Fußball als Hintergrundfolie der deutsch-deutschen Geschichte

Ein Interview mit Philippe Collin

Cover "Das Spiel der Brüder Werner"
c Splitter Verlag

Nach längerer Zeit gibt es endlich mal wieder ein Interview. Philippe Collins zweiter Comicband „Das Spiel der Brüder Werner“ ist gerade frisch erschienen und er hat sich die Zeit genommen, mir ein paar Fragen zu seinem Rechercheweg und seiner Arbeit zu beantworten. Vorab aber einige Worte zum Buch: Der Band setzt mit den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs ein und zeigt zwei auf sich allein gestellte Brüder. Die Waisen Konrad und Andreas landen eher zufällig in Leipzig und geraten dort – aus Not und Erpressbarkeit heraus – in den Rekrutierungsfängen der Stasi.

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Demokratie feiern – Demokrat*innen feiern

„Das Parlament. 45 Leben für die Demokratie“

Cover "Das Parlament"
c bpb

In Zeiten von Demos, die mit Demokratieliebe wirklich kaum noch etwas zu tun haben, gleichzeitig das Recht der freien Meinungsäußerung jedoch merkwürdig verquer und einseitig nach oben halten, scheinen Bücher wie dieses umso dankens- und lesenswerter. Simon Schwartz hat in „Das Parlament“ 45 biographische Kurzportraits von Menschen versammelt, die sich für die parlamentarische Demokratie in Deutschland eingesetzt haben.

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Ein richtig echtes Wendebuch, nur ohne Wende

„Das Mauerschweinchen“ erzählt Kindheit im geteilten Berlin

Cover "Das Mauerschweinchen"
c cbj

Wie ist das eigentlich, in einer geteilten Stadt aufzuwachsen? Katja Ludwigs Protagonist*innen kriegen das aus allernächster Nähe mit. Denn Aron und Nora wohnen auf der Wolliner Straße, die von der Mauer geteilt wird. Während Nora vom Westen auf die Mauer schaut und ständig neue Witze auf die Betonwände gesprüht sieht, ist Aron im Osten zuhause und blickt auf einen Hochsicherheitsapparat.

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Ein klassisches Vexierspiel und die Absurdität der Mauer

Helen Endemanns „Todesstreifen“

Cover "Todesstreifen" von Helen Endemann
c rowohlt rotfuchs

Zugegeben, es braucht ein bisschen, bis Helen Endemanns Geschichte rund um Marc und Ben und das geteilte Berlin Fahrt aufnimmt. Das liegt vor allem daran, dass sie ihren Leser*innen ab 13 erst einmal jede Menge Hintergrundwissen mitgeben will, das leicht enzyklopädisch mitgegeben wird. Aber nach den ersten beiden Kapiteln von „Todesstreifen“ nimmt die Story rasend an Tempo auf und wird ein richtiger Thriller: Werden am Ende sowohl Ben als auch Marc es schaffen, dem repressiven System der DDR zu entkommen?

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Träume, Ängste, Alltagsfreuden

„Hübendrüben“ macht Ost und West knallbunt vergleichbar

Cover Hübendrüben
c Klett Kinderbuch

Hübendrüben“ wird als “ultimativ witziges” Erzählbilderbuch beworben und hat tatsächlich einiges zu bieten. Cousin Max wohnt im Westen, Cousine Maja im Osten und wir dürfen in diesem Kinderbuch ab 7 Jahren von Franziska Gehm und Horst Klein, das im Klett Kinderbuchverlag erschienen ist, lernen, was genau das eigentlich bedeutet.

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Deutsche Geschichte mit Zeitzeug*innen

„Mein Mauerfall“ erzählt die Nachkriegsgeschichte

Cover - Mein Mauerfall
c arsEdition

Erst der Untertitel „Von der Teilung Deutschlands bis heute“ setzt „Mein Mauerfall“ ins richtige Bild, denn um den geht es wirklich nur am Rande. Stattdessen erzählt Juliane Breinl in diesem Kinderbuch ab 10 Jahren von der Vor- und Nachgeschichte des Mauerfalls und nimmt direkt Bezug auf das 30-jährige Jubiläum. Wie schon bei „Mein Opa, sein Holzbein und der große Krieg“ und „Paul und der Krieg“ setzt arsEdition hier auf Quellennähe. Leider ist die Geschichte aber weniger persönlich umgesetzt und verliert sich so im Spagat zwischen verschiedenen Ebenen.

