Eine Welt aus den Fugen

Dorit Linkes „Wir sehen uns im Westen“

Cover "Wir sehen uns im Westen" von Dorit Linke

Das Jubiläumsjahr 2019 sorgt dafür, dass jeder Kinder- und Jugendbuchverlag, der etwas auf sich hält ein „Wendebuch“ bringt (guckt euch dazu auch mal das Interview mit der Geschichtsdidaktikerin Dr. Rox-Helmer an, hier im Blog). Neueste Geschichte für Jugendliche erzählt – „Grenzgänger“ zum Beispiel habe ich hier schon besprochen, andere Projekte aus dieser Zeit folgen noch. Es gibt aber natürlich auch Autor*innen, die sich jenseits von Trends sowieso schon mit dem Thema Ost- und Westdeutschland auseinandersetzen. Eine davon ist Dorit Linke, deren „Jenseits der blauen Grenze“ ich hier schon begeistert besprochen habe. Mit „Wir sehen uns im Westen“ hat sie nun ein kurzes und knappes Juwel zum 9. November 1989 geschaffen.

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History-Mystery- Schmöker-Hurra:

Emma Carrolls „Nacht über Frost Hollow Hall“ und „Das Geheimnis der roten Schatulle“

Cover Nacht über Frost Hollow Hall (Emma Carroll)
c Thienemann Verlag / Verena Körting

Im Interview mit Katharina Ebinger hatte die Programmleiterin von Thienemann erzählt, dass vor allem die historischen Schmöker von Emma Carroll gut laufen. Da konnte ich natürlich nicht widerstehen. Hier kommt jetzt also eine Sammelrezension von „Nacht über Frost Hollow Hall“ und „Das Geheimnis der roten Schatulle“. – Eins sei gleich schonmal gesagt: Carroll liebt offensichtlich düstere Familiengeheimnisse.

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Anderssein, Glücklichwerden: Familienleben im England des frühen 20. Jahrhunderts

Cover Rindert Kromhout Brüder für Immer Mixtvision
Cover: Brüder für immer c Mixtvision

„Adel verpflichtet“ heißt es so schön. Aber Kreativität nicht auch? Überhaupt: Familie? Wie ob und warum wir uns aus den Schatten unserer Verwandten befreien können oder wollen, darum geht es in diesen beiden großartigen Romanen von Rindert Kromhout. Der Niederländer setzt sich mit der Bloomsbury Groop, zu deren bekanntesten Mitgliedern wohl Virginia Woolf zählt, auseinander und zwar aus Perspektive der Kinder dieser berühmten, kreativen, freien Menschen. Dabei stellt er einerseits ganz zentrale Fragen, etwa danach, was Liebe oder Freiheit für jeden Einzelnen von uns bedeuten. Nebenher schildert er das Leben im frühen 20. Jahrhundert. Die zeitgeschichtlichen Verwerfungen, den Krieg.

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Zwischen Ideologie und Kriegsrealität: „Paul und der Krieg“ erzählt vom Erwachsenwerden im Zweiten Weltkrieg

Cover "Paul und der Krieg" - Collage aus Fotos von Paul Haentjes

In diesem Blog habe ich schon das unheimlich tolle „Mein Opa, sein Holzbein und der Große Krieg“ von arsEdition vorgestellt. Ganz ähnlich wie Nikolaus Nützel sich mit der Geschichte seines Großvaters auseinandersetzte, schaut Dorothee Haentjes-Holländer in „Paul und der Krieg“ auf die Geschichte ihres Vaters und erzählt, wie Paul Haentjes den Zweiten Weltkrieg er- und überlebte. Das Buch wird von arsEdition ab 12 Jahren empfohlen und stellt einfühlsam und vielschichtig das Erwachsenwerden im Krieg dar. Gleichzeitig ist es eine Familiengeschichte – und bietet damit Chancen genauso wie Probleme.

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Neue Perspektive für historische Themen

Filip Kolek (Reprodukt/avant) über Geschichtliches im Comic für Kinder und Jugendliche

Zeichnung Filip Kolek. © Anne Becker
Filip Kolek bei der Arbeit. © Anne Becker

Vor einiger Zeit habe ich hier im Blog „Nieder mit Hitler!“ von Jochen Voit und Hamed Eshrat vorgestellt (hier geht’s zur Rezension). Das Buch ist im avant-Verlag erschienen und ich wollte gerne wissen, wie bei einem Verlag, der auf Comics spezialisiert ist, generell mit historischen Themen umgegangen wird. Filip Kolek ist seit 2012 für die Öffentlichkeitsarbeit von Reprodukt und avant zuständig und hat mir einen kleinen Einblick in die Verlagsarbeits- und Comic-Welt gewährt.

