüchern an.
In der Tat ist den beiden für ihre Kooperation auch nur zu gratulieren, denn in diesem unheimlich ansprechend gestalteten Buch greifen Text und Bild atmosphärisch ineinander und schaffen so ein berührendes, nachdenklich stimmendes Gesamtkunstwerk.

Illustration Buch Erster WeltkriegWie vielleicht schon zu merken war, ist „Das Mädchen und der Soldat“ kein Sachbuch, sondern Fiktion, die sich jedoch eng an historischen Sachverhalten orientiert. Aline Sax, die in Antwerpen Geschichte studiert hat und auch weiter als Historikerin tätig ist, hat bereits zahlreiche historische Kinder- und Jugendromane veröffentlicht. Mit „Das Mädchen und der Soldat“ nun wollte sie gezielt eine etwas andere Perspektive auf den Ersten Weltkrieg eröffnen, denn der Soldat ist kein einfacher Soldat, sondern ein Afrikaner, der aufgrund der kolonialen Verstrickungen Belgiens in den Krieg gerät und sich nach seinem Zuhause sehnt, nach seiner Familie, seinem Leben. So recht kann er nicht begreifen, was er hier eigentlich tut in diesem fremden Land, diesem fremden Krieg.

Weil er es in den kurzen Erholungszeiten hinter der Front in der Baracke nicht aushält, läuft der Soldat durchs Dorf und lernt so ein blindes Mädchen kennen, das auf der Bank vor dem Wirtshaus ihrer Eltern sitzt. Ihr Vater ist auch im Krieg. Gegenseitig erzählen die beiden ungewöhnlichen Akteur*innen sich ihre Geschichten, spinnen ein Band des Vertrauens, doch dann verschwindet der Soldat eines Tages – und das Mädchen, das schon so lange auf den eigenen Vater warten musste und es nun nicht mehr erträgt, macht sich auf die Suche nach dem Soldaten.

Die Erzählung wechselt zwischen den Perspektiven der beiden Held*innen dieser Geschichte, was durch unterschiedliche Farben des Papiers gekennzeichnet ist. Die Sprache ist tastend und ruhig, zugleich nah am Elend des Krieges, an den Verlustängsten und der Furcht der Menschen. Hier reihen sich Ann de Bodes Illustrationen, mal ganze Doppelseiten, mal eher in Vignettenform, in den Ton des Buches ein. Mit dunklen Farben lässt sie Szenen aus dem Kriegsalltag sichtbar werden, marschierende Soldaten, ein panisches Pferd. Oft werden nur Ausschnitte einer Szene gezeigt, die sich umso eindrücklicher einprägen und Raum für das eigene Denken lassen. Dies ist auch ein Kernkennzeichen des Textes.

„Das Mädchen und der Soldat“ ist kein Sachbuch und natürlich werden Kinder oder Jugendliche hier kein enzyklopädisches Wissen über den Ersten Weltkrieg sammeln können. Gleichwohl erscheint der schmale Band als idealer Aufhänger für weitere Diskussionen und Recherchen und ließe sich prima in ein Schulprojekt integrieren, das fachübergreifend sowohl im Deutsch-, als auch im Geschichts- und Kunstunterricht angesiedelt ist. Gerade in seiner Reduziertheit macht der Text Lust darauf, mehr zu erfahren, auch weil durch den Soldaten eine etwas andere als die im „normalen“ Erinnerungsalltag bekannte Perspektive vermittelt wird. Als Lektüre zum Ersten Weltkrieg, ja, zu Krieg überhaupt absolut empfehlenswert. Der Verlag empfiehlt keine Altersgruppe, tatsächlich ist des Buch aufgrund der starken künstlerischen Umsetzung sicherlich für sehr unterschiedliche Altersgruppen unter verschiedenen Aspekten nutzbar.

Aline Sax (Text) / Ann de Bode (Illustrationen) : Das Mädchen und der Soldat. Jacoby&Stuart 2016. ISBN 978-3941787704 . € 14,95.

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