Kinderrettung in Zeiten des Krieges

„Nicky und Vera“ von Peter Sís

Cover "Nicky & Vera"
c Gerstenberg

Die Willkür von Leben und Tod ist manchmal so banal wie erschütternd. In „Nicky und Vera“ wird sie besonders deutlich. Peter Sís erzählt vom jungen Nicholas Winston, der 1938 fast 700 jüdische Kinder aus Tschechien rettete. Das Bilderbuch funktioniert vor allem deshalb gut, weil Sís auf mehreren Ebenen erzählt und von Anfang an erklärt, warum er die Geschichte relevant findet. So an die Hand genommen ist „Nicky und Vera. Ein stiller Held des Holocaust und die Kinder, die er rettete“ ein tolles Buch für Menschen ab 5 Jahren, um sich mit diesem Teil der Geschichte auseinanderzusetzen.

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Technikbegeisterung und Gigantismus

„Mit Volldampf über den Atlantik“ von David Macaulay

Cover "Mit Volldampf über den Atlantik"
c Gerstenberg

David Macaulay bettet seine Geschichte der Dampfschifffahrt in eine persönliche Erzählung ein: Als kleiner Junge reiste er mit dem Dampfschiff „United States“ von England in die USA, wo sein Vater einen neuen Job antrat. Es ist dieser persönliche, kindliche Blick, die eigene (Technik-)Begeisterung, die diesem liebevoll gestalteten Buch besonderen Reiz verleihen. „Mit Volldampf über den Atlantik. Dampfmaschinen, schnelle Schiffe und eine Reise in die Neue Welt“ ist vom Verlag für Menschen ab 8 Jahren empfohlen.

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Faszination Schmetterling

“Maria Sibylla Merian” von Maja Nielsen und Sophie Schmid

Cover "Maria Sibylla Merian"
c Gerstenberg

Frauen als Naturforscherinnen? Dass es das schon vor Jane Goodall gab, dürfte nur wenigen bekannt sein. Und dann geht es hier auch noch um Insekten – da quietschen Mädchen normalerweise doch nur! Was ich sagen will: Maja Nielsens und Sophie Schmids “Maria Sibylla Merian. Die Reise ins verborgene Reich der Schmetterlinge” ist ein rundum tolles Buch – ein feministischer Appell für Natur- und Artenschutz.

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Tanzen als Widerstand

“Swing High” von Cornelia Franz

Cover "Swing High" von Cornelia Franz
c Gerstenberg

Henri liebt England, hat Freund*innen dort, findet das Nationale klein und eng und spießig. Doch der 16-jährige lebt im Hamburg des Nationalsozialismus und es herrscht Krieg mit Großbritannien. Wohin mit der Wut auf all die Engstirnigkeit? Henri findet Trost im Jazz. Doch Cornelia Franz erzählt in “Swing High. Tanzen gegen den Sturm“, wie genau die Liebe zur Musik für Henri zum noch größeren Problem wird.

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Ein Gangster-Roman vom allerfeinsten

„Die erstaunlichen Abenteuer des Aaron Broom“

Cover "Die erstaunlichen Abenteuer des Aaron Broom"
c Gerstenberg

Ein wenig erinnert „Die erstaunlichen Abenteuer des Aaron Broom“ an Emil und die Detektive oder ähnliche Geschichten, nur amerikanisch ist es natürlich und ein wenig ruppiger geht es zu, denn hier gibt es echte Leichen. Denn der zwölfjährige Aaron Broom muss seinen Vater in St. Louis vor dem Gefängnis retten und deckt dabei maffiöse Strukturen auf.

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Geschichte im hyperrealen Bilderbuch

Lena Zeises „Balto und Togo“

Cover "Balto und Togo"
c Gerstenberg

Balto und Togo, die diesem Bilderbuch den Namen geben, sind nur zwei der über 100 Hunde, die 1925 in der Stadt Nome, Alaska, viele Menschen vor dem Tod retteten. Lena Zeise berichtet hier im großen Panorama für Menschen ab 8 Jahren, wie die Hundeschlittenstaffel das Antitoxin bis in die Peripherie brachte.

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Die Welt der Kaufhäuser Anfang des 20. Jahrhunderts

„Émile in Berlin“ von Thilo Krapp

c Gerstenberg

Émile reist mit seiner Mutter nach Berlin – Verwandtschaftsbesuch. Doch die Mutter hat auch noch andere Pläne: Unter anderem will sie das gerade erst eröffnete Kaufhaus Wertheim an der Leipziger Straße besuchen. Émile kommt mit, bedingt sich aber aus, in dem Kaufpalast auf eigene Entdeckungstour gehen zu dürfen. Und so erzählt „Émile in Berlin“ für Menschen ab 8 Jahren von der Welt der Kaufhäuser in der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert.

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Zufallsfund Vergangenheit

Maja Nielsen verwebt in „Tatort Eden 1919“ gestern und heute

Cover "Tatort Eden 1919"
c Gerstenberg

Biko kann seinen großen Traum erfüllen: Er ist als Quereinsteiger in die Berliner Artist*innenschule aufgenommen worden. Voller Vorfreude fährt er nach Berlin. Es ist der Sommer 2015. Der Berliner Hauptbahnhof ist nicht nur wuselig wie immer, es kommen auch viele Geflüchtete an. Biko wird wegen seiner Hautfarbe fälschlicherweise auch für einen unbegleiteten Minderjährigen gehalten und schafft es nicht recht, sich der Situation zu entziehen. Auch weil er seine Helferin Lizzie so ausgesprochen sympathisch findet, dass er kein Wort herausbekommt. Dies ist die Ebene der Gegenwart, doch schon bald geht es in die Vergangenheit: Da gibt es nämlich in der Schule einen alten Koffer, der eigentlich nur ein Requisit sein soll, Biko und seine Mitschüler*innen aber schon bald in den Bann Rosa Luxemburgs und an den “Tatort Eden 1919” zieht.

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Mir ging es darum, sie zu kennen

Wilma Geldof über ihre Recherche zu „Reden ist Verrat“, Wahrheit und historische Jugendliteratur

Portrait Wilma Geldof
Wilma Geldof

Vor einiger Zeit habe ich hier im Blog Wilma Geldofs „Reden ist Verrat“ besprochen. Das Buch setzt sich mit Freddie Oversteegens Geschichte als aktives Mitglied des niederländischen Widerstands gegen die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg auseinander. Ich mochte den Roman unglaublich gerne und bin darum sehr dankbar, dass Wilma Geldof mir einige Fragen zu ihrem Rechercheweg beantwortet hat.

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Schrift, Schreiben, LESEN

„Es steht geschrieben“ von Vitali Konstantinov

Cover "Es steht geschrieben"
c Gerstenberg

Für die meisten von uns ist Lesen eine absolute Alltagspraktik. Wie dankbar wir für diesen Automatismus sein können und wie wenig selbstverständlich er ist, merken wir, wenn wir auf Reisen plötzlich vor fremden Buchstaben stehen – oder im Archiv per Sütterlin geschriebene Briefe entziffern müssen. Den Zauber und die Geschichte von Schriften hat Vitali Konstantinov in „Es steht geschrieben“ zusammengetragen und macht uns das Wunder des Schreibens dadurch bewusster.

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