Weihnachtskulturgeschichte: Brigitte Weninger (Text), Julie Wintz-Litty (Illustrationen): „Stille Nacht“. Ein Lied geht um die Welt

Cover Stille Nacht

Es gibt Weihnachtslieder, die sind nur regional bekannt. Oder nur bestimmten Generationen. Und dann wiederum gibt es Weihnachtslieder, die selbst die größten Weihnachtshasser*innen noch kennen. Und dazu gehört „Stille Nacht“ ganz sicher. Legendär sind die Geschichten, in denen in den Schützengräben des Ersten Weltkrieges dieses Lied in den jeweiligen Muttersprachen gemeinsam gesungen wurde (eine sehr schöne Reportage zum Thema hat de correspondent letztes Jahr veröffentlicht). Der eigentlichen Herkunft des Liedes aber geht Brigitte Weninger in „Stille Nacht. Ein Lied geht um die Welt“, das in diesem Jahr bei NordSüd erschienen ist, nach.

Das Kinderbuch ab 4 Jahren ist dabei nicht als Sachbuch aufgebaut, sondern erzählt die Geschichte von „Stille Nacht“ eher wie eine Heldengeschichte, wenn sie beschreibt, wie die Freunde Josef Mohr, seines Zeichens Pfarrer und Autor des Textes, und Franz Xaver Gruber, Lehrer und der Komponist der so bekannten Melodie, gemeinsam aus der Not eine Tugend machen und 1818 ein ganz besonderes Weihnachtslied schreiben, weil die Orgel in der Kirche in Laufen-Oberndorf kaputt gegangen war.

Identifikationsfiguren dabei sind die beiden kleinen Kinder Lukas und Lisa, die allerdings frei erfunden sind. Im Anhang jedoch, wo auch die beiden eigentlichen Helden vorgestellt werden, wird deutlich gemacht, dass Lukas und Lisa zwar fiktiv sind, aber zugleich für alle Kinder stehen. Wie pathosgetragen der gesamte Text dabei mitunter wirkt, mag folgender Satz in der Vorstellung der beiden: „Denn wer einem Kind hilft, hilft der ganzen Welt!“ – Wer also keine Lust auf ein wenig weihnachtliches Hochgefühl hat, der ist hier falsch, diejenigen aber, die „Stille Nacht“ als Lied lieben, werden auch von den sehr stimmungsvollen Aquarellen Julie Wintz-Littys begeistert sein.

Nachdem im Hauptteil des Buches dargestellt wird, wie „Stille Nacht“ entstand, wird anschließend berichtet, wie sich das Lied weiter verbreitete, um zum Abschluss in Kurzvorstellungen der Hauptcharaktere die Grenze zwischen Fiktion und Vergangenheit zu ziehen. Dabei wird deutlich, dass die geschilderten Szenen letztlich eine Version des „Wie es hätte gewesen sein können“ sind, die sich an einzelnen bekannten Fakten orientiert. In diesem Rahmen wird etwa der Vulkanausbruch des Tambora 1815 thematisiert, der als Begründung für die Armut und schwierige Versorgungslage 1818 dient.

Insgesamt ist „Stille Nacht. Ein Lied geht um die Welt“ letztlich ein Buch für echte Weihnachtsfans, die Pathos und eher klassische Aquarellillustrationen zu schätzen wissen. Ein wenig historisches Wissen gibt es dann noch dazu.

Brigitte Weninger (Text), Julie Wintz-Litty (Illustrationen): „Stille Nacht“. Ein Lied geht um die Welt. NordSüd Verlag 2018. Ab 4 Jahren. ISBN 978-3-314-10445-9 , EUR 15,00.

“Stille Nacht” von Brigitte Weninger, illustriert von Julie Wintz-Litty © 2018 NordSüd Verlag AG, Zürich/Schweiz

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