Torben Kuhlmann: Lindbergh / Armstrong / Edison – Mäuseabenteuer und Technikgeschichte

Cover EdisonPassend zum #Vorlesetag kommt hier eine Rezension, die vielleicht auf den ersten Blick nur so halb in diesen Blog passt. Torben Kuhlmann ist seit einigen Jahren einer der Stars der deutschen Illustrationswelt, gleich seine Abschlussarbeit an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg im Studiengang Illustration und Kommunikationsdesign „Lindbergh. Die Geschichte einer fliegenden Maus“ wurde bei NordSüd für Kinder ab fünf Jahren verlegt und machte ihn schlagartig bekannt. Das Erfolgsrezept seiner Bücher, die ich hier als ersten Kontakt mit Technikgeschichte empfehlen möchte, ist dabei so einfach wie kompliziert: Perfekte Illustrationen treffen hier auf spannende Abenteuer und tatsächlich ist jeder Seite, jedem einzelnen Strich, Kuhlmanns eigene Faszination für technische Innovationen und Abenteurertum anzumerken.

Gerade ist der dritte Band der Mäuseabenteuer erschienen, die sich zwar im Aufbau ähnlich sind, trotzdem nicht redundant werden und in sich geschlossen einzeln gelesen werden können. Los ging es mit Lindbergh. Hier träumt eine Maus vom Fliegen und ist die erste, die es letztlich schafft, den Atlantik im Cover Torben Kuhlmanns ArmstrongFlugzeug zu überqueren. In Armstrong geht es sodann, Überraschung, um die Reise zum Mond. „Edison“ als dritter Band führt einige neue Elemente ein. So treffen wir erstens den Mondreisenden aus Band 2 wieder und lernen zweitens tatsächlich den Namen unseres Helden kennen. Außerdem findet zwar wieder eine Abenteuerreise statt, nämlich auf den Meeresgrund, aber dieses Mal ist nicht die Reise an sich und die Entwicklung des entsprechenden Vehikels das Zentrale. Die Mäuse haben ein konkretes Ziel, sie suchen einen verlorenen Schatz in einem Schiffswrack. Und dieser stellt sich als bedeutende Erfindung heraus.

Mehr soll hier nicht verraten werden, im Kern lässt es ja auch schon der Buchtitel erahnen. Mir geht es eher darum, zu beschreiben, warum die Texte als Kontakt zur Technikgeschichte gelesen werden können. Kuhlmann beschreibt zwar in sich geschlossene Abenteuer, wobei er Text und Illustrationen so harmonisch ineinander verwebt, dass sie einander ergänzen und sich gegenseitig die Handlungsstränge zuspielen, so das einmal das eine, dann wieder das andere Element die Handlung vorantreibt. Am Ende seiner Geschichten aber setzt er sie in Relation zu den tatsächlichen Entwicklungen und Erfindungen und zeichnet deren Entstehung nach, wobei er auch wichtige Persönlichkeiten und Erfinder Cover Torben Kuhlmanns Lindbergvorstellt. Auch und gerade, weil dieser Teil der Bücher nur wenige Seiten erfasst, zugleich aber Kuhlmanns Faszination und Begeisterung für diese Welt zu spüren ist, macht der Anhang Lust auf mehr Recherche. Insofern verschränken die Mäuseabenteuer Technikgeschichte im allerbesten Sinne mit Abenteuer- und Heldengeschichten, deren Stärke natürlich auch in den kleinen, unterschätzten Protagonisten liegt, die in sich selbst den Mut finden, ihren Weg zu gehen. Technik ist hier also nicht rein funktionell zu begreifen, es geht nicht primär darum, wie ein Flugzeug funktioniert. Vielmehr erzählt Kuhlmann, wie bestimmte Erfindungen unseren Blick auf die Welt verändert haben. Technikgeschichte als Kulturgeschichte also gewissermaßen. Und das alles so wunderbar vermittelt, dass das von-vorne-Blättern ganz von alleine geschieht.

Torben Kuhlmann: Lindberg. Die abenteuerliche Geschichte einer fliegenden Maus. NordSüd 2014.
Torben Kuhlmann: Armstrong. Die abenteuerliche Reise einer Maus zum Mond. NordSüd.
Torben Kuhlmann: Edison. Das Rätsel des verschollenen Mäuseschatzes. NordSüd 2019.

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