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Widerstand mal anders – Johannes Herwig: Bis die Sterne zittern

Cover Bis die Sterne zittern

Irgendwann dämpfen wir diese Fragen in uns, haben vielleicht Narrative gefunden, die sie möglicherweise beantworten: Wer bin ich? Wie soll mein Leben aussehen? Zu wem will ich gehören? Aber in der Jugend sind diese Fragen sehr präsent. Johannes Herwig nutzt für seinen Debütroman einen historischen Stoff, um sich ihnen zu nähern: In „Bis die Sterne zittern“ portraitiert er die Leipziger Meuten, Jugendgruppen, die sich in den 1930er Jahren dem Beitritt in die Hitlerjugend erwehrten. Das Jugendbuch, das vom Verlag ab 14 Jahren empfohlen wird, war 2018 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

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Wolfgang Korn: Karl Marx. Ein radikaler Denker

Cover Karl MarxZum 200. Geburtstag von Karl Marx am 5. Mai 2018 hat der Hanser Verlag eine Biographie für Leser*innen ab 14 Jahren über den Mann mit Rauschebart herausgebracht und bewirbt sie als „ideale Vertiefung und Ergänzung des Geschichtsunterrichts“. Aber wie genau die Biographie eines der einflussreichsten Denker des 19. und 20. Jahrhunderts so schreiben, dass sie für Jugendliche tatsächlich interessant ist?

Wolfgang Korn hat sich dazu entschieden, einen Weg zu gehen, der die jugendlichen Leser*innen ernst nimmt. Wolfgang Korn: Karl Marx. Ein radikaler Denker weiterlesen

Brodersen/Stern: Eine Erdbeere für Hitler

Cover eine Erdbeere für HitlerKinder- und Jugendliteratur über den Nationalsozialismus gibt es reichlich – mal mit mehr, mal mit weniger moralisch erhobenem Zeigefinger. „Eine Erdbeere für Hitler“ (ab 10 Jahre) wird daher sicherlich nicht das letzte Buch zu diesem Thema sein, dass ich hier rezensieren werde. Die Herangehensweisen bei der Darstellung des Nationalsozialismus und des Holocaust sind dabei vollkommen unterschiedlich. Eines der bekanntesten fiktiven Werke der letzten Jahre dürfte von „The Boy in the Striped Pyjamas“ von John Boyne sein, das ja auch verfilmt wurde. Hier wird in der Fiktion bewusst eine vollkommen naiv-kindliche Perspektive gewählt, die die Schrecken der Konzentrationslager durch die Kontrastierung von zwei Jungenleben dies- und jenseits der Grenze des Stacheldrahts umso grausamer erfahrbar werden lässt. Brodersen/Stern: Eine Erdbeere für Hitler weiterlesen

Nikolaus Nützel: Mein Opa, sein Holzbein und der Große Krieg

Cover von Nützels Mein Großvater, sein Holzbein und der Große Krieg“Was der Erste Weltkrieg mit uns zu tun hat” – Die Frage, die Nikolaus Nützel mit seinem Untertitel für dieses sehr persönlich geschriebene Sachbuch zum Ersten Weltkrieg aufwirft, zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Text. In kurzen thematischen Blöcken, etwa zum Kampf auf dem Meer oder aber zu den revolutionären Umbrüchen im Kontext des Ersten Weltkrieges, stellt Nützel seinen Leser*innen ein facettenreiches und umfassendes Bild des Ersten Weltkrieges vor, das immer wieder auf mentalitätsgeschichtliche Kontinuitäten hinausläuft: So betont er die Bedeutung des Ersten Weltkriegs für die Radikalisierung der Bevölkerung und die Entstehung des nationalsozialistischen Deutschlands. Nikolaus Nützel: Mein Opa, sein Holzbein und der Große Krieg weiterlesen

Aline Sax/Ann de Bode: Das Mädchen und der Soldat

Cover Das Mädchen und der SoldatSchon 2014 war ein Jahr, das uns mit einer Flut von Literatur zum Ersten Weltkrieg überschwemmt hat und das Jubiläumsjahr 2018 steht dem in Nichts nach. Dementsprechend folgend hier noch einige Artikel mit passenden Büchern zum Thema, beginnen lassen will ich den Reigen jedoch mit einem Buch, das mir aufgrund seiner gelungenen Gestaltung und Erzählweise besonders am Herzen liegt, nämlich mit Aline Sax‘ „Das Mädchen und der Soldat“, 2016 bei Jacoby&Stuart erschienen und von Mirjam Pressler aus dem Niederländischen ins Deutsche übertragen.

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