Als Kind im Frohndienst

„Starkes Ding“ von Lika Nüssli

Cover "Starkes Ding"
c Edition Moderne

Starkes Ding“ ist eines dieser Bücher, die in meinem Kopf mit einigen Vorurteilen aufgeräumt haben. Zugegebenermaßen habe ich mich nie besonders intensiv mit der Schweizer Geschichte auseinandergesetzt und ich trage das übliche Klischee des Wohlstandes mit mir herum. Lika Nüssli jedoch erzählt in „Starkes Ding“ die Geschichte ihres Vaters, der als Kind auf einem anderen Hof leben und arbeiten musste, um so zur Ernährung der Familie beizutragen.

Der kleine Ernst ist ein Träumer – am allerliebsten lässt er die Hühner auf dem kleinen Hof seiner Eltern fliegen, packt aber ansonsten hart mit an, um den Hof zu bewirtschaften. Dennoch wird er fortgeschickt, als ein Mann auf den Hof kommt und nach einer helfenden Hand fragt. Die Eltern sind froh, mit dem kargen Land ein Kind weniger durchfüttern zu müssen, schicken später auch noch eine der Töchter weg.

Ernst leidet unter Heimweh genauso wie unter der lieblosen Behandlung durch die neuen Arbeitgeber*innen, die keinerlei Ambitionen haben, eine Art Zieheltern zu werden. Zum Spielen nach der Schule hat Ernst keine Zeit, muss schnell zurück zum Dienstherrn rennen und selbst dann leistet er nach dem Geschmack der Erwachsenen noch nicht genug.

Lika Nüssli zeigt mit dicken Strichen wie sich Ernst in eine Fantasiewelt flüchtet, um seine Situation zu ertragen. Sie illustriert die harte Arbeit, das eng getaktete Leben, den Verlust von Kindheit und Spiel, die beide immer nur kurz wieder aufblitzen. „Starkes Ding“ erzählt von der Widerstandskraft des Kindes, aber auch davon, wie wir mit Kindern umgehen, wie sie uns ausgeliefert sind. Ein bewegendes, tolles Buch, das auf künstlerischer wie historischer Ebene zahlreiche Denkanstöße liefert.

Sprache 5/5
weiterführende Tipps 0/5
Gestaltung 5/5

Lika Nüssli: Starkes Ding. [Ab 12 Jahren]. ISBN: 978-3-03731-227-8, €29.

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