Aus Tschechien in die BRD

Martin Dolejš erinnert sich in „Im Land der weißen Schokolade“

Cover "Im Land der weißen Schokolade"
c Magellan

Martin ist hin- und hergerissen. Zwischen seinen Kumpels und seinem Schwarm. Zwischen Cool-Sein-Wollen, aber irgendwie nicht-Mutig-Genug-Sein – so weit, so normal jugendlich. Aber in Martins Fall liegt die Sache noch ein bisschen komplizierter. Denn Martin lebt in der Tschechoslowakei im Jahr 1980 und seine Eltern haben ihm soeben verkündet, dass sie fliehen möchten. Martin Dolejš berichtet in „Im Land der weißen Schokolade“ für Menschen ab 11 Jahren autobiografisch über die Flucht in „den Westen“. Der Spannungsbogen dabei ist gigantisch, denn gleich im ersten Kapitel erfahren wir, dass der ursprüngliche Plan an der Grenze komplett schief geht – um dann in eine Rückblende zu geraten, die uns zurück in die Tschechoslowakei bringt.

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Die Menschheit als liebenswertes Kuriosum

„Wie hat Ihnen das Anthropozän bis jetzt gefallen?“ von John Green

Cover "Wie hat Ihnen das Anthopozän bis jetzt gefallen?"
c Hanser

Was bedeutet das Dasein der Menschheit für diesen Planeten? Was bedeuten einzelne Erfindungen, Gedanken, Verhaltensweisen? Das Menschenzeitalter, was ist das eigentlich? John Green blickt in „Wie hat Ihnen das Anthropozän bis jetzt gefallen?“ in Essays auf die Menschheitsgeschichte und wer John Green kennt, weiß, dass sich dabei Kurzweil und Tiefsinn aufs Beste ergänzen.

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Erwachsenwerden durch Abschiede

Karin Bruders „Zusammen allein“

Cover "Zusammen allein"
c Reihe Hanser

Rumänien Ende der 80er Jahre – das sozialistische System wird zunehmend brüchig, jedoch keineswegs weniger brutal. Immer mehr Menschen stellen Ausreiseanträge. Unter ihnen auch Agnes‘ Eltern. In „Zusammen allein“ erzählt Karin Bruder vom Alltag in der Ceaușescu-Diktatur, vor allem aber von der Frage: Was macht das Leben in ständiger Anpassung mit den Menschen?

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Die Welt der Kaufhäuser Anfang des 20. Jahrhunderts

„Émile in Berlin“ von Thilo Krapp

c Gerstenberg

Émile reist mit seiner Mutter nach Berlin – Verwandtschaftsbesuch. Doch die Mutter hat auch noch andere Pläne: Unter anderem will sie das gerade erst eröffnete Kaufhaus Wertheim an der Leipziger Straße besuchen. Émile kommt mit, bedingt sich aber aus, in dem Kaufpalast auf eigene Entdeckungstour gehen zu dürfen. Und so erzählt „Émile in Berlin“ für Menschen ab 8 Jahren von der Welt der Kaufhäuser in der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert.

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Träume, Ängste, Alltagsfreuden

„Hübendrüben“ macht Ost und West knallbunt vergleichbar

Cover Hübendrüben
c Klett Kinderbuch

Hübendrüben“ wird als “ultimativ witziges” Erzählbilderbuch beworben und hat tatsächlich einiges zu bieten. Cousin Max wohnt im Westen, Cousine Maja im Osten und wir dürfen in diesem Kinderbuch ab 7 Jahren von Franziska Gehm und Horst Klein, das im Klett Kinderbuchverlag erschienen ist, lernen, was genau das eigentlich bedeutet.

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Die Mischung macht’s: „Erik der Wikingerjunge“ zwischen Fiktion und Sachbuch

Cover Erik der Wikingerjunge Schwieger und Steimann

„Wikinger“ sind in der popkulturellen Erinnerungslandschaft gefühlt omnipräsent. Kaum ein skandinavischer Ort in Küstennähe, in dem nicht Wikingertouren aller Art gebucht werden können – gerne auch mit behorntem Helm auf dem Kopf. Genau bei solchen Vorstellungen holt uns Autor Frank Schwieger ab und lädt dazu ein, unsere bisherigen Ideen von den Wikingerinnen zu hinterfragen. Mit „Erik der Wikingerjunge“ wählen Schwieger und die Illustratorin Janna Steimann den Weg zwischen Fiktion und Sachbuch und richten sich an Kinder ab 8 Jahren.

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Der Erste Weltkrieg als Ende des Bürgertums: Herbert Günthers „Zeit der großen Worte“

Cover "Zeit der großen Worte" von Herbert Günther

Ein wenig braucht es, bis „Zeit der großen Worte“ einen packt. Zu sperrig die Kriegsbegeisterung im Kopf, zu salbadernd die Worte, bis klar wird: Paul teilt die Ansichten nicht, doch so richtig weiß er noch nicht, wie damit umzugehen ist, wie er den Sprachungetümen der Propaganda eine eigene Stimme entgegensetzen soll. Wie der Kriegsbegeisterung des Bruders begegnen, wie der Heldensehnsucht des Vaters, die sich beide direkt als Freiwillige melden, um im Ersten Weltkrieg zu dienen? Herbert Günther gelingt es, Pauls Erwachsenwerden in Zeiten des Krieges, die Propaganda der (Vor-)Kriegszeit, Alltag und große Politik miteinander zu verschmelzen. Und ihm nach und nach eine eigene Stimme zu schenken. Der Erste Weltkrieg wird zum Epochenumbruch – in Pauls Leben genauso wie in der europäischen Geschichte.

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Bedrückendes Egodokument zur Leningrader Blockade. Lena Muchina: Lenas Tagebuch

Cover Lenas Tagebuch

Lenas Tagebuch” wird vom Verlag nicht explizit als Jugendbuch beworben, dennoch ist es natürlich nahe an einer jugendlichen Lebenswelt. Schließlich ist es die 16-jährige Lena, die uns hier mitnimmt in ihren Alltag, womit sie rund einen Monat vor Beginn der Einkesselung Leningrads durch die Wehrmacht beginnt. Das ist ein wahres Glück, denn so schlittern wir Leser*innen zusammen mit Lena in die Katastrophe der Leningrader Blockade, merken von Tag zu Tag, wie sich ihre Perspektive auf das Leben immer mehr verschiebt, bis am Ende nur noch eines wichtig ist: Essen!

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Brodersen/Stern: Eine Erdbeere für Hitler

Cover eine Erdbeere für HitlerKinder- und Jugendliteratur über den Nationalsozialismus gibt es reichlich – mal mit mehr, mal mit weniger moralisch erhobenem Zeigefinger. „Eine Erdbeere für Hitler“ (ab 10 Jahre) wird daher sicherlich nicht das letzte Buch zu diesem Thema sein, dass ich hier rezensieren werde. Die Herangehensweisen bei der Darstellung des Nationalsozialismus und des Holocaust sind dabei vollkommen unterschiedlich. Eines der bekanntesten fiktiven Werke der letzten Jahre dürfte von „The Boy in the Striped Pyjamas“ von John Boyne sein, das ja auch verfilmt wurde. Hier wird in der Fiktion bewusst eine vollkommen naiv-kindliche Perspektive gewählt, die die Schrecken der Konzentrationslager durch die Kontrastierung von zwei Jungenleben dies- und jenseits der Grenze des Stacheldrahts umso grausamer erfahrbar werden lässt. Brodersen/Stern: Eine Erdbeere für Hitler weiterlesen