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Beste Freunde, perfektes Chaos und der Wert der Freiheit

Matthias Friedrich Mueckes „Niemandsland“

Cover Matthias Friedrich Muecke: Niemandsland
c Kunstanstifter

Dass da ein großes Drama auf uns zukommt, ahnen wir von der ersten Seite von „Niemandsland. Erinnerungen an eine Kindheit“, in der der Erzähler von seinem besten Freund Frank und ihren gemeinsamen Abenteuern im Ostberlin der 1960er und 1970er Jahre erzählt. Trotzdem ist die Lektüre an vielen Stellen erheiternd, überraschend, erfrischend. „Niemandsland“ ist kein Lamento-Roman, keine DDR-Nostalgie. Matthias Friedrich Muecke beschreibt, wie Kindheit in der DDR funktionierte, wie das Anpassen dazu gehörte, wann es scheiterte.

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Brieffreundschaft im geteilten Berlin: “Mauerpost”

Cover "Mauerpost"
c cbj

Es ist eine Konstellation, die die Irrwitzigkeit des geteilten Berlins auf Alltagsbasis vor Augen führt: Eine Fünfzehnjärige auf der einen Seite der Mauer. Im Osten Berlins wachsen in ihr die Zweifel an dem System, in dem sie lebt. Da vermittelt die nette Oma Ursel aus ihrem Haus ihr eine Brieffreundschaft nach Westberlin. Ihre Brieffreundin, die dreizehnjährige Ines, ist die Enkelin von Ursel und hat ihre Oma noch nie im Leben gesehen. Erst ist es nur der Reiz des Anderen, der die Mädchen schreiben lässt. Doch schnell merken die beiden, dass sie sich viel mehr zu sagen haben. „Mauerpost“ vereint ihre Geschichte vom geteilten Berlin.

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„Ich denke mir ja nicht ein Raumschiff aus, das irgendwo landet.“

Autorin Dorit Linke im Interview

Gedenktafel Grenzübergang Berlin "Hier waren Deutschland und Europa bis zum 10. November 1989 um 0:32 Uhr geteilt."
c Dorit Linke

Zum Jubiläumsjahr der friedlichen Revolution darf das Thema auch in der Kinder- und Jugendliteratur natürlich nicht fehlen. Zwei Romane zum Thema habe ich hier schon mit besonderer Begeisterung besprochen – „Jenseits der blauen Grenze“ und „Wir sehen uns im Westen“ von Dorit Linke. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass sie Zeit und Lust hatte, mir ein Interview zu geben. In dem Gespräch geht es wie so oft hier im Blog um die Grenzen von Fiktion und „Realität“, aber auch um das Verhältnis von Jugendlichen heute zur DDR.

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Eine Welt aus den Fugen

Dorit Linkes „Wir sehen uns im Westen“

Cover "Wir sehen uns im Westen" von Dorit Linke

Das Jubiläumsjahr 2019 sorgt dafür, dass jeder Kinder- und Jugendbuchverlag, der etwas auf sich hält ein „Wendebuch“ bringt (guckt euch dazu auch mal das Interview mit der Geschichtsdidaktikerin Dr. Rox-Helmer an, hier im Blog). Neueste Geschichte für Jugendliche erzählt – „Grenzgänger“ zum Beispiel habe ich hier schon besprochen, andere Projekte aus dieser Zeit folgen noch. Es gibt aber natürlich auch Autor*innen, die sich jenseits von Trends sowieso schon mit dem Thema Ost- und Westdeutschland auseinandersetzen. Eine davon ist Dorit Linke, deren „Jenseits der blauen Grenze“ ich hier schon begeistert besprochen habe. Mit „Wir sehen uns im Westen“ hat sie nun ein kurzes und knappes Juwel zum 9. November 1989 geschaffen.

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