Treffen sich zwei Geschichtenverliebte

„Tru und Nelle“ von G. Neri

Cover Tru&Nelle
c Freies Geistesleben

Was tun in den ländlichen Südstaaten der 1930er Jahre? Zu schick angezogen und irgendwie fehl am Platze? Für viele hätte es wohl ein wahres Drama werden können, doch Truman Capote, Tru, hat Glück: Eines Tages taucht da ein verschrobenes Mädchen auf, das eher wie ein Junge zu sein scheint: Nelle. G. Neri erzählt in „Tru und Nelle“ die Kindheit und Freundschaft von Truman Capote und Nelle Harper Lee.

Es dauert ein bisschen, bis Tru und Nelle begreifen, dass sie nicht nur zueinander passen, weil sie anders sind als die Kleinstadtwelt um sie herum. Sie beide lieben das Erzählen von Geschichten und das Aufdecken von Kriminalfällen – klar, schließlich sind sie ziemliche Fans von Sherlock Holmes.

Frühes Schreiben und der schmale Grat zwischen Fantasie und Lüge

G. Neris Geschichte um die beiden Literaturtalente ist stark auf das Schreiben ausgerichtet. Es gelingt ihm gleichzeitig, die Atmosphäre, die Erwachsenen aus Harper Lees „Wer die Nachtigall stört“ oder Capotes „Grasharfe“ vertraut ist, aufzurufen und kindgerecht zu erzählen. Bedrohliches kommt genauso vor wie verschrobene Charaktere. Die Eltern, die eigentlich kaum in der Lage sind, sich vernünftig zu kümmern. Und all die anderen Erwachsenen, die einspringen und da sind und Liebe schenken, die andernorts fehlt.

Die Südstaaten und der Rassismus

Eine wichtige Rolle spielt als Subtext der Rassismus der Südstaaten. Hier ließe sich über weitere Recherche noch inhaltlich tiefer gehen. Lesetipps werden leider nicht gegeben, wohl aber gibt es ein Glossar, dass Begriffe wie das N-Wort zeitlich und inhaltlich verortet. Angriffe des Ku-Klux-Klans werden so beängstigend geschildert, dass die Bedrohlichkeit dieses Menschenbildes sofort deutlich wird. Diese aus dem Buch aufgenommene Stimmung reflektieren aufzunehmen und mit Fakten zu unterfüttern, wäre die Aufgabe einer tieferen Beschäftigung mit Zeit und Stoff.

Im Nachwort erklärt Neri, wie es mit der Freundschaft der beiden weiter ging – dass Capote Lee beispielsweise ihren Erfolg neidete. Vor allem aber berichtet Neri, dass er zwischen Fakt und Fiktion geschwankt habe, genau wie Truman und Nelle es in der ganzen Geschichte tun. Diese Transparenz tut dem Buch gut. Es ist ein toller Aufhänger, um Literaturgeschichte, Kreativität, Schreiben an sich zu reflektieren, nicht nur für Kinder ab 9 Jahren!

Gestaltung 5/5
Sprache 5/5
weiterführende Tipps 2/5
Handlung 5/5

G. Neri: Tru und Nelle. Eine Geschichte über die Freundschaft von Truman Capote und Nelle Harper Lee. Aus dem Englischen von Sylvia Bieker und Henriette Zeltner. Ab 9 Jahren. Verlag Freies Geistesleben 2020. ISBN 978-3-7725-2927-6, €18.

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