Die Mauer als Brücke. Aline Sax legt mit „Grenzgänger“ eine Familiensaga zum geteilten Berlin vor

Coverbild "Grenzgänger" von Aline Sax

Dass die Mauer als Brücke fungiert, stimmt natürlich nur auf Ebene des Plots. Das Bollwerk zwischen Ost- und Westberlin spaltet scharf die Leben der Familie Niemöller, wirkt wie eine offene Wunde in den Biographien der Protagonist*innen und ist der rote Faden, der die Geschichten in „Grenzgänger“ miteinander verknüpft, denn Aline Sax erzählt auf mehreren Zeitebenen für Jugendliche ab 14 Jahren vom Leben im Unrechtssystem der DDR.

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„Wir fanden das absolut zumutbar“ – Lektorin Katharina Ebinger im Interview

Die Anglistin Katharina Ebinger ist seit 2014 Programmleiterin für die Verlage Thienemann, Gabriel und Aladin.

Vor einiger Zeit habe ich hier im Blog „Verloren in Eis und Schnee“ von Davide Morosinotto (Thienemann) vorgestellt. Ich fand das Buch auch deshalb außergewöhnlich für den Kinder- und Jugendbuchmarkt, weil es den Zweiten Weltkrieg aus Sicht sowjetischer Kinder aus Leningrad darstellt und nicht aus deutscher Perspektive. Grund genug, beim Thienemann-Verlag nachzufragen, wie dort mit historischen Themen umgegangen wird. Von Verlagsentscheidungen, Lektoratserfahrungen und historischen Themen auf dem deutschen Kinder- und Jugendbuchmarkt erzählt Katharina Ebinger im Interview.

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Wahre Geschichte schonend erzählt: Helen Bates „Peter in Gefahr“

Cover Peter in Gefahr

Was bedeutet es, als jüdisches Kind im Budapest des Zweiten Weltkriegs aufzuwachsen? „Peter in Gefahr. Mut und Hoffnung im Zweiten Weltkrieg“ beantwortet diese Frage, ohne sie offen zu stellen. Helen Bate erzählt in diesem Kinderbuch ab 7 Jahren, das eigentlich eher eine Graphic Novel ist, aus Perspektive Peters vom Überleben des Holocausts in Verstecken. Sehr Vieles bleibt dabei Unausgesprochen – Stärke und Schwäche des Buches zugleich.

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Ein Baum als Mittler. Gottesfelds und McCartys „Anne Frank und der Baum“

Cover Anne Frank und der Baum

Bäume können faszinierende Gefährten sein, machen wir uns einmal bewusst, wie lange sie uns überdauern und was sie in ihrem Leben alles beobachten. Um genau diese Beobachtungen geht es im Kinderbuch „Anne Frank und der Baum“. Über die Geschichte des Baumes erzählen Jeff Gottesfeld und Peter McCarthy zugleich die Geschichte Anne Franks und ihrer Familie und machen ihr Schicksal schon für jüngere Kinder zugänglich, empfiehlt der Verlag das Kinderbuch doch schon ab 6 Jahren.

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Poesie der Einsamkeit: Gavriel Savits „Anna und der Schwalbenmann“

Cover "Anna und der Schwalbenmann"

Wie einem Kind das Grauen des Nationalsozialismus, überhaupt das Leid von Krieg und Mord, von menschlicher Grausamkeit erklären? Das heutige didaktische Problem überträgt Gavriel Savit in seinem Jugendbuch „Anna und der Schwalbenmann“ in den Text selbst. Wie einem kleinen Mädchen erklären, dass der Vater einfach verschwindet, weil die Nazis ihn als Angehörigen der intellektuellen Elite ermordet haben? Die Antwort, die dieser poetische Roman gibt, ist so bedrückend leicht wie erhaben schwer: Mit Geschichten. Gavriel Savit nimmt uns mit in die Zeit des Zweiten Weltkrieges und zeigt uns fernab der großen Städte und Straßen, inmitten der Einsamkeit der Wälder und Wanderwege umso eindrücklicher, wie existenziell bedrohlich der Mensch dem Menschen werden kann, wie einsam wir alle sind und wie schwer es ist, Mensch zu bleiben, trotz allem.

