Sibylla Schwarz, Dichterin des Barock

Max Baitingers Comicbiographie „Sibylla“

Cover "Sibylla"
c Reprodukt

Wie wird eine 1621 geborene Frau zur Dichterin? Was bedeutet weibliches Schreiben und das in Zeiten des Krieges? Max Baitinger erzählt Sibylla Schwarz‘ Leben in seinem Comic „Sibylla“ bildlich-poetisch auf der Metaebene.

Eine kurze Zusammenfassung der Biographie ist im Anhang angefügt, gleichwohl könnte mehr Kontextwissen über das Leben der Dichterin helfen, die Graphic Novel besser zu verstehen. Ich wusste beispielsweise (peinlich und traurig, aber wahr) gar nichts über die Sibylla Schwarz. Baitingers Bilder in Kombination mit ausgedachten Dialogen sowie Originalzitaten aus ihrer Lyrik machen aber definitiv neugierig auf mehr Wissen.

Was sich aus der Graphic Novel selbst ziehen lässt: Wir haben es hier mit einer Frau zu tun, die in widrigen Zeiten selbstbewusst und mutig zur Feder greift und sicherlich nicht den üblichen Rollenbildern ihrer Zeit entspricht, sondern diesen schreibend ganz bewusst entflieht. Der Kontext der Flucht vor dem Dreißigjährigen Krieg aus Greifswald auf das Landgut Frätow wird erst im Nachwort deutlich. Das zweite Lesen hat sich dann umso mehr gelohnt. Überhaupt sind Bilder und Text so spielerisch gesetzt und gleichzeitig so bedeutungsdicht, dass sich das immer wieder Anschauen definitiv lohnt!

Wer Lust auf Künstler*innenbiographien und Reflexion der Darstellung von historischen Persönlichkeiten in der Kunst hat, findet hier ein tolles Beispiel, wie sehr frei und doch sehr nah an einer Person, über die wenig bekannt ist, erzählt werden kann. Wenn die Graphic Novel zudem dazu beiträgt, eine leider viel zu sehr ins Vergessene geratene Künstlerin wieder in den Fokus zu rücken, wäre das sicher ein toller Verdienst!

Sprache 5/5
weiterführende Tipps 0/5
Gestaltung 5/5

Max Baitinger: Sibylla. Reprodukt 2021. ISBN: 978-3-95640-281-4, €24.

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