Hunde und wir

“Eine Weltgeschichte in 50 Hunden” von Mackenzi Lee

Cover "Eine Weltgeschichte in 50 Hunden"
c Suhrkamp

An diesem Buch konnte ich natürlich nicht vorbei gehen – es geht um Hunde, es geht um Geschichte, besser kann es eigentlich nicht mehr werden. Mackenzi Lee benutzt in “Eine Weltgeschichte in 50 Hunden” das uns aus bspw. den Good Night Stories for Rebel Girls schon wohlvertraute Prinzip, über Einzelne eine kollektive Geschichte zu erzählen.

Es wird euch nicht überraschen, dass ich dabei natürlich meine üblichen Meckereien habe: Nur weil gerade in der alten Geschichte beispielsweise Ägypten oder China auftauchen, ist mir der Begriff “Weltgeschichte” dann doch etwas hochgestochen, zumal eben kein erzählerischer Zusammenhang entsteht. Auch die einzelnen Kapitel sind natürlich nicht super ausdifferenziert erzählt. Andererseits wäre das natürlich auch eine etwas schräge Erwartungshaltung an ein Buch, das klar als unterhaltendes gestaltet und markiert ist.

Von Peritas über den Blindenhund zu Laika im Weltall

Trotzdem habe ich einiges aus der Sammlung mitgenommen. Mackenzi Lee macht deutlich, wie Hunde das menschliche Leben begleitet haben. Wie sie beispielsweise als Rettungshunde ausgebildet wurden, wie sie Expeditionen begleitet haben oder für gute Ideen bei ihren Halter*innen sorgten. Vom ersten Blindenhund in den USA über den mythenhaften Hund Alexander des Großen, Peritas, macht Mackenzi Lee viele Stationen, die chronologisch sortiert sind. Die große Frage im Hintergrund ist dabei immer wieder: Wie gehen wir mit Tieren um? Welchen Stellenwert räumen wir unseren Mitbewohner*innen auf der Erde ein? Besonders deutlich wird das in Texten wie dem zu Laika, der ersten Hündin im Weltall. Dass Lee hier ihre eigene Ambivalenz sichtbar macht, tut dem Text gut und macht manche der Kapitel dann doch auch didaktisch wertvoll, da sie Diskussion ermöglichen. Dürfen wir über die Haltung zu Tierversuchen der damaligen Zeit urteilen? War es legitim, Laika in den Weltraum zu schicken und bei der Mission sterben zu lassen?

Der Band arbeitet mit ganzseitigen Illustrationen und kleinen Infokästen, ist also unterhaltsam in kleinen Häppchen zu genießen. Gelegentlich nervt die allzu Social Media-tönende Sprache ein wenig, insgesamt aber ein Buch, das ich wirklich empfehlen kann. Auch und gerade für Hunde-Fans!

Sprache 4/5
Gestaltung 5/5
weiterführende Tipps 0/5

Mackenzi Lee: Eine Weltgeschichte in 50 Hunden. Aus dem Englischen von Daniel Beskos. Mit Illustrationen von Petra Eriksson. Suhrkamp 2020. ISBN: 978-3-518-47103-6. €18.

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