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Günter Grass als Kinderbuch: Elżbieta Pałasz (Text), Joanna Czaplewska, Katja Widelska (Illustration): Bucheckern, Bernstein, Brausepulver

Buchcover "Bucheckern, Bernstein, Brausepulver" über Günter Grass

Günter Grass hat viele Elemente seiner Danziger Kindheit in seinen literarischen Werken verarbeitet. Insofern mag es nicht überraschen, dass es Reiseführer zu Gdańsk gibt, die auf den Spuren Grass‘ wandern. Aber ein Bilderbuch darüber für Kinder ab 9 Jahren? Kann die Kindheit eines Literaturnobelpreisträgers auch Jüngere interessieren? Elżbieta Pałasz, Joanna Czaplewska und Katja Widelska haben gemeinsam versucht, in “Bucheckern, Bernstein, Brausepulver” Günter Grass‘ Kindheitsjahre zu erzählen.

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Bedrückendes Egodokument zur Leningrader Blockade. Lena Muchina: Lenas Tagebuch

Cover Lenas Tagebuch

Lenas Tagebuch” wird vom Verlag nicht explizit als Jugendbuch beworben, dennoch ist es natürlich nahe an einer jugendlichen Lebenswelt. Schließlich ist es die 16-jährige Lena, die uns hier mitnimmt in ihren Alltag, womit sie rund einen Monat vor Beginn der Einkesselung Leningrads durch die Wehrmacht beginnt. Das ist ein wahres Glück, denn so schlittern wir Leser*innen zusammen mit Lena in die Katastrophe der Leningrader Blockade, merken von Tag zu Tag, wie sich ihre Perspektive auf das Leben immer mehr verschiebt, bis am Ende nur noch eines wichtig ist: Essen!

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Abenteuer rund um die Leningrader Blockade: Verloren in Eis und Schnee von Davide Morosinotto

Cover "Verloren in Eis und Schnee"

Das Ende der Leningrader Blockade jährte sich gerade zum 75. Mal, in St. Petersburg wurde dem Anlass mit großer Militärparade gedacht (https://www.tagesschau.de/inland/leningrad-blockade-entschaedigung-101.html). Davon aber, wie die Belagerung der Stadt begann und die Zwillingsgeschwister Nadja und Viktor damit umgehen, handelt Davide Morosinottos Abenteuerroman “Verloren in Eis und Schnee“, der 2018 bei Thienemann erschienen ist und vom Verlag ab 12 Jahren empfohlen wird.

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Brodersen/Stern: Eine Erdbeere für Hitler

Cover eine Erdbeere für HitlerKinder- und Jugendliteratur über den Nationalsozialismus gibt es reichlich – mal mit mehr, mal mit weniger moralisch erhobenem Zeigefinger. „Eine Erdbeere für Hitler“ (ab 10 Jahre) wird daher sicherlich nicht das letzte Buch zu diesem Thema sein, dass ich hier rezensieren werde. Die Herangehensweisen bei der Darstellung des Nationalsozialismus und des Holocaust sind dabei vollkommen unterschiedlich. Eines der bekanntesten fiktiven Werke der letzten Jahre dürfte von „The Boy in the Striped Pyjamas“ von John Boyne sein, das ja auch verfilmt wurde. Hier wird in der Fiktion bewusst eine vollkommen naiv-kindliche Perspektive gewählt, die die Schrecken der Konzentrationslager durch die Kontrastierung von zwei Jungenleben dies- und jenseits der Grenze des Stacheldrahts umso grausamer erfahrbar werden lässt. Brodersen/Stern: Eine Erdbeere für Hitler weiterlesen

Manfred Mai: Deutsche Geschichte

Cover Manfred Mai: Deutsche GeschichteManfred Mais „Deutsche Geschichte“, die 1999 zum ersten Mal erschien und von der Presse hochgelobt wurde, ist ein durch und durch ambitioniertes Projekt. Der Autor fasst auf gut 200 Seiten kombiniert mit sehr vereinzelten Illustrationen die Geschichte Deutschlands seit den Germanen zusammen. Das entstandene Werk wird vom Verlag für Jugendliche ab 12 Jahren empfohlen. Manfred Mai: Deutsche Geschichte weiterlesen