Sinnlosigkeit im Krieg

Olaf Fritsches „Wüstenmatrosen“

Cover Wüstenmatrosen
c Dressler

„Wüstenmatrosen“ von Olaf Fritsche ist eines der Bücher, auf die ich durch Monika Rox-Helmers Untersuchung zum Einsatz von Kinder- und Jugendliteratur im Geschichtsunterricht aufmerksam geworden bin. Es ist mittlerweile nur noch antiquarisch erhältlich und erzählt anhand der Odyssee der Besatzung der „Emden“ von der Sinnlosigkeit des Krieges.

Jan Petersen würde am liebsten zur Marine, die Schule endlich hinter sich lassen. Und hat dann unglaubliches Glück, denn der Direktor der Schule bringt ihn tatsächlich als Schiffsjungen unter – eigentlich als Straf- und Disziplinierungsmaßnahme. Tatsächlich gerät Jan das ein oder andere Mal mit Vorgesetzten aneinander, doch nach und nach gelingt es ihm, sich in die Strukturen einzufinden. Als dann der Erste Weltkrieg beginnt und die Emden zunächst vor allem auf Kaperfahrt ist, kommt er sich vor wie ein großer Held – bis er die ersten Kriegstoten sieht. Nach und nach begreift er die mangelnde Kriegsbegeisterung von anderen Teilen der Besatzung. Und das Kriegsglück bleibt der Emden nicht hold. Über Umwege gelangt die Besatzung – ohne Schiff – im heutigen Jemen, wandert durch die Wüste „Arabiens“, vor und zurück, bis endlich irgendwie ein Weg gefunden werden kann, nach Hause zu gelangen. Das Buch endet dort, lange vor dem Kriegsende, die zentralen Dinge über Krieg und Tod und „Vaterland“ sind da auch längst gesagt.

Toll ist, dass Fritsche seinem Buch sowohl Lektüretipps als auch ein Nachwort anschließt, das deutlich macht, dass die Figur des Jan Petersen zwar Fiktion ist, alles andere aber auf Recherche basiert und wann und wo er bestimmte Elemente gerafft hat. Ärgerlich ist aus meiner Sicht die Darstellung von Frauen – zwar verliebt Jan sich in Aischa und diese findet auch Mittel und Wege zu ihm zu kommen, insgesamt aber gibt es wenig Marker, die die patriarchale Welt, in der die Matrosen leben, hinterfragt wird, im Gegenteil schimmert sogar gelegentlich eine kulturelle Überlegenheit auf, die zwar aus Sicht der erzählenden Figur sicherlich der damaligen Wahrnehmung entspricht, aber eben zu wenig über die Handlung aufgehoben wird. Als Abenteuergeschichte mit reellem Hintergrund und pazifistischer Botschaft jedoch ist dieser Roman lesenswert und spiegelt gelungen das Weltbild der Zeit, die er beschreibt.

Sprache 5/5
weiterführende Tipps 5/5
Handlung 4/5

Olaf Fritsche: Wüstenmatrosen. Dressler 2008. Ab 12 Jahren. ISBN: 978-3-7915-0442-1. Nur noch antiquarisch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.